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Ein Gastbeitrag von Lena aus Leverkusen.

Wenn man wirklich schwanger ist, merkt man, wie dämlich Hollywood Filme doch sind. In Filmen ist die Schwangerschaft ein magisches Ereignis, welches grundsätzlich sehr sauber und ohne Probleme abläuft. Die Gebärmutter schwillt zwar an wie ein Wasserballon aber die Frauen sehen immer glücklich und SEHR GUT aus, im neunten Monat platzt dann die Fruchtblase und schon zwei Minuten später ist das BABY da! Diese Frauen gehen auch geschminkt in den Kreißsaal und kommen auch geschminkt wieder raus. Selbst die Wimperntusche sitzt noch da, wo sie hingehört. Sonst ändert sich nichts, das Leben geht ganz normal weiter. Natürlich verlassen diese Frauen das Krankenhaus mit dem Gewicht von VOR der Schwangerschaft.

So ein Blödsinn.
Schwangerschaft bedeutet mehr als nur eine riesige Gebärmutter. Der ganze Körper verändert sich, es ist eine total verrückte Erfahrung. Du wirst vielleicht auf eine Liege kacken und du willst nachts um drei eventuell saure Gurken und du bekommst vielleicht plötzlich Lust auf die unmöglichsten Dinge, die du vorher noch nie mochtest. Du bekommst eventuell lästige Dehnungsstreifen und deine Brüste werden größer und die Leute werden versuchen, deinen Bauch permanent zu berühren und du wirst sie dafür mehr als einmal schlagen wollen.

Allerdings gibt eine ganze Reihe anderer Dinge, über die niemand, wirklich NIEMAND, nicht einmal das Internet, gerne spricht. Wir natürlich schon.

1. Popel. Lass uns über Popel sprechen. 
Kennst du das, wenn Kinder sich die ganze Zeit in der Nase bohren? Das wirst du auch machen, wenn du schwanger bist. Wenn du schwanger bist, läuft alles auf Hochtouren und du bildest ganz viel Schleim in irgendwelchen Höhlen deiner Nase, was wiederum für Popel sorgt. Leider reden wir hier nicht von kleinen, zierlichen Dingern. Das werden verdammt große, wuchtige Oschis sein. Seltsame Dinge werden in deiner Nase erscheinen, die aus einem Horrorfilm der 50er Jahre zu Hause stammen könnten, und du wirst einen plötzlichen, unaufhaltsamen Drang verspüren, diese gründlich zu entfernen. Wenn du weitere Kleinkinder hast, vergiss bitte nicht, ihnen zu sagen, dass sie diese Absonderungen nicht aufheben sollen. Stellt euch darauf ein, dass sie sich leider nicht zurückhalten können. Macht sich beim Einkaufen super.

2. Du wirst verdammt komische Träume haben.

Eines Nachts, als ich mit Baby Nr. 2 schwanger war, hat Angela Merkel ein Blumenarrangement in meinem Schlafzimmer arrangiert und danach meinen Mann geheiratet. In meinem Schlafzimmer. Ich war total gefesselt. Das einzige Mal, als ich vorher so lebhaft geträumt habe, war, als ich aus Versehen mit einem Nikotinpflaster auf dem Arm  eingeschlafen bin. Bereite dich also darauf vor, dass du in kaltem Schweiß aufwachen wirst, weil der ganze Bundestag in Zombiegestalt hinter dir her ist. Gute Nacht.

3. Apropos darauf vorbereitet sein: Du brauchst extra Unterwäsche.
Du denkst, nur weil du nicht mehr ein Mal im Monat blutest, kannst du ab jetzt schöne Unterwäsche tragen? Ohhhhh nein. Hast du jemals gehört, dass dein Mann im Schritt so schwitzt, dass er die Unterbuxe wechseln muss? Wenn du schwanger bist, verschleisst du mindestens zwei Paar Unterwäsche pro Tag. Schwangerschaft-Informations-Websiten umschreiben das stets nett und erklären euch lediglich, das es zu etwas vermehrter Feuchtigkeit im Schritt kommen kann. HAHHHAAAAAA. Das ist total ungenau. Du wirst  schwitzen wie eine dunkle Schmadderkröte aus der blauen Lagune, besonders in deiner Leistengegend. Geh also Unterwäsche einkaufen. Kaufe viel davon, sehr viel. Denk an 100 % Baumwollanteil. Und daran, die Schlüpfer in zwei Größen größer zu kaufen.

