Anonymer Gastbeitrag

Ich kenne meine beste Freundin seit über 25 Jahren. Es ist keine dieser Freundschaften, in denen man den Kontakt verliert, nur weil man sich mal ein paar Wochen mal nicht spricht. Uns verbindet eine Vergangenheit und wir wissen, was wir aneinander haben.

Wir haben den gleichen Geschmack in Sachen Klamotten. Wir beenden die Sätze des anderen und lieben die Kinder des anderen so, als wären sie unsere eigenen. Wir sind uns in nahezu allem einig – mit einer großen Ausnahme.

Mein beste Freundin ist Impfgegnerin.

Als ich das erste Mal schwanger wurde, war es zu keinem Zeitpunkt eine Frage, ob ich meine Kinder impfen lasse. Für mich gibt es da einfach keine zwei Meinungen. Menschen sterben eher an den Folgen der Krankheiten, vor die eine Impfung schützt, als durch eine Impfung selbst. Für mich als Mutter DAS Argument für Impfungen. Ende.

Auch nach den jeweiligen Impfungen fühlte ich immer, dass ich die richtige Entscheidung traf – auch wenn es mal zu Fieber und Abgeschlagenheit kam. Es war die richtige Entscheidung nicht nur für meine Kinder, sondern auch für den Rest der Menschen da draußen, die automatisch betroffen sein können, wenn man seine Kinder nicht impfen lässt.

Als sie mich zum ersten Mal danach fragte, ob ich meine Kinder impfen lasse dachte ich, sie sei nur neugierig. Sie selbst war nämlich zu diesem Zeitpunkt schwanger und natürlich wollte sie wissen, ob ein ausreichender Schutz für ihr Ungeborenes besteht.

Sie war gar nicht neugierig, ihre Fragen zielten auf IHRE Entscheidung ab, sie sie mir dann auch nahe brachte.

Meine beste Freundin hatte beschlossen, ihre Kinder nicht impfen zu lassen. Zunächst blieb sie ruhig, das veränderte sich allerdings sehr schnell. Sie verurteile mich dafür, dass ich meine Kinder impfen lies und ich war ebenso aufgebracht, dass sie es nicht tun wollte.

Es ist meine Aufgabe, meine Kinder vor Keuchhusten, Masern und Windpocken etc. zu schützen. Sie hat mich mehr als einmal über all die „Giftstoffe“ belehrt, die sich angeblich alle in den Impfstoffen befinden. Kleinste Mengen Formaldehyd z.B, die sich übrigens schon von Geburt an in unserem Körpern befinden. Tatsächlich ist es nämlich so, dass Babys mit über 50% mehr Formaldehyd in ihrem Körper geboren werden, als in einer Impfdosis enthalten sind. Wir sprechen hier also von einer winzigen Dosis von etwas, das unser Körper sowieso bereits in sich trägt, um unser schnelles Ableben zu verhindern.

Sie liebt es, über all die neuen Ausbrüche von Masern oder Keuchhusten zu referieren und sagt dann gerne: „Na, da sieht man es ja wieder: Viele dieser Kinder wurden geimpft und sind nun trotzdem dran erkrankt!“

Sie rümpfte die Nase, als ich ihr von der Herdenimmunität erzählte, nämlich: Wenn die meisten Menschen vor bestimmten Krankheiten geschützt sind, reduziert dies das Risiko für diejenigen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können. Es gibt einen Grund, warum so viele dieser Krankheiten verschwunden sind. Das ist doch PURE LOGIK!

Ich fragte sie, wie sie sich denn fühlen würde, wenn ihre Kinder einen Virus in sich tragen würden, der vielleicht nach Außen hin noch nicht sichtbar ist, aber durchaus gefährlich für z.B. Säuglinge sein kann, die noch nicht ausreichend geschützt sind?!? Ihre Antwort war: „Aus diesem Grund meiden wir den Kontakt zu Neugeborenen“ BITTE WAS?!?

Die Sache ist die: Masern sind verdammt ansteckend. Man infiziert sich also NICHT nur in Krabbelgruppen oder Müttertreffs. Was ist mit dem Spielplatz? Der Einkaufswagen? Ein Restaurant? Die Wissenschaft sagt dazu: „Masern sind so ansteckend, dass, wenn eine Person infiziert ist, bis zu 90% der Menschen in der Nähe dieser Person, die nicht immun sind, sich ebenfalls infizieren.“

NEUNZIG PROZENT. DAS ist eine Tatsache. Eine Entscheidung gegen das Impfen ist eine Entscheidung über Leben und Tod.

