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Von Johanna aus Wien

Man hört oft erfahrene Mamas von den Freuden sprechen, die einem begegnen, wenn die Kinder altersmäßig nahe beieinander liegen. „Sie werden später im Leben besser miteinander auskommen, wenn sie altersmäßig dich aneinander liegen, sagen sie dann gerne.“

Ich habe viele sagen hören, dass ein Abstand von drei Jahren perfekt ist! Aber es auch gibt Dinge, die sie dir bewusst nicht sagen, wenn du schwanger bist und gleichzeitig noch ein Kleinkind zu Hause hast. Wenn du also darüber nachdenkst, ein zweites Kind zu planen, während du noch ein Kleinkind herumlaufen hast, lies das bitte zuerst. Du kannst mir vertrauen, ich bin nämlich gerade schwanger und erziehe parallel noch ein Kleinkind.

Du wirst Mütter beneiden, die das erste Mal Mama werden. Dein Kleinkind flitzt nämlich wie ein Gummiball durchs Haus, während deine Augen dich innerlich anflehen, sich doch endlich mal zu schließen, weil du einfach so müde bist und genau dann wirst du neidisch. Du wirst die Erstlings- Mütter beneiden, die ein Nickerchen machen können, wenn sie den Drang dazu verspüren. Du wirst sie dafür schlagen wollen, dass sie dir sagen, dass sie endlich nicht mehr schwanger sein wollen, um endlich ihr Kind kennen lernen zu können. Du willst diesen unwissenden Frauen gerne sagen, dass sie ihren Schlaf lieben und die Freiheit schätzen sollen, solange es noch geht. Aber sie werden nicht zuhören.

Du wirst allmählich anfangen zu glauben, dass dein Kleinkind eine hellseherische Kraft besitzt. Kann es wirklich spüren, dass du keine Energie mehr hast, um das Haus zum 1000sten Mal zu umrunden und nach Fröschen zu gucken? Kann es spüren, dass du dich gerade hingesetzt hast, um die erste Mahlzeit des Tages um zu dir zu nehmen (14 Uhr!!), um genau DANN einen riesen Stinki in die Windel zu drücken? Kann es spüren, dass du dich wirklich nur auf die Couch legen und entspannen willst ABER genau dann die Zeit reif ist für einen filmreifen Wutausbruch? Ja. Doch, das kann es. Dein Kleinkind wird dich um all das bitten, besonders dann, wenn du keine Energie mehr übrig hast. Es wird dich an deine Grenzen bringen, Grenzen, von denen du dachtest, dass dein schwangerer Körper niemals in der Lage sein wird, diese zu meistern. Wenn du jedoch tatsächlich mal Energie übrig hast und du dich in der Nacht davor ausreichend erholt hast, wird es ein perfekter Engel sein und sich den ganzen Tag ohne Gejammer, Beschwerden oder Forderungen beschäftigen können.

Dein Bauch wird zur neuesten Attraktion im Vergnügungspark „Mama“. Ja, ich wurde getreten und sogar als Kissen benutzt, da mein Bauch während der Schwangerschaft größer wurde und meine liebe, liebe Tochter glaubte, dass mein Bauch der neueste und größte Hit der Kletter- und Gymnastik-Mami ist. Sie glaubt, mein Bauch sei ein Kissen. Sie glaubt auch, dass sie daran abprallen wird, wenn sie versucht, darauf zu hüpfen. Sie scheint nicht zu begreifen, dass ein kleines Lebewesen in diesem kleinen Raum lebt, welches gar nicht gerne getreten wird. Ich bete jeden Tag, dass der kleine Bruder nicht mit 10 Millionen blauen Flecken geboren wird, weil seine große Schwester zu neugierig auf den großen, neuen Mami-Bauch war.

Nur kein Mitleid, denn auch wenn du jede Menge Mitgefühl von Familie und Freunden für deine neue Schwangerschaft bekommen wirst, so wird dein Kleinkind sich nicht an dieser Sympathie-Bekundung beteiligen. Freunde und Familie sagen vielleicht: „Oh, du armes Ding, du.“ Aber dein Kleinkind sieht das nicht so. Dein Kleinkind wird sich nicht darum kümmern, wie schlecht sich Mama fühlt oder wie viel Energie ihr fehlt. Dein Kleinkind wird ihren Keks wollen und sie wird ihn jetzt wollen! Und es gibt da auch keine Ausreden! Dein Kleinkind verfolgt eine „Null-Toleranz“-Taktik und eine Schwangerschaft ist kein mildernder Umstand!