4. Andere Menschen unterschätzen dich. 
Natürlich sagen sie dir NICHT, dass sich dieser berühmte Nestbauinstinkt anfühlt, als hättest du gerade mühelos drei Iron Mans geschafft, auf einem Bein natürlich. Du schaffst das wirklich mühelos – es ist alles gut! Du rockst das, Mama! Ein plötzlicher, heftiger Drang, Möbel zu reinigen und möglicherweise neu anzuordnen, wird dich in Besitz nehmen. Erschöpfung in der Schwangerschaft? Du wirst davon nichts spüren. Zeit und Raum und andere Kleinkinder werden plötzlich irrelevant, weil das alles unbedingt und genau JETZT getan werden muss, und du tust es auch SOFORT, und es fühlt sich fantastisch an. In Woche 22 habe ich versucht, ohne Hilfe, alle Babymöbel auf einmal abzubauen. Ich ließ schwere Babymöbel auf meine Zehen fallen, wickelte meinen blutenden Fuß in einen Waschlappen und arbeitete einfach weiter. Oh, und du wirst am nächsten Tag den ganzen Tag verschlafen. Die bösen Folgen dieser plötzlichen Aktion werden in der Regel erst im Nachhinein erkannt.

5. Du wirst Schmerzen haben wie eine alte Oma. 
Ja, deine Hüften werden sich ausbreiten. Ja, dein Becken und deine Füße werden wehtun. Wir alle wissen, dass schwangeren Frauen die Füße schmerzen. Auch deine Hände, deine Handgelenke, und vielleicht auch deine Daumen. Irgendwo um die 32. Woche herum litt  ich plötzlich am Karpaltunnelsyndrom und musste fortan mit diesen dummen Handgelenksschienen schlafen. Die Familie, alle Freunde und meine ehemalige inkompetente Hebamme haben mir gesagt, dass ich auf keinen Fall Schmerzmittel nehmen darf. Sei du kein verdammter Märtyrer. Nimm die verdammte Pille. Bevor du weinend im Bett liegst, gönn dir eine Paracetamol (Wirklich nur im Notfall und vorher mit dem Arzt abgesprochen!!!)

6. Die Leute werden beleidigende Bemerkungen über dein Gewicht machen.


Alle (auch völlig Fremde) werden dich fragen, wann du denn „fällig“ bist. Wenn dein ET noch weit in der Zukunft liegt, dann bist du ihrer Meinung nach entweder zu fett oder schwanger mit Zwillingen. Wenn der ET schon bald da ist, bist du entweder zu dünn und du musst dringend mehr essen. Bei meiner letzten Schwangerschaft hatte ich zusätzlich zur Vorderwand Plazenta auch eine Schwangerschafts-Diabetes. Irgendeine Dame – eine andere Mutter, die es ja eigentlich hätte besser wissen müssen, fiel fast in Ohnmacht, als ich ihr mitteilte, dass ich erst in der 14. Woche war. Sie hatte auf die 38. Schwangerschaftswoche getippt. Ich hätte sie fast geschlagen. Das wird dir auch passieren. Ich empfehle dir, den nervigen Leuten stets zu antworten, dass du gar nicht schwanger bist. Stattdessen hast du eine Stoffwechselstörung. Wenn du dick genug aufträgst, kannst du sie vielleicht zum Weinen bringen.

7. Du kannst verdammt aggressiv werden. 
Du wirst sehr, sehr, sehr, sehr wütend auf gewisse Dinge werden. Ein anderer Autofahrer hat dich im Verkehr abgeschnitten? Er hätte dein Baby töten können! Die Verkäuferin sagt dir, du siehst aus, als würdest du gleich platzen? Sie ist eine fette Schlampe, die an ihrer verpfuschten Fettabsaugung sterben soll!! Andere dünne schwangere Frauen, zu laut bellende Hunde, deine eigenen Kinder – das alles wird zu Objekten deines Zorns. Das vergeht, Süße! Geh in dein Schlafzimmer und hör dir Heavy Metal an. Es wird vorübergehen.

8. Und schließlich: Lass uns über deine Brüste reden!
Ja, sie werden größer werden. Ja, sie könnten wehtun. Aber vor allem hat die Modebranche entschieden, dass man, da man so ein fetter, nutzloser, nicht-sexueller Wal ist, sie unbedingt NOCH besser zur Schau stellen sollte. Alle Umstandsmoden haben riesige Ausschnitte. Vergiss normale Ausschnitte. Jetzt bestehst du quasi nur noch aus Busen, Schatz, also zeig sie der Welt!

Außerdem wirst du nach der Geburt erstmal eh nichts weiter als eine Milchkuh sein, also genieße deinen Zustand  – Genieße all das Schöne, das Schlechte, das Schwitzige und das Nervige. Es lohnt sich nämlich.

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