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„Legst du Ruby denn nie ab?“

„Du wirst sie noch total verwöhnen!“

„Fang bloß jetzt schon an, ihr beizubringen, sich selbst zu beruhigen, bevor es zu spät ist.“ 

Diese schlauen Sätze musste ich mir anhören, als Ruby gerade geboren war. Nicht nur einmal. Ungefragt und ziemlich dreist mischten sich Freunde, Ärzte und teilweise auch Verwandte in unser Leben ein und sie wollten mir alle weiß machen, dass ich mein Kind zu sehr verwöhne. Ich trug Ruby eben den ganzen Tag bei mir und das war Anlass genug, mir dumme Ratschläge geben zu wollen. 

Rückblickend weiß ich, wie absurd diese Aussagen waren. Ich habe heute eine fantastische Bindung zu meiner Tochter, sie weiß genau, dass sie sich auf mich verlassen kann. Auch ist sie mit ihren fünf Jahren schon sehr selbstständig. Dennoch ging mir die Kritik damals sehr unter die Haut, ich wusste es ja leider noch nicht besser, immerhin war sie mein erstes Kind und ich eine junge Mutter. 

Die Sache ist die, es war gar nicht geplant, dass ich sie den ganzen Tag nur bei mir trug. Ich hatte mir das auch anders vorgestellt. Es war eher eine Notwendigkeit. Wenn ich versuchte, sie hinzulegen, fing sie direkt an zu jammern. 

Was wäre der Lerneffekt für Ruby gewesen, hätte ich sie den Ratschlägen entsprechend, abgelegt und schreien lassen? Sie hätte gelernt, dass keiner für sie da ist, wenn sie schreit und es ihr schlecht geht. Es ist der Instinkt einer Mama, sich direkt und unmittelbar um ihr schreiendes Baby zu kümmern, egal was andere behaupten. 

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass meine Instinkte absolut richtig waren. Babys müssen auf den Arm genommen werden, wann immer sie sich weinen – und nicht nur, weil sie süß und kuschelig sind und ihre Haare wie der Himmel riechen. Mittlerweile gibt es zahlreiche wissenschaftliche Studien darüber, die allesamt zu dem Ergebnis kommen, dass man Babys eben nicht verwöhnen kann. Das direkte, unmittelbare Umsorgen von Babys ist für ihre Gesundheit und Entwicklung tatsächlich lebenswichtig.

Eine kürzlich in der Kindermedizin veröffentlichte Studie untersuchte die Auswirkungen von Hautkontakt auf Frühgeborene. Diese Studie untersuchte nicht nur die unmittelbaren Auswirkungen von Hautkontakt zwischen Eltern und Frühchen, sondern auch, wie die Langzeitfolgen sich auf diese Kinder auswirkten. 

Die Frühgeborenen, die vermehrt Haut-zu-Haut Kontakte erleben durften, hatten einen höheren Intelligenzquotienten, einen höheren EQ und verdienten sogar höhere Löhne bei ihrer Arbeit, als diejenigen, die weniger Haut-zu-Haut-Kontakte erfahren hatten. Die „Haut-zu-Haut-Gruppe“ der Neugeborenen zeigte auch weniger Neigung zu Hyperaktivität und Aggression in der Schule. 

Natürlich untersuchte diese Studie speziell Frühgeborene, die besonders gefährdet sind und durch die Pflege an sich schon mehr Hautkontakt haben. Studien an reif geborenen Babys kamen jedoch zu ähnlichen Ergebnissen. 

Es geht nicht nur um die Momente direkt nach der Geburt. Auch viele Wochen nach der Geburt hat das Tragen des Kindes signifikant positive Auswirkungen auf das Kind. Studien zeigen, dass getragene Kinder an sich viel zufriedener sind, weniger Schreien und ein deutlich besseres Schlafverhalten entwickeln.  

Ihr wollt noch mehr Argumente? Nach einer umfangreichen Forschungsreihe zum Thema Schmerzempfinden kam heraus, dass Kinder während des Impfens oder bei medizinischen Untersuchungen viel weniger Schmerzen empfinden, wenn sie dabei auf dem Arm eines Elternteils gehalten wurden. Haut-zu-Haut Kontakt ist beim Stillen, genauso wie beim Fläschchen geben immens wichtig, um eine tiefe Mutter-Kind-Bindung zu erschaffen. 

Für alle Wissenschaftsfanatiker gibt es hier noch ein paar Fakten: „Die Amygdala befindet sich in den ersten 2 Monaten nach der Geburt in einer kritischen Reife-Phase!“, schreibt Dr. Phillips. „Die Amygdala befindet sich tief im Zentrum des Gehirns und ist Teil des limbischen Systems, das am emotionalen Lernen, der Modulation des Gedächtnisses und der Aktivierung des sympathischen Nervensystems beteiligt ist. Haut-zu-Haut-Kontakt aktiviert die Amygdala über den präfrontoorbitalen Weg und trägt somit zur Reifung dieser vitalen Hirnstruktur bei.“

Das sind ne Menge Infos, oder? Man kann die Ergebnisse auch runter brechen auf folgende Information: Man kann ein Baby nicht mit zu viel Hautkontakt verwöhnen. Null. Geht gar nicht. 

Ich wünsche mir manchmal, ich könnte die Zeit zurück drehen und all diese Ergebnisse den Leuten präsentieren, die mich dafür kritisiert haben, dass ich meine Ruby zu oft in meinen Armen gehalten habe. Aber ganz ehrlich, ich bin mir ziemlich sicher, dass ich, wie die meisten neuen Mütter da draußen – zu erschöpft war, um damals einen Streit anzufangen oder gar die Kraft gehabt hätte, unwissende Menschen eines Besseren zu belehren. 

Zum Glück haben die meisten Mütter genug Instinkt und brauchen keine Forschung, um ihnen selbst zu beweisen, dass ihr Baby in ihre Arme gehört, und dass die Idee, ein Baby zu verwöhnen, totaler Blödsinn ist. 

Und wenn dich die Leute doch mit ihren altklugen Ratschlägen nerven, schnapp dir dein Baby, dreh dich auf dem Hacken um und geh einfach – Es kostet dich lediglich ein Lächeln, diese Aussagen gekonnt zu überhören. 

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