Anonymer Gastbeitrag

Worüber ich hier schreibe, fällt mir alles andere als leicht, aber ich denke, dass es auch mir gut tun wird, alles einmal erzählen zu können… Auch, wenn es schon Jahre her ist.

Ich bin Nadine* 36 Jahre alt und Mutter eines mittlerweile 13 -Jährigen Sohnes.
Ich bin seit sieben Jahren nicht mehr verheiratet und werde es wohl auch nie mehr sein. Zu tief sitzt mir alles noch in den Knochen.

Mit 20 heiratete ich meinen Mann Uwe. Mit 23 kam unser Sohn auf die Welt.
Wir hatten eigentlich eine ganz normale Beziehung und mir fiel weder etwas merkwürdiges an Uwe noch an unserer Ehe auf. Unser Kind war unser Mittelpunkt. Ich arbeitete damals als Rechtsanwaltsfachangestellte und Uwe als freischaffender Fotograf.

Oft musste er für Fototermine und Werbeaufnahmen verreisen und so kam es auch mal vor, dass wir uns nur am Wochenende sehen konnten.
Unser Sohn wuchs sehr behütet auf und mein Mann und er hatten immer ein solides Vater-Sohn Verhältnis.
Uwe verbrachte oft viele Stunden am Rechner um seine Aufnahmen zu bearbeiten. Stundenlang musste er Farbkorrekturen, Freistellungen und andere Auftragswünsche erfüllen und das tat er auch gewissenhaft.
Es gab Tage, da kam er nur zum Essen an den Tisch und verschwand dann wieder in seinem Arbeitszimmer.
Als mein Sohn ungefähr vier Jahre alt war, hatten Uwe und ich eigentlich gar keinen Sex mehr und immer öfter zweifelte ich daran, ob er mich noch attraktiv findet oder ob er durch den Job zu eingespannt ist und gar nicht mehr an so etwas wie „Zweisamkeit“ denken kann.

Uwe sah gut aus und er war ständig unterwegs. Naja, in seinem Job lernt man natürlich auch viele Frauen kennen und so entschloss ich mich dazu, ihn auf meine Gefühle anzusprechen.
Uwe reagierte total verständnisvoll und wir fingen an, unsere Beziehung wieder mit etwas mehr Sex auszufüllen. Komisch war nur, dass die Initiative oft von mir ausging.
Wie das so ist…Man nimmt es oft einfach so hin und denkt sich nichts weiter dabei.

Am fünften Geburtstag meines Sohnes wollte er all seine Freunde zu einer Gartenparty einladen. Klar, dachte ich mir. Mein Mann und ich waren an diesem Tag natürlich mit dabei und es passte uns hervorragend.
Die Kinder spielten im Garten und da Hochsommer war, brachte Uwe ein riesiges aufblasbares Planschbecken mit, welches er mit Wasser auffüllte.
Die Kinder sollten darin hemmungslos planschen können. Ich drapierte alle schönen Leckereien auf dem Gartentisch und sah zu, wie sich die Kids im Becken amüsierten. Ein herrlicher Tag , dachte ich mir.
Als ich in die Küche ging, um noch etwas zu holen, erschrak ich total, als ich Uwe dort sah!

Mit heruntergelassener Hose stand er in unserer Küche und onanierte mit Blick auf den Garten.
Mir blieb die Spucke weg und ich wusste nicht, wie ich diese Situation deuten sollte…
Uwe sah mich an, nahm mich in den Arm und sagte: „Ich muss dauernd an dich denken und nach unserem Gespräch letztens hast du das Feuer in mir entfacht!“

Irgendwie war diese Situation komisch für mich; Welcher Mann zeigt sein „Verlangen“ bitte so seiner Frau?
Während das Geschrei der Kinder aus dem Garten ins Haus drang, versuchte ich mich zusammenzureißen und mir meine starke Irritation nicht anmerken zu lassen. Mit der Maisdose in der Hand zwang ich mich dazu, etwas zu lächeln und sagte nur so was blödes wie: „Na, du bist mir ja einer!“
Diese Situation verunsicherte mich und als ich dann wieder draussen bei den Kindern war kam Uwe auch dazu. Er wirkte total normal und lächelte mich verschmitzt an.
Der Tag verging und sonst geschah auch nicht auffälliges und ich vergass die Situation in der Küche recht schnell.
Es passierte an einem Montag Morgen, als ich gerade zu Arbeit fahren wollte. Es klingelte an der Tür und die Polizei stand vor mir.

