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Ein Gastbeitrag von Lena aus Kiel

Kannst du die Leere in meinen Augen sehen? Erkennst du darin die Anstrengung, die ich aufbringen muss, um mich mit den alltäglichen Aufgaben beschäftigen zu können? Schon ein kurzes Gespräch hat das Potenzial, meine Energiespeicher vollständig zu entladen. An manchen Tagen habe ich einfach „nichts mehr zu geben.“ Ich fühle mich komplett leer.

Ich tue mein bestes, um meine Gedanken und Gefühle vor anderen zu verstecken. Ich gebe mein bestes, um das Monster in eine dunkle Ecke meines Kopfes zu verbannen, wo es nicht gesehen wird. Aber es ist da. Es schaut immer zu, es hört alles und nutzt jede Gelegenheit, um sich bemerkbar zu machen. Ja, auch an meinen guten Tagen. Nach 10 Jahren habe ich schmerzlich erfahren müssen, dass es niemals komplett verschwinden wird. Es wird immer da sein, das Monster.

Meistens zeigt es sich bei Erschöpfung. Bei Schlafmangel. Ich habe dann das Gefühl, dass der Tag keine Zeit für mich übrig lässt. Wenn ich erschöpft bin, wird mein Verstand schwach und das Monster kriecht in mein Gehirn und beginnt Signale abzufeuern, die mich in diesen ewigen Kreislauf befördern.

Die Angst kommt als nächstes. Ich mache mir Sorgen um den täglichen Ablauf, darum, was ich alles vorhabe. Das geht dann soweit, dass ich nicht mehr atmen kann und zu einer undefinierbaren Masse aus Reizbarkeit werde. Ich möchte alles für meine Familie tun und alles geben aber ihre Wünsche und Bitten sind nur ein weiterer Stein auf meinem Berg voller Sorgen, für die ich keine Zeit oder Energie aufbringen kann.

Das wiederum führt zu Schuldgefühlen. Ich verbrauche all meine Energie, um die beste Mutter zu sein, die ich sein kann, aber ich genüge den Ansprüchen nicht. Ich werde nie „genug sein.“ Ich versuche dann Zeit für mich freizuschalten, um meine Energiereserven wieder aufzubauen, aber diese „Nur-Ich-Zeit“ führt zu noch mehr Schuldgefühlen, weil ich in der Zeit hundert andere Dinge hätte erledigen müssen.

Ich fühle mich so wertlos.

Sobald mein Monster den Samen in meinem Kopf gepflanzt hat, fühle ich mich wie eingesperrt. Die Traurigkeit übernimmt die Oberhand. Mein Verstand interpretiert Worte oder Taten anderer negativer als sie gemeint waren und das unterstützt das Gefühl der Wertlosigkeit noch mehr.

Ich ziehe mich zurück, weil ich mich dann sicherer fühle. Ich ernte dann weniger Bestätigung für meine schreckliche Nutzlosigkeit. Ich fühle mich einsam in diesem Käfig. Mein Monster spendet mir keinen Trost. Es mag mich am liebsten, wenn ich isoliert von der Außenwelt bin, weil ich so leichter zu kontrollieren bin. Es verleiht ihm mehr Macht.

Mein Monster ist manchmal sogar recht zuvorkommend. Es erlaubt mir durchaus gute Tage. Tage der Freiheit. Tage, an denen ich wieder mal raus gehen kann. Tage, an denen sich meine Brust nicht wie in einem Panzer eingeschnürt anfühlt. Mein Monster ist manipulativ. Ich suche mir nämlich dann weniger Hilfe, wenn ich mir selber sage, dass ich „nur ein paar schlechte Tage hatte“, ich mich „jetzt schon viel besser“ fühle.

Ich verringere seine Macht, wenn ich mir selber eingestehe, dass ich Hilfe brauche. Indem ich mich aus meiner Isolation befreie, verleihe ich seiner Stimme weniger Autorität. Ich weiß, dass er für immer in den Ritzen meines Gehirns verweilen wird und nur auf seine Gelegenheit wartet, meine Gedankenmuster erfassen zu können. Ich weiß, wie wachsam ich deswegen sein muss.

Mein Monster legte mir vor 10 Jahren stramme Fesseln um meine Knöchel, er atmete mich ein und übte fortan seine Herrschaft über mich aus, während es mir gelegentlich die Freiheit erlaubte, das Licht sehen zu können. Aber selbst als ich mich in diesen wenigen Momenten wirklich „befreit“ gefühlt habe, so waren diese Fesseln immer da. Bis heute. Mein Leben besteht aus Widerstand.

Ich bin eine von wenigen Frauen mit bleibenden Depressionen nach einer postpartalen Depression und ich kämpfe jeden Tag ums Überleben. Ich bitte dich: Sprich über deinen Kummer. Suche dir Hilfe. Lass dich nicht stigmatisieren. Du bist nicht allein. Lass uns zusammen aus diesen Käfigen ausbrechen. Für ein Leben ohne Monster.

Alles Liebe,

Lena

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