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Ein Gastbeitrag von Jana aus Emden

Ich vermisse meine Freunde schon manchmal. Ich hatte allerdings erwartet, dass die Sehnsucht größer sein würde.

Ich habe immer noch Freunde, diese sind aber nicht die Art von Freunden, die ich früher hatte. Meine jetzigen Freundinnen haben meist zwei Kindern unter 6 Jahren, und wir sprechen hauptsächlich über WhatsApp miteinander. Ganz selten telefonieren wir mal. Persönliche Kontakte passieren meistens bei Playdates oder auf dem Spielplatz.

Als ich zum zweiten Mal Mutter wurde, stellte ich mir vor, dass unser Leben im Wesentlichen das gleiche bleiben würde, wie, wenn ich nur ein Kind hätte. Es ist nicht dasselbe geblieben.

Meine zweite Tochter hatte Probleme beim Stillen, sie hasste es, wenn es zu laut war, dann war sie total abgelenkt und trank so gut wie gar nicht. Sie in Restaurants zu stillen war völlig ausgeschlossen. Die Freunde, die ich hatte, die meine älteste Tochter und mich früher immer eingeladen hatten, hörten irgendwann auf, uns einzuladen. Das tat zwar weh aber ich konnte es nicht ändern. Besonders das erste Jahr mit zwei Kindern war wirklich anstrengend für mich.

Im Laufe der Zeit wurde es natürlich einfacher. Es geschah aber so langsam, dass ich es erst gar nicht bemerkte. langsam aber sicher nahm ich wahr, dass ich meine beiden Kinder mit in die Stadt oder in den Supermarkt mitnehmen konnte, und es lief meistens sogar relativ gut. Um fair zu sein:  Die meisten „großen“ Besorgungen erledigte ich am Wochenende, wenn mein Mann zur Unterstützung mitkommen konnte.

Irgendwann wurden meine beiden Töchter sowas wie dicke Freunde. Vor zwei Tagen z.B. saßen sie eng umschlungen auf der Couch und tuschelten über die Fernsehsendung, die sie gerade schauten, während mein Mann und ich sie ohne ihr Wissen aus der Küche heraus beobachteten. Sie spielen trotz ihres Altersunterschieds von knapp drei Jahren so gut miteinander, und lieben sich so sehr, dass meine Kleine zweimal in der letzten Woche hemmungslos weinen musste, weil sie ihre große Schwester so vermisste – und mich bat, sie direkt von der Schule abzuholen.

Irgendwann wurde es tatsächlich einfacher, zwei Kinder zu haben, als nur eins. Ich konnte duschen – zwar immer noch schnell und hastig aber zumindest machte ich mir keine Sorgen mehr oder hörte Phantomrufe, weil ich dachte, meine Kinder hätten sich verletzt.

Irgendwann mit der Zeit, habe ich mich so daran gewöhnt, zwei Kinder zu haben, dass die drei Jahre, als es nur meine älteste Tochter und mich gab, zu einer schönen, verschwommenen Erinnerung wurde.

Irgendwann werde ich mich auch an die Jahre mit zwei kleinen Kindern erinnern, und obwohl es verdammt oft anstrengend ist und ich mir des öfteren wünsche, auch mal andere Erwachsene um mich herum zu haben, habe ich festgestellt, dass es die besten Jahre meines Lebens sind.

Wenn ich gewusst hätte, wie sehr die beiden sich lieben würden, hätte ich weniger Angst gehabt und früher ein zweites Kind bekommen. Ich würde es dennoch nicht anders machen – selbst wenn ich es könnte. Ich liebe diese zwei kleinen Menschen, und ich möchte die Zeit, die ich mit meiner Großen allein hatte, wirklich nicht missen. Der Altersabstand zwischen meinen Kindern erlaubt mir, auch etwas Zeit allein mit meiner Kleinen zu genießen, bevor auch sie in die Schule kommt.

Ich selber möchte nicht die Freundin meiner Kinder sein. Auch wenn ich mir insgeheim wünsche, dass sie meine Gesellschaft genießen – und auch wenn ICH das Beisammensein genieße – ICH bin ihre Mama. Ich bin die Erwachsene. Meine Mädels brauchen Freundschaften genauso wie ich.

Ich vermisse meine Freundinnen aber gleichzeitig habe ich grundsätzlich zu wenig Zeit. Ich muss mich auch mal um mich selbst kümmern, und das tu ich. Ich treibe Sport, lese mal ein gutes Buch, und schreibe. Das sind alles Dinge, die mein eigenes Wohlergehen fördern, und doch oft zu kurz kommen. Vieles, was mir selbst wichtig mal wichtig war, kommt zu kurz, aber ich mache mir dann stets bewusst, dass ich nur eine Handvoll Jahre in meinem Leben habe, in denen mich diese zwei kleinen Menschen so sehr brauchen.

Es wird nämlich im Nu vorbei sein.

In einer gefühlten Sekunde, werden mein Mann und ich keine Windeln mehr im Haus haben. Unser Schlaf wird kaum noch unterbrochen werden. Unser Leben wird sich verändern und wir werden wieder mehr Zeit für uns haben, wenn diese kleinen Wesen uns nicht mehr so sehr brauchen.

Ich möchte nicht, dass diese Jahre so schnell vergehen. (Auch wenn es natürlich Momente gibt, in denen ich es mir wirklich sehr wünsche) Ich möchte meine Kinder nicht vertrösten müssen, wenn sie mich bitten, ein Puzzle mit ihnen zu machen, nur um eine Freundin anrufen zu können. Auch nicht, wenn ich diese Freundin wirklich sehr lieb habe und vermisse, denn ich hoffe, dass sie versteht, dass ich in ein paar Jahren wieder mehr Zeit für sie haben werde. Bis es soweit ist, hoffe ich, dass sie damit einverstanden ist, dass wir über WhatsApp in Kontakt bleiben und ich hoffe, dass sie weiß, dass ich sie immer noch lieb habe.

Bis es soweit ist, bin ich hier, lebe mit meinen Kindern und bin mir bewusst, dass meine „Mama“ Jahre begrenzt sind.

Meine Älteste nennt mich manchmal „Mutter“. Ich fragte sie gestern, warum sie anfing, mich „Mutter“ anstatt „Mama“ zu nennen, und sie neigte neugierig ihren Kopf und grinste. Es war, als ob ich sie bei etwas erwischt hätte. Als ob ich sie beim Erwachsenwerden erwischt hätte.

Ich vermisse meine Freundinnen. Meine Schwester heiratet, und ich zermartere mir das Hirn, wie ich einen halbwegs anständigen Junggesellinnenabschied mit ihr feiern kann, in Anbetracht der Tatsache, dass meine Kinder um 5 Uhr morgens aufwachen werden, unabhängig davon, wann Mama sich ins Bett geschleppt hat.

Ich vermisse meine unbedachten, stundenlangen Gespräche mit meinen Freundinnen. Ich vermisse es spontan ins Kino gehen zu können und Filme schauen zu können, die mein Mann nicht mit mir sehen will. Ich vermisse das alles aber die Mama-Jahre sind mir dennoch wichtiger.

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