Ein Gastbeitrag von Eveline aus Bremen.

Das Ziel vor Augen. Die Sehnsucht nach einem windelfreien Leben. Ein Traum. Eine Phantasie. Eine Fiktion. Ein Witz. Ein Megaflop. Ein Debakel.

Das beschreibt unsere letzte Zeit sehr treffend. Unsere Reise auf die Toilette und weg von der Windel. Hahahaha! Lion ist mein erstes Kind und ich dachte, ich schreibe dazu mal meine Gedanken auf. Viel Spaß! Und eins ist klar: SO mache ich das nie wieder 🙂

Lion feierte seinen zweiten Geburtstag im April. Puhhhh, zwei Jahre alt und immer noch kein Töpfchen in Sicht. Meine Mutter lag mir natürlich auch schon in den Ohren und um mich herum gingen so langsam aber sicher ALLE Kinder aufs Klo. Lion ist mein erstes Kind und ich wusste es einfach nicht besser.

Naja.

Ich stellte also unser neu gekauftes Paw Patrol Töpfchen ins Wohnzimmer und erwartete, dass mein Sohn außer sich vor Freude ist. War er nicht. Ich spule mal drei Tage vor, okay?  Ich hatte genug vom Indoor-Wasserpark. Kein Erfolg. Kein Halbsieg. Nichts. Allem Anschein nach wird mein Sohn es nicht hinbekommen, seinen Pullermann rechtzeitig ins Töpfchen zu halten.

Zuerst fühlte ich mich wie ein Versager, weil ich aufgegeben hatte, aber HEY, es geht hier um ganze drei Tage….Drei Tage lang habe ich nonstop Pipi vom Boden gewischt. Ich schluckte die „Niederlage“ also runter und sagte mir, dass wir einfach noch warten müssen und es „später“ wieder versuchen werden, wenn er „bereit“ ist, denn schließlich wird er mir die „Zeichen“ des „Bereitseins“ signalisieren und dann wird es „passieren“.

Lustig, es scheint so zu sein, dass Kinder die sog. „Zeichen“ auch fälschen können. Kinder können Zeichen FAKEN! Du glaubst mir nicht? HA! Wart´s ab!

Diese in hohem Maße verbreiteten Irrtümer wandern immer noch fröhlich im Netz umher. LUG UND TRUG!

1. Wenn ein Kind „bereit“ ist, dann stört die volle Windel! 

Mein Kind erzählt mir seit Monaten von seinen Körperfunktionen.

„Mami, da ist Pipi in meiner Windel“, singt er mir täglich vom Rücksitz aus zu.

„Schon gut, Kumpel. Dafür ist die Windel ja da. Weißt du Schatz, du bist ja schon ein großer Junge. Ich denke, bald können wir dir deine ersten richtigen Jungs-Unterhosen kaufen! Hmmmm? Was meinst du dazu“

Ich versuche, den Moment gekonnt zu nutzen. Er spürt meinen Versuch auf Manipulation allerdings sofort! Mist!

„Ja…. aber ich bin doch noch klein.“ Abgelehnt.

Kurz gesagt: Mein Kind weiß, was in seiner Windel ist, und es ist ihm völlig egal. Oder, genauer gesagt, es ist ihm egal, dass er in seinen Ausscheidungen sitzt oder liegt.

 

2. Wenn ein Kind „bereit“ ist, wird die Toilette plötzlich interessant. 

Ich frage mich, welches Kind nicht an der Toilette interessiert ist. Das mysteriöse Phänomen der Spülung, das kleine Wasserbecken direkt auf Augenhöhe, das Wunder, die allererste windelfreie Wurst an der Oberfläche entlang schaukeln zu sehen, bevor ein schnellen Wirbel sie in die Tiefe reißt – das ist eine wahre Meisterleistung der Technik und eine Faszination für Kleinkinder.

Mein Sohn wird den Thron dann übernehmen, wenn ihm danach ist. Er wird dort sitzen, eine weitere Geschichte verlangen und absolut nichts weiter tun als dasitzen und abwarten. Es denkt natürlich, dass das reine SITZEN auch schon zählt. Und irgendwie tut es das ja auch.

 

3. Wenn ein Kind „bereit“ ist, wird es sich für die Toilettengänge seiner Eltern interessieren.

Gibt es eine Mutter oder einen Vater unter uns, deren Gang zum Klo kein Highlight für das Kind ist? Was einst heilige Momente der Einsamkeit waren, ist heute ein Event mit Publikum, unabhängig davon, welches Geschäft gerade verrichtet wird.

Es steht außer Frage, dass Kinder neugierig darauf sind, was ihre Eltern im Bad treiben.  Wer allerdings glaubt, dass ihr Interesse eine unbewusste und nonverbale Zustimmung auf ein lebenslanges Dasein ohne Windeln ist, hat sich leider getäuscht.

4. Wenn Kind „bereit“ ist, wird richtige Unterwäsche plötzlich interessant. 

Falsch.

Mein Kind weiß, dass in seinem Schrank ein paar supergeile Spider-Man Unterhosen auf ihn warten. Er redet gern von ihr, er schaut sie sich auch gerne an, aber das war´s auch schon.

Lion weiß, dass wir und seine Oma und sein Opa und auch Tante Christa und Onkel Herbert alle schon große Unterwäsche tragen. Das findet er super. Gute Arbeit, Leute. Warte, was ist das für ein Geruch? Oh, richtig, es kommt mitten aus Lions Windel. Soviel dazu.

5. Wenn ein Kind „bereit“ ist, wird alles ganz einfach gehen. 

Wir kennen doch alle diese tollen Ratgeber und Internetposts. Da berichten Eltern, wie ihre Kinder innerhalb von drei Tagen mühelos auf die Toilette gingen. Einer unserer Freunde erzählte uns sogar, wie sein Kind eines Tages nach Unterwäsche verlangte und nie wieder eine Windel brauchte. Zack!

Zum Glück kann ich euch aber auch sagen, dass die meisten meiner Freundinnen auch so lange wie wir gebraucht haben. Es gibt keinen perfekten Zeitpunkt und vor allem gibt es kein brauchbares TRAINING, wenn es um das Töpfchen-Thema geht. Kannste alles in die Tonne kloppen!

Ein Kind ist dann „bereit“, wenn es „bereit“ ist. Dabei ist der Zeitpunkt nicht entscheidend, sondern die Art und Weise, wie wir als Eltern damit umgehen. Das eine Kind ist mit knapp Zwei schon trocken und das andere macht mit Drei noch in die Windel. So what? Entspannt euch mal, spätestens auf der Hochzeit wird alles vergessen sein 🙂

 

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