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Von Susanne B.

Der Begriff „Helikopter Eltern“ assoziiert einige negative Begleiterscheinungen. Er polarisiert. Kaum ein anderer Begriff wurde so inflationär diskutiert wie er. Ganze Foren sind voll von Streitigkeiten unter Müttern, weil alle bloß eines nicht sein wollen: Helikopter Mütter. Wir haben Bilder von irrsinnigen Müttern vor Augen, die sich in jedes noch so kleine Detail im Leben ihrer Kinder einmischen. Sie sind neugierig, sie sind dominant und sie regen Lehrer und andere Eltern tierisch auf.

Dennoch sind sie in der heutigen Gesellschaft weit verbreitet, und einige, mich eingeschlossen, tragen dieses Abzeichen mit Stolz. Ja, ich bin eine selbsternannte Helikopter Mama, einfach weil ich keine andere Wahl habe in der heutigen Zeit.
Ich glaube, dass ich angefangen habe, eine von diesen Helikopter Müttern zu werden, als meine Kinder ins Schulalter kamen. Letztes Jahr, als mein ältester Sohn in die Schule kam und ich das erste Mal an der Schule meines Sohnes erschien, begannen die flackernden Lichter der super-involvierten Kontrollfreak-Mutter wirklich zu blinken. Zumindest war es das erste Mal, dass mir plötzlich klar wurde, dass ich nun ein Mitglied des Clubs war – Ich erfand allerlei Gründe um mit seinem Lehrer in Kontakt zu treten, einfach, weil ich Teil seines achtstündigen Schultages sein wollte. Ich fühlte mich unglaublich verloren, weil ich zum ersten Mal im Leben von meinem Sohn getrennt wurde und von Montag bis Freitag so wenig Kontrolle über sein Leben hatte. Da habe ich gemerkt, was für eine heftige Helikopter Mutter wirklich in mir steckt.

Ich stand als Erste auf jeder Liste für freiwillige Arbeit und alle anderen Eltern wussten das bereits nach kurzer Zeit. Keiner der anderen Eltern hätte mich jemals als entspannt oder als großzügig bezeichnet. Mein altes Leben endete mit der Geburt meines ersten Sohnes. Vom ersten Bad bis zu seinem ersten Lebensjahr- Ich war stets an seiner Seite- jede Sekunde, jeder Minute eines jeden Tages – ich untersuchte seinen Windelinhalt; Ich analysierte jede geflossene Träne; Ich machte mir Sorgen, wenn er nicht aufgegessen hatte; Ich hinterließ detaillierte, mehrseitige Anweisungen für jeden, der ihn in ihrer Obhut nahm, kategorisiert nach Tageszeit und Thema ( Essen, Schlafenszeit oder Freizeit-Aktivitäten) Und ich meisterte das Leben seines jüngeren Bruders und seiner Schwester auf die gleiche Weise.

Ich bin überall. Ich stehe immer direkt hinter ihnen. Der Erstklässler hat ein Tagebuch, und du hast verdammt recht, ich lese jede Seite. Ich putze ihre Zimmer und ich schnüffle in allen Schubladen und Ecken herum. Es gibt keine Geheimnisse vor Mama. Mein Kind hat Probleme in der Schule? Ich weiß davon. Ich komme damit klar. Ich bin schließlich involviert. Ich kenne ihre Freunde. Ich kenne die Eltern ihrer Freunde. Ich kenne ihre Lehrer. Ich kenne den Schulleiter. Ich bin im Elternbeirat, ich leite die Theatergruppe und ich besuche jedes Training, jedes Spiel und jede Schulaufführung.

Es gab nichts, worüber ich nichts weiß. Ich weiß, dass meine Rolle als Helikopter-Mutter mit zunehmendem Alter immer herausfordernder werden wird, ich werde härter daran arbeiten müssen, wenn ich weiterhin alles mitbekommen will. Aber ich werde es schaffen. Ich werde meine Position, alles über das Leben meiner Kinder zu wissen, aufrechterhalten und verteidigen.

Ob ich daran glaube, dass es Sinn macht, sie die Dinge selbst herausfinden zu lassen? Ja. Dürfen sie ihre eigenen Entscheidungen treffen? Na sicher. Was mich zu einer Helikopter Mutter werden lässt, ist die Tatsache, ist, dass ich bereits vorher weiß, was für eine Wahl sie treffen werden. Auch wenn ich gelegentlich hinter den Kulissen stehe und sie an den Wegkreuzungen in ihrem Leben in die richtige Bahn lenke, ist der Schlüssel zum Erfolg dieser: Ich bin direkt hinter ihnen, ich halte mich stets bereit, sie aufzufangen, wenn sie fallen oder wenn sie Angst haben.

Ich weiß, dass Helikoptermütter oft zu überheblich sind, sie sind vielleicht auch zu involviert im Leben der Kinder. Ich weiß, dass sie die Entwicklung eines Kindes im Keim ersticken können, indem sie Probleme für ihn oder für sie lösen. Das ist scheiße. Wenn du mich jetzt auseinander nehmen willst, weil ich das Tagebuch meines Kindes lese, mach ruhig. Ich werde es trotzdem tun. Er ist 7, also schreibt er gerade über den langweiligen Mathe Unterricht, über Pokémon und manchmal über einen Streit mit einem Freund. Es gibt nichts in seinem Tagebuch, von dem er mir nicht schon vorher erzählt hat.

Wenn sie aber irgendwann Teenager sind, werde ich mich dann ändern? Respektiere ich dann ihre Privatsphäre? Wahrscheinlich nicht. Die Sache ist die: Ich erinnere mich noch daran, als ich ein Teenager war. Ich erinnere mich daran, dass ich innerlich um Hilfe schrie, aber niemand mich hörte, weil ich meine Sorgen lediglich in ein Tagebuch niederschrieb – ich schrieb, dass ich am nächsten Tag nicht aufwachen wollte und, dass ich nicht mehr leben wollte. Irgendwann bemerkte es jemand. Jemand las es und holte mich aus der Krise, bevor es zu spät war.

Ich glaube, es ist meine Aufgabe, meine Kinder zu beschützen und darauf zu achten, was ihnen fehlt, bevor es zu spät ist. Ich glaube nicht, dass mein Dasein als Helikopter Mutter enden wird, wenn sie erwachsen werden. Meine Aufgabe als Mutter ist es, sie stets in Sicherheit zu bringen. Wenn ich also eine Drohne über ihre Teenagerköpfe fliegen lassen muss, damit ich weiterhin alles mitbekomme, dann ist das genau das, was ich machen werde.

1 Kommentar

  1. Ich bin entsetzt: das ist ja schon krankhaft! Mehr fällt mir dazu nicht ein….. manche Leute projizieren ihre eigenen Defizite auf ihre Kinder, da sollte mal ein Psychologe ran.

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