Unsere heutige Gastautorin Martina Neumann-Ploschenz ist Linkshänderin. Seit ein paar Jahren hat sie sich zusätzlich in ihrer Kinder- und Jugendcoaching Praxis in Berlin auf das Thema Linkshänder spezialisiert. Es kommen viele Kinder in ihre Praxis, die Lernstörungen diagnostiziert bekommen haben, aber eigentlich umgeschulte Linkshänder sind. Deswegen nimmt sie den weltweiten Tag der Linkshänder zum Anlass uns Mütter für die Händigkeit der Kinder zu sensibilisieren und uns Hilfen an die Hand zu geben, wie wir die dominante Hand unseres Kindes erkennen und fördern können. Fördern wir die dominante Hand, dann vermeiden wir Umschulungsfolgen wie zum Beispiel Lese- Rechtschreibschwäche, Konzentrationsprobleme, Lernblockaden und Schreibschwierigkeiten.

Der Tag der Linkshänder – Aufmerksamkeit, Information, Forschungsergebnisse und neue Erkenntnisse

Jedes Jahr wird am 13.08. der weltweite Linkshänder Tag gefeiert. Er wurde 1976 von dem Amerikaner Dean Cambell dem Gründer der Organisation „Lefthanders International“ ins Leben gerufen, um mehr Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse der Linkshänder zu erzielen.

Bist du Rechtshänder und kannst dir gar nicht vorstellen, wo das Problem jetzt liegen soll? Nachfühlen kannst du es, in dem du dir mal das Gefühl vorstellst, wenn du deine Schuhe verkehrt herum anziehst – sogenannte „Entenfüße“. Du kannst zwar damit laufen, aber es fühlt sich immer irgendwie komisch an, so ein Gefühl von nicht richtig und schrecklich unbequem.

Oft funktionieren viele Geräte nur mit der rechten Hand. Benutzt du sie mit links, kommst du nicht an die Knöpfe oder musst die Hand verdrehen. Das klassische Beispiel ist der Dosenöffner, der ist so super für den Rechtshänder entwickelt worden, dass der Linkshänder einfach absolut keine Chance hat. Wie oft habe ich früher schon verzweifelt die Dose mit den leckeren Sachen angeschaut, aber sie nicht geöffnet bekommen. Heute weiß ich ja, dass es auch Dosenöffner für Linkshänder gibt und habe natürlich einen in meinem Haushalt. Aber wenn du dich nicht mit den Besonderheiten des Linkshänders in der Rechtshänder Welt beschäftigst, dann denkt man sich so oft als Linkshänder „ Ich bin wohl zu blöd dafür.“ oder der Rechtshänder denkt: „Oh nein, stellt die sich aber ungeschickt an.“ 

Bist du Linkshänder?  Oder hast du schon mal geschaut, welche Hand deine Kids bevorzugen? Dadurch, dass so viele Sachen nur für Rechtshänder geeignet sind, gewöhnen sich manche Kinder schnell an, die rechte Hand zu benutzen obwohl sie eigentlich Linkshänder wären.

Im Alter von 4-5 Jahren muss die Händigkeit endgültig feststehen. Wenn die Kinder in die Schule kommen und haben einen wechselnden Handgebrauch, dann kann es zu Schul- und Lernproblemen kommen. Und da wir ja in einer Rechtshänder Welt leben, denken viele: „Na dann, nimm doch die rechte Hand zum Schreiben. Dann hast du es leichter im Leben!“

Was passiert, wenn dein Kind mit der nicht dominanten Hand schreiben lernen muss?

Leider ist das zu kurz gedacht. Auf den ersten Blick erscheint es leichter, alles mit der rechten Hand zu machen. Doch die Dominanz von einer Gehirnhälfte ist angeboren, d.h. es steht bei Geburt fest, ob bei deinem Kind die rechte oder die linke Hand dominant ist. Die Umwelt hat eine starke Bedeutung für die Förderung der Händigkeit. Deswegen ist es so wichtig schon im Alter von 2 Jahren bewusst hinzuschauen, mit welcher Hand dein Kind spontan zugreift. Wenn im Kindergarten zu wenig der Focus auf die Händigkeit gesetzt wird, dann schulen sich die Kinder schnell mal selbst um. 

Was passiert in unserem Gehirn, wenn die dominante Hand umgeschult wird?

Die Benutzung der nicht dominanten Hand zum Schreiben kann tiefgreifende Auswirkungen im ganzen Leben haben. Der Prozess des Schreibenlernens ist hochkomplex. Es müssen Bilder, feinmotorische Abläufe und Bedeutungen mit einander kombiniert werden. Unser Gehirn ist damit stark gefordert. Der feinmotorische Bewegungsablauf unserer Hand wird überkreuz gesteuert, d.h. die linke Gehirnhälfte steuert unsere rechte Hand. Soll das Kind mit der nicht dominanten Hand schreiben, ist unser Gehirn so genial, dass es „eine Brücke baut“, um die feinmotorische Bewegung mit der anderen Hand leisten zu können.

Doch dadurch wird es ist nicht wirklich leichter. Alles kostet mehr Energie, wenn die Bewegungen mit der nicht dominanten Hand ausgeführt werden. Unser Gehirn schafft das, aber mit welchem großem Energie Aufwand. 

Kinder reagieren dann mit Schreibunlust, schreiben sehr langsam, schreiben sehr krakelig, sind sehr erschöpft nach der Schule und es erscheint so, als wenn sie eine Lese-Rechtschreibschwäche entwickeln. Oder noch schlimmer sie kämpfen sich durch, aber haben es wirklich schwer und erarbeiten sich alles mit sehr viel Kraft und Mühe. 

