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Ein Gastartikel von Susanne aus Bonn.

Ich falte die Decken im Wohnzimmer zusammen. Es gibt drei große Häkeldecken, eine kleinere Häkeldecke und eine gewebte Wolldecke. Jeder aus der Familie hat seine eigene Decke.

Im Schlafzimmer haben wir auch Decken: Eine irische Wolldecke, eine unfassbar teure Kaschmirdecke und eine flauschige ein-Muppet-wurde-für-die-Herstellung dieser Decke getötet. Mein Mann und seine drei Söhne, aber vor allem meine drei Söhne, ziehen sie herunter, zerknüllen sie, lassen sie auf dem Boden liegen und versuchen, mit ihnen ganze Festungen zu bauen. Ich bin es dann, die jede einzelne Decke am Ende des Tages aufhebt, diese wieder zusammen faltet um sie dann gesammelt wieder auf die obere Ecke der Couch zu legen. Das wiederhole ich des Öfteren. Mit „wiederholen“ meine ich „sechsmal am Tag wiederholen“. Niemand sonst tut das. Die Kinder kommen rein und schwups sind die Decken alle wieder auf dem Boden.

Das Gleiche gilt für andere flauschige Dinge im Haus. Ich bin diejenige, die geduldig die Läufer richtet, angefangen von der Küche bis zum Ess- und Wohnzimmer. Ich bin diejenige, die die verdammten Kissen wieder aufhebt (nicht mehr so geduldig), wenn die Kinder sie benutzt haben, um noch größere Festungen zu bauen oder wenn sie sie einfach aus reiner Freude umher geschleudert haben.

Das sind die Dinge, die jede Mutter tut. Das sind die Dinge, die niemand bemerkt. Und nach einer Weile wird das Nicht-Wahrnehmen zu einer Belastung für die Seele. Du fühlst dich nicht gesehen. Du fühlst dich, als wärst du unwichtig. Du hast das Gefühl, dass sich niemand um deine Zeit oder deine Fähigkeiten kümmert. Und es tut weh.

Ich meine nicht die großen Aufgaben. Das macht mir nichts aus. Ich mache die Wäsche. Ich wasche sie, ich trockne sie, sortiere sie (eventuell), falte sie und lege sie in die Schränke. Ich putze die Badezimmer – mit erschreckender Unregelmäßigkeit, aber ich tue es. Das stört mich nicht. Ich wische die Böden. Ich staubsauge. Ich wische Kotze weg und sammle Hundescheiße auf. Ich empfinde keinen Groll gegen diese Dinge. Sie werden bemerkt, zumindest von mir und meist auch von meinem Mann, der wenigstens die Gnade besitzt, sich ab und an dafür zu bedanken (auch wenn ich es laut ankündigen musste: „Ich habe den Küchenboden gewischt!“). Seine Danksagungen geben dieser Arbeit einen Sinn. Es zeigt ihm, dass ich ihn und die Kinder liebe.

Denn warum zum Teufel sollte ich es sonst tun?

Und dann gibt es da noch die Schei…, von der niemand etwas weiß. Jedes Mal, wenn ich eine Murmel sehe, hebe ich sie auf. Jedes Mal, wenn ich eine der Sammelmünzen der Kinder finde, die ihr Großvater ihnen zu Weihnachten geschenkt hat, hebe ich sie auf. Ich habe eine runde metallische Büchse im Wohnzimmer, in die ich all die winzige Dinge werfe, für die ich noch keinen festen Platz habe. Meine Familie ist sich dessen nicht bewusst. Ich benutze diese Büchse, um Legosteine und Plastiksoldaten und Würfel und Murmeln zu verstecken. Die Tatsache, dass diese Büchse sich mitten in der Küche befindet und niemand davon weiß, ist eine kleine Genugtuung für mich.

