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Es wurde mal wieder Zeit und meiner mittlerweile fünf Jahre alten Tochter musste mal wieder der Pony geschnitten werde. Nach einem langen Tag in der Kita. Eigentlich keine gute Idee, oder? Nun, es war einer dieser guten Tage. Es gab nämlich Schokolade zum Nachtisch. Wir machten uns also auf den Weg zum Friseur, damit das Kind wieder etwas sehen kann.

Im Friseursalon angekommen, begrüßte uns gleich eine sehr laute Friseurin. Sie hatte feuerrote Haare und Nägel, welche eher einer Heckenschere ähnelten. In Knall-Neon-Pink. Laut begrüßte Sie uns und ich merkte, dass meiner Tochter bereits bei der lauten Ansprache:“ Na, wollen wir beide mal Haare schneiden“ etwas mulmig wurde.

Als Ruby dann auf dem Friseurstuhl saß, gingen die lauten Ausrufe an Sie weiter. Tina, die Friseurin hatte sich selbst zur „Kinderkennerin“ ernannt. Sie fuhr mit ihren langen Schaufeln durch die Haare meiner Tochter und begutachtete Länge und Struktur. Ruby saß derzeit etwas sprachlos und von der Lautstärke irritiert auf dem Stuhl und fragte mich leise: „Mama, die ist so komisch!!“

Um das Haare schneiden zu ermöglichen flüsterte ich ihr zu: „Maus, alles in Ordnung, die gehört so.“
Innerlich musste ich schon schmunzeln, als ich mein Kind mit verschränkten Armen auf dem Stuhl sitzen sah, ausgeliefert an diese doch eben sehr laute Person.
Ich kenne mein Kind…Es konnte sich nur um Minuten handeln, bis Ruby sich zur Wort melden und das sagen würde, was sie denkt.

Tina, die Friseurin, fuhr also fort und vergrub Ihre langen Nägeln in Rubys Haaren und fragte sie laut und wahrscheinlich ihrer Meinung nach sehr einfühlsam:“ Na, haste bevor ich anfange, noch Fragen?“. Ruby schaute sie an und antwortete zielgerichtet: „Ja…warum hast Du so einen großen Popo?“
Da waren sie, diese Sekunden, die sich anfühlten wie Stunden, Tage, ach was sag ich, JAHRE….Mir blieb die Luft weg und Tina anscheinend auch: Schnell rappelte sie sich und antwortete laut und zickig : „Weil ich darauf stolz bin!“. Ruby schaute zu mir rüber..Ich versuchte Ihr mit meinen Blicken zu sagen, dass sie sich bitte zusammenreissen solle. Die typischen Blicke einer Mutter an ihr Kind, welche wie eine Geheimsprache funktionieren, ohne das es jemand im Umfeld mitbekommt. Also normalerweise funktionierte das immer…..Da hatte ich die Rechnung mal wieder ohne den Wirt gemacht.

Ruby fragte darauf genau so laut zurück:“Und, was ist, wenn Dein Po noch dicker wird“? Tina, die mittlerweile schon etwas irritierter zu sein schien und eher wie ein „großer“ Fels in der Brandung zu wirken versuchte (zumindest äusserlich) erwiderte laut zurück: „Dann bin ich eben noch stolzer darauf!“ 1:0 für Tina.

Sternstunden einer Elternschaft. Schwitz…..All meine Blicke konnten nicht mehr helfen. Der Bann war gebrochen und es war klarer als Kloßbrühe, dass Tina Ruby nicht mochte und mein Kind Tina leider auch nicht.
Während Tina also anfing, Ruby vom lästigen Pony zu befreien, folgten strenge Anweisungen: „Kopf nach vorn“!!, „Kopf runter“! „Kopf hoch!“ „Höher!“

Ruby funktionierte einfach nur noch und ich konnte förmlich Ihre Gedanken lesen. Nein, Freundschaft konnte das nie mehr werden. Innerlich musste ich mich natürlich auch zusammenreissen und mich bemühen nicht auch mit dem Lachen anzufangen. Immerhin ist Ruby gerade erst fünf Jahre alt geworden, dennoch fand ich es wirklich mutig wie sie Ihre Gedanken aussprach. Ihr dürft mich nicht falsch verstehen, ich bringe Ruby stets bei, dass es NICHT in Ordnung ist, Menschen auf Grund ihres Aussehens nach zu beurteilen. Ich bringe ihr auch bei, dass wir nie respektlos anderen Menschen gegenüber sein dürfen. Ich ahnte ja nicht, das auf eine einfache Frage SO eine Gegenfrage kommen könnte. Zumal Kinder das gar nicht böse meinen sondern eben tatsächlich mit reiner naturwissenschaftlicher Neugier.

Ich bin mir sicher, dass Ruby sie gar nicht beleidigen wollte, Kinder in ihrem Alter interessieren sich eben wirklich für Tatsachen und so war die Frage nach dem „dickeren Po“ garantiert nur eine wissenschaftliche Analyse ihrerseits.

Als die Haare dann geschnitten waren und wir wortlos zur Kasse geführt wurden, wurde plötzlich auch mehr berechnet, als das, was wir sonst zahlen. Der Grund war mit schnell klar und ich sagte lieber nichts und war froh, dass wir das hier hinter uns hatten.
Ein letztes Mal bäumte Tina sich auf und sagte richtig laut: „Na? Magst Du einen Lollie?“

Mein Kind nahm diesen und ich nahm sie an die Hand, um aus dem Salon zu gehen. Gerade als wir die Tür aufmachen wollten, ereilte uns noch ein lauter Nachruf von Tina: „Und was sagt man, wenn man einen Lollie bekommen hat?“

Ruby drehte sich genervt um und rief zurück: „Danke“!! Und schneid`dir Mal die Nägel, die pieken!“
Ich sah noch durch das Schaufenster, wie Tina der Mund offen stand…Mir auch. Trotzdem taten meine Wangen schon weh, da ich mich die ganze Zeit bemüht hatte, nicht los zu lachen.
Ein paar Schritte weiter nahm ich mir Ruby nochmal zu Brust und sagte das, was jede Mutter ihrem Kind nach so einem Vorfall gesagt hätte.

Die Antwort von Ihr verblüffte mich, denn sie erwiderte, dass sie sehr wohl wüsste, wie man sich zu benehmen hätte, dass ihr die Nägel der Frau aber wirklich wehgetan hätten und dass sie wirklich komisch und grob zu Ihr war.

Mein Kind war einfach nur ehrlich, wir Erwachsenen verlernen so etwas einfach nur ganz schnell.

1 Kommentar

  1. „Ich bringe ihr auch bei, dass wir nie respektlos anderen Menschen gegenüber sein dürfen.“ What? So beleidigend und respektlos wie sie sich durch das Schreiben des Artikels verhalten? Nur um ein paar Lacher u Likes zu erhalten? Das ist echt rtl2 niveau.

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