Du kannst die Händigkeit selbst erkennen – mach ein paar Tests!

Schon im Alter von 1-2 Jahren greifen die Kinder gezielt nach Gegenständen. Sie untersuchen sie und versuchen, ihren Sinn zu ergründen. Spontanes Greifen erfolgt immer mit der dominanten Hand als erstes.

Jetzt ist der Zeitpunkt Gegenstände mittig anzureichen, dann kannst du ganz schnell beobachten, mit welcher Hand dein Kind spontan zu greift.

Viele Möglichkeiten die Händigkeit zu beobachten, gibt es auch beim spontanen Spielen mit neuen oder unbekannten Gegenständen. Nicht geeignet sind erlernte Tätigkeiten. Wenn zum Beispiel die Oma, immer den Löffel in die rechte Hand gibt und das Kind ist Linkshänder reagiert es oft mit wechselndem Handgebrauch beim Essen. Oder gewöhnt es sich ganz ab, die linke Hand zu benutzen, wenn es immer wieder ermahnt wird. 

Folgende Tätigkeiten sind geeignet, um die Händigkeit gut zu beobachten: 

Das Spielen mit Autos – Mit welcher Hand schiebt dein Kind das Auto?

Bauklötze – Mit welcher Hand nimmt dein Kind die Legosteine auseinander – wenn es schwierig wird.

Würfeln – mit welcher Hand würfelt dein Kind? 

Puppen – Mit welcher Hand werden die Puppen angezogen, die Knöpfe zugemacht?

Buddeln – Welche Hand rührt im Sandeimer um?

Dekorieren und basteln – Mit welcher Hand werden die Blumen dekoriert? Die kniffligen kleinen Sachen aufgelegt? 

Besonders spannend sind Spieluhren und lustige Aufziehfiguren – ehrlich gesagt habe ich Spieluhren gehasst und war so traurig, dass ich meine kleine tanzende Elfen Spieluhr kaputt gemacht habe. Ich habe die Spieluhr immer verkehrt herum aufgezogen und es hat einfach nicht funktioniert und irgendwann war die Mechanik dann defekt. Und es war mir so schrecklich peinlich, dass ich schon wieder mal so ein schönes Spielzeug kaputt gemacht habe. Ich habe es meinen Eltern auch nicht erzählt. Und zur Erklärung: Als Linkshänder dreht man reflexartig immer linksherum und Spieluhren werden rechtsherum aufgezogen – ein echtes Drama für kleine Prinzessinnen.

Oft sind zum Beispiel die Seilwinden an den Kinderspielzeugen immer rechtsherum gebaut und auch auf der rechten Seite angebaut – auch in LEGO Anleitungen ist die Bedienung von der Feuerwehr und dem Kran für Rechtshänder gebaut. 

Auch hierbei kannst du ganz schnell auf den Gedanken kommen, dass dein Kind ungeschickt ist, wenn es damit nicht zurechtkommt. Aber oftmals ist das Kind einfach nur ein Linkshänder, der mit einem für Rechtshänder gebauten Spielzeug spielen möchte und verzweifelt tüftelt, wie es denn gehen könnte.

Bist du dir nicht ganz sicher, dann kannst du dir meine Checkliste mit 40 Zeichen herunterladen, mit der du die Händigkeit bei deinem Kind gezielt beobachten kannst. Oder auch vielleicht deine eigene Händigkeit mal überprüfen willst?  Linkshändigkeit wird zu einem großen Anteil vererbt. https://www.lernlustcoaching.com/kostenlos/linkshaender-test/

Mein Wunsch für alle linkshändigen Kinder und die Eltern – Linkshändigkeit ist ganz normal und betrifft 15-30 % der Kinder!

Es gibt mindesten 15-30% Kinder, die als Linkshänder – also mit einer dominanten rechten Hirnhälfte – geboren werden.  Aber auch heute noch gibt es offiziell nur 15% aktive Linkshänder, der Rest wird unbewusst immer noch umgeschult.

Linkshänder sein ist etwas besonders in einer Rechtshänder Gesellschaft und bringt dadurch viel Flexibilität im Alltag hervor. Aufmerksame und bewusste Mütter können viel dazu beitragen, dass Linkshänder es im Leben leichter haben. Durch die Etablierung von Unisex Toiletten ist unsere Gesellschaft ja schon weit nach vorne gegangen, aber Linkshänder in ihrer Händigkeit und beim Linkshänder gerechten Schreiben zu unterstützen, da fehlt es noch an alle Ecken und Kanten. Angefangen bei den Erziehern und den Lehrern in der Grundschule bis hinüber in die Arbeitswelt ist noch nicht genug Information angekommen, um die Linkshänder zu unterstützen.

Über alle Kommentare und deine hilfreiche Unterstützung, um der Linkshändigkeit mehr Verständnis und Beachtung in unserer Gesellschaft entgegenzubringen, freue ich mich sehr. 

Und als Dankeschön biete ich für alle Mütter, die das Kennwort: MUETTERMAGAZIN in meinem Kontaktformular angeben, eine kostenlose Eltern-Coaching-Beratung von 45 Minuten ONLINE über Zoom zum Thema „Mein Kind – ein Linkshänder!“ an.

https://www.lernlustcoaching.com/kontakt-martina-neumann-ploschenz/

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