Da ihre Kinder also NICHT geimpft sind, könnten sie so ganz leicht jemanden infizieren, der die lebensnotwendigen Impfungen aufgrund seines Gesundheitszustandes nicht erhalten kann. Ich fragte sie, wie sie sich denn fühlen würde, wenn ihr eigenes Kind Masern oder Keuchhusten bekommt. Ihre Antwort: „Lieber gehe ich das Risiko ein, als das eines meiner Kinder an Autismus erkrankt!“

Puhhhh okay: Zunächst sei erwähnt, dass es zahlreiche und umfangreiche Studien darüber gibt, dass es keinerlei Verbindungen zwischen Autismus und Impfungen gibt. Ein autistisches Kind stirbt auch nicht am Autismus. An tödlichen und ansteckende Krankheiten hingegen stirbt es sich viel einfacher.

Unterm Strich kann ich sagen: Ich selber könnte aus Angst vor diesen Krankheiten nicht mer ruhig schlafen und darum lasse ich impfen.

Ich gehe nicht das Risiko ein, dass meine Kinder an dauerhaften Schäden erkranken, die Windpocken nämlich im Nachgang hinterlassen können. Ich riskiere auch nicht, dass meine Kinder an einer Maserninfektion verrecken. Ich sage bewußt verrecken, denn das ist kein schöner Tod. Und ich gehe ebenfalls nicht das Risiko ein, dass meine Kinder ein unschuldiges Neugeborenes oder eine Person infizieren könnten, deren Immunsystem für Impfungen zu schwach ist, so dass sie zum Schutz auf die Herdenimmunität angewiesen sind.

Nicht nur, dass ich ihre Denkweise nicht verstehen kann – wenn du dein Kind und andere Menschen daran hindern kannst, krank zu werden, warum zum Teufel soll man das dann nicht auch tun?  Ich bin richtig sauer auf sie. So richtig angepisst. Ich bin wütend auf sie, weil sie denkt, dass sie mehr weiß als alle Wissenschaftler und Mediziner dieser Welt und sie glaubt auch noch ernsthaft, dass sie das Recht hat, diese Entscheidung gleichzeitig für ihr Kind und alle andere Menschen treffen zu können.

Ich bin ebenfalls wütend, dass es für sie anscheinend in Ordnung ist, permanent andere Menschen belehren zu müssen. Ich bin komplett irritiert von ihrer Anti-Impf- Besessenheit. Es ist verdammt nervig und übertrieben und ich habe es so satt, darüber mit ihr diskutieren zu müssen. Es kommen immer nur die gleichen dummen Argumente. Ich sage bewusst „dumm“, denn die Wissenschaft ist eindeutig zu diesem Thema.

Ich stimme ihr überhaupt nicht zu. Sie stimmt mir nicht zu.

Sie weiß, dass meine Kinder durch geimpft sind. Nah SITKO. Sie weiß, was ich davon halte, das sie es nicht tut. Sie gibt keine Ruhe und akzeptiert meine Entscheidung nicht und so kommt dieses Thema immer wieder auf den Tisch.

Ich wusste zunächst gar nicht, was dieser Zweispalt aus uns macht.

Beendest du eine Freundschaft, weil du dir nicht einig darüber bist, ob du deine Kinder nun impfen lassen sollst oder nicht? Eigentlich wollte ich das vermeiden, immerhin kennen wir uns schon fast ein ganzes Leben lang.

Wir haben uns irgendwann darüber geeinigt, dass wir das THEMA nicht mehr ansprechen werden. Sie wird ihre Meinung nicht ändern, und ich werde meine Meinung auch nicht ändern.

Wir haben wirklich versucht zu kämpfen, aber ich muss euch sagen, dass unsere Freundschaft einen echten Bruch erlebt hat. Es gibt Dinge, die man nicht einfach so runter schlucken kann. Man kann nicht zur Tagesordnung übergehen, wenn man derart unterschiedlicher Meinung ist. Ich halte ihre Einstellung für so falsch, dass ich eben nicht einfach so weitermachen kann. Sie sieht es ähnlich.

Ich halte es da mit folgendem Zitat:

„Manchmal musst du akzeptieren, dass gewisse Menschen immer einen Platz in deinem Herzen haben, aber nicht mehr in deinem Leben.“  

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