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Von Maike

Anfang dieser Woche äußerte eine Freundin von mir ihre Empörung über einen Kommentar auf ihrer Facebook-Seite. Ich starrte geschockt auf die Worte des weitergeleiteten Screenshots:

„Hey, tut mir leid, aber dein Kind ist echt zurückgeblieben. Aber jeder Mensch ist anders und Gott hatte bestimmt einen Plan. Viel Spaß noch. “

Mein Herz blieb für einen Moment stehen. Ich erinnerte mich sofort an das erste Mal, als ich dieses Wort hörte. Ein kleiner Junge namens Markus stand allein unter dem Klettergerüst. Er war umgeben von einer Gruppe Jungen, die ihn mit Kies und Erde bewarfen. Der laute Gesang „Zurückgeblieben, zurückgeblieben, zurückgebliebener Dummi“ hallte über den Spielplatz.

Ich war damals sechs Jahre alt, ich hatte die Situation nicht wirklich verstanden. Ich ging nach Hause und sang vor Freude: „Zurückgeblieben, zurückgeblieben, zurückgebliebener Dummi. Markus ist zurückgeblieben.“ Meine normalerweise liebe, sanfte Mutter drehte sich voller Wut zu mir herum. „Was hast du da gerade gesagt?“, blaffte sie mich an.

Ich verstand ihren finsteren Blick nicht. „Zurückgeblieben. Auf dem Spielplatz war einer, der zurückgeblieben war“, erklärte ich.

„Weißt du, was du da gerade sagst? Das ist ein sehr gemeines Wort „, sagte sie und beugte sich auf Augenhöhe hinunter. Ich wand mich unter ihrem direkten Blick. „ER ist eine Person mit einem Namen. Er heißt Markus. “

Ich hörte die Stimme meiner Mutter wieder in meinem Kopf hallen, als ich mir den süßen, kleinen Jungen meiner Freundin in der gleichen Situation vorstellte. Sein schönes, blondes Haar mit Schmutz bedeckt und aus seinen kristallblauen Augen strömen die Tränen, während eine Gruppe Kinder ihn quält, nur weil er etwas anders ist. Sieht so seine Zukunft aus?

Der kleiner Sohn meiner Freundin hat einen Namen. Sein Name ist Linus und er ist fünf Jahre alt. Linus ist Autist, aber er ist mehr als seine Diagnose. Er ist ein toller Mensch. Linus liebt Minecraft und baut Meisterwerke aus Legosteinen. Linus kann brilliant mit Zahlen umgehen und er hat das Zeug dazu, später mal ein großartiger Ingenieur zu werden. Linus ist sehr einfühlsam, er fragt seine Mutter, was los ist, wenn er merkt, dass sie traurig ist und er tröstet sie, indem er ihr sagt, dass er sie liebt.

Linus. Sein Name ist Linus.

Leute, die das Z-Wort benutzen, könnten jetzt das Argument der „Freien Meinungsäußerung“ rausholen. Sie könnten fragen: „Was ist daran jetzt so schlimm? Es ist doch nur ein Wort. Zurückgeblieben. Sei nicht so empfindlich. Es war doch nur ein Scherz.“

Für den kleinen Jungen auf dem Spielplatz war es nicht lustig – er stand allein in der Mitte eines Kreises von Zuschauern, wie ein eingesperrtes Tier im Zirkus, verspottet, gedemütigt, allein. Niemand sollte so behandelt werden, niemand, besonders kein kleines Kind und ganz bestimmt nicht von einem Erwachsenen, der es eigentlich besser wissen sollte.

Ich will nicht, dass Linus oder irgendein anderes Kind leiden muss, weil es einfach „anders“ ist. Ich habe Marcus damals nicht geholfen, aber ich kann jetzt etwas dagegen tun. Wir alle können es. Wir können unsere Worte mit Bedacht wählen. Wir können aufhören, Zuschauer zu sein. Wir können anderen erklären, was das Z-Wort bewirkt.

Wir müssen uns bemühen, das des Z-Wort aus der Welt zu schaffen. Es sollte aus mehreren Gründen nicht mehr verwendet werden:

– Das Z-Wort ISOLIERT Menschen, die kognitive Unterschiede zu anderen Menschen haben. Es impliziert, dass sie aufgrund ihrer Unterschiede nicht in der Lage sind, sich mit dem Rest der Bevölkerung zu assoziieren. Das ist natürlich absurd.

– Das Z-Wort VERUNMENSCHLICHT Menschen mit kognitiven Behinderungen. Es ist einfacher, jemanden zu schikanieren, wenn man ihm nicht mal das Recht auf seinen Namen gewährt. Man nimmt ihm die Würde. Grausamkeit lebt von Anonymität.

– Das Z-Wort VERLETZT Menschen mit kognitiven Unterschieden. Es impliziert, dass jeder, der eine intellektuelle oder entwicklungsbedingte Behinderung hat, dumm ist und der Welt nichts zu bieten hat; Was lächerlich ist und auch schlichtweg falsch. Warum also dieses Wort überhaupt benutzen?

Ich selbst habe mir ein Versprechen gegeben:

„Ich tue alles dafür, dass die abfällige Verwendung des Z-Wortes aus der Alltagssprache verschwindet und ich fördere die Akzeptanz und Inklusion von Menschen mit geistiger Behinderung.“

Ich gab mir dieses Versprechen für Menschen wie Linus und Markus. Ich will, dass so zauberhafte Menschen wie sie, als das gesehen werden, was sie sind- zauberhafte Menschen-  die nicht über ihre Diagnose definiert werden sollten.

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