Diese Schwangerschaft wird sich gefühlt 10 mal härter und schlimmer anfühlen als die erste! Das ist Fakt. Und du wirst nicht genau sagen können, ob es daran liegt, dass „alle Schwangerschaften anders sind“ oder ob es daran liegt, dass dein schelmisches Kleinkind dich auf die Palme bringt, dich nicht in Ruhe essen lässt und dich nicht pinkeln oder kotzen lässt. Du wirst es nie erfahren und ich muss dir leider sagen, dass du dich leider auch 10 mal müder und schrecklicher fühlen wirst.

Dein Kleinkind wird sich an dich klammern. Neun. Monate. Etwas Seltsames geht hier vor sich. Dein Kleinkind, das vielleicht schon immer anhänglich war, wird dich nicht einmal in Ruhe atmen lassen. „Warum?“ fragt man sich. Dein Bauch lässt sie durchdrehen! Sie versteht es nicht. Du sagst immer wieder, dass es ein Baby in deinem Bauch heran wächst. Das macht ihr Angst. Sie will dich nicht verlieren. Sie kann noch nicht sagen, dass etwas mit deinem Körper anders ist und dass sie Angst hat, dass sie dich für immer verlieren wird. Deshalb kann ich auch nicht aus dem Raum gehen, ohne ihr zu sagen, wohin ich  gehe. Gott bewahre, denn wenn ich das doch mal vergesse, dann rennt sie durchs haus und schreit: „Mami! Mami!“ Es ist nicht schön. Du darfst niemals, ich wiederhole, niemals versuchen, dich davonzuschleichen. Es wird dich finden! Und selbst der Papa darf die Mami nicht mehr offensichtlich lieben, sonst fühlt sich dein Kleinkind nämlich vernachlässigt. Somit müssen Mami und Papi immer einen Meter Abstand halten.

Dein Kleinkind wird sich wieder zurückentwickeln. Das wird noch schlimmer, wenn das Baby tatsächlich da ist. Es wird vergessen, wie man das Töpfchen benutzt, es will wieder aus der Flasche oder der Brust trinken. Es wird mit dir streiten, wie du es noch nie erlebt hast, und du wirst verzweifelt versuchen, ihm zu erklären, dass sie/er doch schon ein großes(r) Mädchen/Junge sind.

Ihr werdet gemeinsam Wutanfälle miteinander teilen. Ja, es wird Momente geben, in denen dein Mann dir nicht genau sagen kann, wer das Kleinkind und wer der Erwachsene ist. Du und dein Kleinkind ihr werdet beide weinen. Das Kind weint, weil es den blauen Teddybär will, den du vergeblich seit über zwei Stunden im Haus gesucht hast, und dir tut dir alles weh, weil die Suche nach dem ollen Bären dir alle Kräfte abverlangt. Du willst dich nur mal hinsetzen und deine schmerzenden Füßen ausruhen, deinen Rücken entspannen und deine zerfetzten Nerven beruhigen aber das Kind sieht das leider ganz anders. Somit weint ihr beide. Hormone! Irgendwann hört dein Kleinkind auf zu weinen und kommt zu dir und sagt: “ Nicht weinen, Mami.“ Und du wirst dich fühlen, als wärst du das Kleinkind und das Kind die Mami, die kommt, um dich zu trösten.

Es wird nicht alles schlecht sein. Meine Tochter genießt es, meinen Bauch zu küssen und ihrem kleinen Bruder zu sagen, dass sie ihn liebt und dass er jetzt schon ihr bester Freund ist. Es gab durchaus Stunden, in denen sie mich kurz schlafen ließ, und ich war immer dankbar dafür. Es gab gute Zeiten. Allerdings kamen die wirklich anstrengende Zeiten definitiv häufiger vor, als die guten, nicht so anstrengenden Zeiten.

Aber wisst ihr was? Das ist der Preis, den du zahlen musst, wenn der Altersunterschied deiner Kinder nicht allzu groß sein soll. Augen zu und durch!

 

 

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