Es gibt eine berühmte katholische Geschichte über eine Kathedrale, darüber, wie wir den Architekten verehren, aber keiner etwas über die vielen Arbeiter, die diese Schönheit erst möglich gemacht haben, weiß. Das sollte eine Metapher für uns aufopfernde Mütter sein. Schaut, wir brauchen keine extra Anerkennung, nur weil wir nur unsere Arbeit machen und dadurch Zufriedenheit schaffen. Ist das mein Job? Wahrscheinlich. Ich bitte lediglich darum, dass irgendjemand mich, wie ich niedergebeugt auf dem Boden krieche und gerade eine Packung Buntstifte aus dem Hundenapf fische, ansieht und sagt: „Du machst das echt super, Mama.“ Oder vielleicht: „Ich habe dich heute schon sechs Mal die Decken falten sehen. Du bist eine Heldin, Mama!“

Diese Dinge klingen für manche Leute wahrscheinlich albern. Schluck es runter, Supermama, du wirst mir deine Meinung in den Kommentaren schon mitteilen, wenn dieser Artikel auf Facebook veröffentlicht wird. Und vielleicht ist es auch albern. Und vielleicht würde mir eine gute Dosis Mary Poppins helfen. Aber ich kann mir nicht helfen, wenn ich einen Legosplitter aus der Pfote meines Schäferhundes pulen muss, bin ich leicht erbost. Es ist nicht so, dass all diese Aufgaben schlecht sind. Es ist einfach so, dass meine eigene Familie entweder vergisst, dass ich sie tue, oder dass es für selbstverständlich gehalten wird, dass ich das erledige. Keine der beiden Möglichkeiten ist besonders schmeichelhaft.

Ich lege neue Handtücher ins Badezimmer. Ich bringe den Müll raus, nicht nur den aus der Küche, sondern auch den aus allen Zimmern des Hauses. Ich lege die Kleidung der Kinder zusammen, einschließlich ihrer Pyjamas, bis hin zu ihrer Unterwäsche, wobei ich stets darauf achten muss, dass jeder die richtige Größe zugeteilt bekommt. Ich suche ihnen ihre Schuhe aus. Ich suche ihnen ihre Hüte aus, wenn die Sonne scheint. Ich suche ihnen die Medizin raus, wenn wir alle krank sind. Diese Medikamente sortiere ich dann zweimal im Jahr oder so aus, damit keiner abgelaufene Medikamente schlucken muss. Ich sorge dafür, dass die Kinder im Sommer eingecremt sind und dass sie ihre Lieblingskekse bekommen. Ich mache all diese Dinge, und es passiert alles unsichtbar. Der Großteil meines Tagwerk bleibt unbemerkt, ohne dass jemand es überhaupt mitbekommt. Ist das so, wenn man Mutter ist? Ist das das Leben, das eine Mutter leben muss? Denn dann – da bin ich jetzt mal ganz ehrlich – ist dieser Teil des Lebens echt beschissen.

Ich habe versucht, meinem Mann davon zu erzählen. Er schien es zu verstehen. Er sagte mir, ich solle mich nicht so aufregen, wenn hier im Haus das Chaos herrscht, und ich sagte ihm, ich würde mich so aufregen, weil ich diejenige bin, die das verdammte Chaos beseitigen muss. Er empfahl mir folgendes Mantra in meinem Kopf aufzusagen „Ich habe das Chaos nicht angerichtet“ und ich solle die Kinder dazu bringen, alles aufzuräumen. Das tue ich auch. Ich versuche es zumindest. Und es hilft mir auch ein wenig. Aber ich mache mir Sorgen, dass die Verantwortung über das Beseitigen der Unordnung nun auf meinen Ältesten übergeht, und das ist unfair und das lässt mich aus einem ganz anderen Grund schlecht fühlen.

Und so falte ich weiter. Ich sammle winzige kleine Spielsachen ein. Ich arrangiere Kissen. Ich lege Stifte weg. Und ich warte weiterhin darauf, dass jemand es irgendwann mal bemerkt.

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