Merkwürdige Situation. Die Beamten zeigten mir ihren Ausweis und fragten mich nach meinem Mann.
Naiv wie ich war, fragte ich unsicher lächelnd: „Er ist nicht Zuhause, er ist bei Aufnahmen in Hannover..Hat er etwa falsch geparkt?“
Die Miene der Beamten war alles andere als freundlich, mir wurde erklärt, dass sie einen Hausdurchsuchungsbefehl dabei haben.
Ich traute meinen Ohren nicht und fragte: „Warum, was ist denn mit meinem Mann?“
Ausser knappen Antworten bekam ich eigentlich keine weiteren Auskünfte und sie merkten schnell, dass ich von nichts eine Ahnung hatte.
Mir wurde untersagt Uwe anzurufen, während sich weitere Beamte in seinem Arbeitszimmer umsahen und alle Schubladen und Fächer durchsuchten. Auch seine Rechner wurden mitgenommen.
Ihr könnt euch vorstellen, was in dem Moment in mir vorging: „Drogen?, Steuerhinterziehung? Datenklau?“


Natürlich blieb ich die ganzen zwei Stunden bei den Beamten und nahm mir nochmal ein Herz um genauer nachzufragen, wonach genau gesucht wird.
Nach langem hin und her bekam ich dann eine schockierende Antwort: „ Es geht um Kinderpornografie!“Uwe stand unter Verdacht, Mitglied in einem pädophilen Club zu sein, in dem pornografische Bilder von minderjährigen Kindern ausgetauscht würden.
Es war zu Schlimm, um wahr zu sein. Als einer der Beamten die Rechner von Uwe „geknackt“ hatte, bekam ich den schockierenden Beweis: Fotos und Filme von kleinen Jungen und Mädchen, nackt und in den unmöglichsten Positionen und in grausamer Betätigungen mit Erwachsenen.
Ich fing sofort an zu weinen.
Ihr kennt das Gefühl sicherlich, wenn die ganze Welt plötzlich wie ein Kartenhaus in sich zusammen bricht.
Ich hätte an vieles gedacht, aber nicht an sowas.
Plötzlich fiel mir der Vorfall in der Küche wieder ein. Uwe hatte sich die nackten Kinder im Garten angeschaut, während er sich selbst befriedigte…..
Die Gedanken, die mir an diesem Morgen durch den Kopf schossen, waren unbeschreiblich. Ich fragte mich auch, ob er jemals etwas mit unserem Kind gemacht hatte…Grauenvoll.
Die Dinge nahmen ihren Lauf und ich musste abwarten, was seitens der Behörden passierte.
Es war für mich auch ein großes Problem, meinen Sohn anzusprechen um herauszuhören, ob Papa sich je merkwürdig verhalten oder komische Dinge von ihm verlangt hat.
Mein Kind gab mir keinerlei Hinweise auf einen Missbrauch.
Ich konnte nicht glauben, dass Uwe so veranlagt war. Fragen schossen mir durch den Kopf:“Hab ich als Ehefrau Fehler gemacht?, „Habe ich ihm zu sehr vertraut?“, „Bin ich als erwachsene Frau nicht attraktiv genug für ihn“, „Seit wann hat er diese Neigung?“
Nichts davon konnte ich mir selber beantworten !

Da Uwe erst nach einigen Tagen nach Hause zurück durfte und unter ständiger Beobachtung stand, konnte ich ihn erst nach Tagen darauf ansprechen, so war ich erstmal mit meinem Schicksal ganz alleine.
Als wir dann wie zwei Fremde voreinander saßen und ich diesen Mann fragte, was da in ihm vorginge, erwiderte Uwe, dass er diese Phantasien mit Kindern schon sehr früh entwickelt hat, allerdings nie zum Täter wurde.
Dennoch war mir dieser einst geliebte Mensch ad hoc völlig fremd. Ich konnte als Mutter nichts mit seinen Aussagen und Erklärungen anfangen…Es ekelte mich und Ja, ich ekelte mich vor ihm.
Ich bekam Depressionen und musste die ganze Situation aufarbeiten. Dennoch kann ich so etwas in keinster Weise nachvollziehen………

Nach ein paar Wochen kam dann die Vorladung und letztlich auch die Gerichtsverhandlung. Ich musste dann auch ins Gericht. Natürlich konnte ich nichts dazu sagen, da ich nichts von meinem pädophilen Mann wusste. All der Mist wurde wieder aufgewühlt und ich musste mir jedes Detail seiner Handlungen und Vorlieben anhören.

Uwe wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Außerdem erhielt er eine Geldstrafe. Das Geld stottert er bis heute ab. In seinem polizeilichen Führungszeugnis steht nun: „…darf nicht mit Kindern arbeiten.“

Jedes Mal, wenn ich meinen Exmann sehe, kann ich immer noch nicht fassen, was geschehen ist.

Das ganze ist knapp acht Jahre her, ich bin mittlerweile geschieden und unserem Sohn geht es gut.
Uwe darf unseren Sohn nur unter meiner Aufsicht sehen und immer, wenn ich ihn sehe , kommt das Geschehene wieder in mir hoch. Mit so etwas schliesst man wohl nie ab.
Ich konnte Uwe seit dem Vorfall nicht mehr vertrauen..Eigentlich sogar Männern generell nicht mehr.
Wie sehr sich Menschen verstellen können, war mir bis dato nicht bewusst.
Das Schlimmste wird es für mich sein, meinem Sohn irgendwann erklären zu müssen, warum wir uns getrennt haben.

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