Ein Gastartikel unserer Leserin Julia aus Göttingen

Ich habe in meinem Leben noch nie so viel Unterstützung gebraucht, wie jetzt, wo ich Mama bin. Leider gibt es nämlich keine Gebrauchsanweisung, anhand derer wir uns auf diese neue Rolle vorbereiten können. Es spielt keine Rolle, wie viele Bücher man liest, wie viele Ratschläge man vorab bekommt oder wieviel Fragen man in Facebookgruppen stellt. Das Mamasein muss erst selbst erlebt werden, um wirklich verstanden zu werden, und selbst dann fühlen sich die meisten von uns sich immer noch ab und an verloren und allein.

Wenn eine Frau ein Baby bekommt, dann prasseln die Hilfsangebote nur so über sie hinein. Tatsächlich gibt es kurz nach der Geburt so viel Hilfe und Unterstützung, dass man sogar manche Leute abweisen muss, damit man mal in Ruhe und allein mit seinem Baby sein kann. Als ich zum ersten Mal Mama wurde, da hat mich der ganze Besuch und all die Unterstützungsangebote nur genervt und überfordert. Sie meinten es sicherlich nur gut, mir war allerdings jeder Besuch zu viel. Ich brauchte die Zeit für mich und mein Baby. Ich wollte nicht, dass jemand meine Tochter auf dem Arm hält und außerdem hatte ich Angst vor ungebetenen Keimen und Ratschlägen. Ich wollte diese Einsamkeit. Alles war so überwältigend, dass meine Seele erstmal Ruhe brauchte.

Wenn es mir schlecht ging, dann rief ich meine Mama an oder schrieb meiner besten Freundin ne WhatsApp oder ich heulte vor den Augen meines Mannes. Jedes Mal bekam ich die Unterstützung, die ich brauchte. Sie beruhigten mich, ermutigten mich und stellten mich ganz sanft wieder auf die Beine. Ohne sie wäre ich verloren gewesen. Irgendwann schlich sich der Alltag ein und obwohl ich zu dem Zeitpunkt wirklich offen für Besuch war, bleib dieser mehr und mehr aus. Die Leute hörten auf, nachzufragen, wie es mir ging, und schon bald war das Leben wieder ganz normal. Für mich war es allerdings nicht normal, es war zumindest ein „ganz neues normal“. Versteht ihr, was ich meine?

Die Sache ist die: Wir Mamas brauchen nicht nur direkt nach der Geburt Unterstützung, danach ist sie mindestens genauso wichtig. Die meisten Leute rennen dir am Anfang die Tür ein, um an einem süßen Babykopf riechen zu können aber kaum jemand bringt dir einen Sack Windeln vorbei, wenn das Kind schon zwei Jahre alt ist. Es war niemand da, als Erik das erste Mal Magen Darm aus dem Kindergarten angeschleppt hatte und ich vor lauter Wäschebergen kaum noch Licht sah. Als er das erste Mal 40 Fieber hatte und mein Mann arbeiten war, da fühlte ich mich sehr allein gelassen. Ich meine, die anstrengende Zeit hört ja nicht einfach so und plötzlich auf, oder?

Natürlich würde ich nie erwarten, dass jemand kommt, um meine Wäsche zu falten, aber ich hätte mir wirklich seelischen Beistand gewünscht, denn die Ängste hören ja nicht auf, nur weil das Baby kein Baby mehr ist. Ganz im Gegenteil: Je größer das Kind, umso größer die Sorgen.

Von uns Mamas wird erwartet, immer stark und belastbar zu sein, aber trotzdem bleibt die Frage nach der richtigen Erziehung nicht aus. Wer weiß schon, wie man alles richtig macht? Uns plagen die Sorgen, ob wir uns richtig entscheiden. Tun wir auch das Richtige, zum Wohle der Familie? Wenn wir dennoch mal die Beherrschung verlieren, dann schämen wir uns und sind traurig. Wir geben unser bestes, um alles zusammenzuhalten, denn wir sind der Kleber der Familie.

Mama zu sein ist körperlich und emotional anstrengend, egal ob man nun ein Neugeborenes, ein Kleinkind, einen Grundschüler oder einen Teenager zu Hause hat. Die Gnade, die wir anderen entgegen bringen, erlauben wir uns selbst nicht. Wir erwarten von uns selbst viel zu viel, weil wir das stets beste für unsere Familien wollen.

Manchmal stolpern wir. Manchmal fallen wir hin. Und manchmal fühlt es sich fast unmöglich an, wieder aufzustehen. Und ja, in genau diesen Momenten brauchen wir die Unterstützung. Wir brauchen jemanden, der uns sagt, dass wir gut so sind, wie wir sind. Jemand, der uns ermutigt, jemand, der uns durch das Tal der Tränen wieder heraus führt, jemand, der uns daran erinnert, dass wir auch nur Menschen sind, und Fehler zum Leben dazugehören. Wir brauchen jemanden, der uns so nimmt wie wir sind und jemand, der uns sanft wieder auf die Beine hilft, damit wir es morgen wieder mit neuer Kraft versuchen können.

Ich rief meine beste Freundin an, als mein fast vierjähriges Kind sich plötzlich weigerte, aufs Töpfchen zu gehen. Er pinkelte überall hin, nur nicht ins Töpfchen und er hielt sein großes Geschäft solange zurück, bis es buchstäblich zu einem medizinischen Notfall wurde. Ich hatte einen totalen Tiefpunkt erreicht. Ich fühlte mich wie eine Versagerin. Meine Freundin hörte mir zu und erzählte mir, dass ihr Sohn auch so eine Phase hatte. Sie beruhigte mich, ermutigte mich und brachte mich wieder zum Lachen.

„Süße, wer wird denn wegen dem bisschen Kacke gleich weinen?!“

Ich hatte geweint.

„Das machen doch nur Mamis“, sagte sie grinsend. Ich musste ebenfalls grinsen.

Mamas. Wir sind eine Elitegruppe. Dieser Job ist nichts für schwache Nerven, und niemand versteht unseren täglichen Kampf so gut, wie eine andere Mama. Wir müssen so oft wie möglich füreinander da sein. Wir müssen solidarisch sein, und zwar nicht nur dann, wenn es gerade mal schlecht läuft, sondern immer, auch ohne speziellen Grund. Mütter brauchen immer Unterstützung. Dieser Job wird nämlich nie einfacher, aber ein wenig Liebe, ein kleines Lächeln und ein wenig Unterstützung können ihn sicher ein wenig leichter machen.

 

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