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Von Yvonne Paris, Mama aus Hamburg.

Es war einmal…So oder so ähnlich fangen all die wundervollen Geschichten, Märchen und Erzählungen, die wir bereits aus unseren Kindheitstagen kennen, an. Wir bekommen sie von unseren, des Lesens fähigen Liebsten vorgelesen. Mit malerischen Illustrationen sind diese vor vielen Jahren niedergeschriebenen Zeilen versehen. Auch haben wir in den späteren Jahren diverse bewegte Bilder verfolgt. Ich selbst habe sie mit sämtlichen, mir bekannten, Emotionen und Werten versehen. Dabei waren Freude, Leid, Freundschaft, Trauer, Glückseligkeit, Kameradschaft, Ängste, Aufregung und natürlich vor allem LIEBE.

Und genau daran möchte ich, genaugenommen muss ich, jetzt ansetzen.

Einer möglichen später anschließenden Diskussion über diverse Geschlechterrollen, die eventuell vorgelebt, vorerzählt, vorverfilmt wurden und weiterhin werden, möchte ich an dieser Stelle gleich abwürgen. Nicht aus dem Grund, dass es für mich in diesem Fall nicht erwähnenswert oder gar irrrelevant sei. Nein. Höchstwahrscheinlich eher das Gegenteil. Eher ist mein Anliegen Geschlechter neutral. Auch neutral von geschlechtlichen Neigungen. Mir geht es hier um ein Mensch zu Mensch. Wesen zu Wesen.

Lesen war also eine ihrer Fähigkeiten. Doch wie sieht es mit der Realitätsvermittlung aus? Ich selbst lauschte gerne fast jeder Geschichte. Am meisten mitgerissen von den gruseligen, düsteren, halt all denen voller Magie und Absurditäten. Doch vor allem haben mich die Erzählungen beschäftigt, die voller Liebe und Zuneigung waren. Voller Ergebenheit einer ganz bestimmten Person gegenüber. Auch erwische ich mich immer mal wieder dabei, meiner Tochter die gleichen Zeilen (teilweise sogar dieselben) vorzulesen. Manchmal unter Tränen, weil es ja so unfassbar (das Lieblingswort meiner Sis) schön und aufopfernd ist. Ich kann mich allerdings kaum daran erinnern, dass es am Ende dann von den Vorlesern hieß: „So und die Moral von der Geschicht ist…“. Meist bloß dann, wenn es darauf hinauslief, zu erwähnen, dass man nie mit einem Fremden mitgehen, oder stets darauf hören sollte, was einem ein Erwachsener angetragen hat. Doch wenn es um Liebesdinge ging, da wurde ich nicht separat mit einem gedanklichen Merkzettel versehen. Da war stets alles fein. Genauso war es scheinbar in der Liebe und wird es auch immer sein. 

Jeder von uns Märchen- und Disney Liebhaber hat bestimmt eine Lieblingserzählung, oder zumindest Figur. Die, die mich immer wieder aufs Neue zum Weinen und bitterlichem Schluchzen bringt, ist Arielle und im klassischen die kleine Meerjungfrau. Genau. Auch heute noch nach so vielen Jahren, wenn der Film (natürlich in original Vertonung, sonst ist es für mich nicht auszuhalten) bei uns zu Hause, auf meinem Drängen abgespielt wird. Sowie beim Vorlesen, eingekuschelt im Bett meiner Tochter (mein Sohn könnte mit zuhören, aber meistens hat er wichtigeres zu tun).

Ich selbst halte mich oftmals für einen realistischen, sarkastischen, und ja manchmal sogar zynischen Menschen. Und genauso versuche ich selbstverständlich auch meine Kinder, so zusagen wach durchs Leben zu schicken. Klar denke ich auch darüber nach, ob dies immer so der korrekte Weg sei. Aber hey! Jeder so, wie er/ sie/ es am besten kann. Doch sobald, all meine Sinne in diese zauberhaften Welten abtauchen, zählt auch für mich ausschließlich diese Realität.

Nun aber wieder zurück zu den zuckerhaften Gestalten unserer Kindheit. In meinem Fall diese zierliche rothaarige, mit Muscheln als Bustier und türkisener Schwanzflosse. Noch bevor der Film in die Kinos kam, konnte ich dank Hörspiel, ihn in eben diesem von Anfang bis Ende nachsprechen, sowie singen. Aber ich hatte noch nicht einmal im Ansatz eine Idee davon, was diese Figur mit ihrem Verhalten eigentlich mit mir machte. Kaum war sie da, löste sie in mir einen Wunsch aus, von dem ich bis heute nicht einmal weiß, ob er mein eigener ist, oder mir auferlegt wurde. Und zwar das ewige Schmachten nach etwas anderem, etwas neuem, auf jedem Fall etwas, was man nicht hat. Etwas, egal wie sehr man auch bisher Dinge und Erfahrungen gesammelt hat, sich selbst nicht geben kann. Bisher habe ich bloß stets gesehen, dass sie am Ende ihre große Liebe für sich gewonnen hat. Und genau dort liegt der Pharao begraben… Sie hat immer schon bemerkt, dass ihr etwas fehlt. Sie nicht vollständig sei. Und als sie IHN, Ihren Prinzen gesehen hat, wusste sie sofort, was dazu führen wird, dass sie auf ewig glücklich sei. Sprich, das eigene Glück in jemand anderem zu suchen, zu sehen und scheinbar zu finden. Schade nur, dass sie alles, was sie ausmachte ablegen musste, um bei ihm zu sein. Verdammt. Sie hatte eine Fischflosse, wenn das mal nichts ist. Und sie war ebenso Prinzessin. Also der gute Triton hätte auch den Eric zum Meermann verwandeln können, doch das stand irgendwie nie zur Debatte. 

Aber auch auf einen durchaus verständlichen Diskurs über Emanzipation, möchte ich hier nicht genauer eingehen.

Ein weiteres Geschöpf, welchem ich mir zugehörig fühle ist Belle aus „Die Schöne und das Biest“. Wer kennt sie nicht. Hübsch. Gebildet wirkend. Scheint zu wissen was sie will und was bzw. wen nicht. Dennoch wollte auch sie stets woanders sein. Hatte das Gefühl nicht dorthin zugehören, wo sie sich befand. Und hat es auch nicht aus eigenem Antrieb in die große weite Welt gebracht. Es war mehr eines Zufalls gleich, dass sie Erfüllung fand. Und worin? Natürlich! Am Ende in der Liebe zu einer anderen Person, die sie komplett machte!

Nun ist es nicht so, dass ich mich bis ins Detail mit solchen fiktiven Figuren identifiziere. Vor allem nicht mit einer Meerjungfrau. Ich meine, ich bin eine miserable Schwimmerin. Man hat mir mal gesagt: „Bitte höre auf zu versuchen zu kraulen. Der Bademeister springt sonst gleich herbei, denn er denkt Du ertrinkst.“ Auch bin ich nicht die überdurchschnittliche Leseratte, die ihr Leben stets durchs gelesene erlebt. Doch erwische auch ich mich immer wieder dabei, nach etwas Ausschau zu halten, was in irgendeiner Form nicht von dieser Welt ist. Etwas, was mich aus der Realität holt und mich in den ewigen märchenhaften Schleier einhüllt. Und mich somit den Zauber des irdischen Lebens erleben lässt. Dies passt so überhaupt nicht zu meiner sonst so ironischen Art. Tja, da stellt sich doch die Frage, was von diesen gegensätzlichen Polen ist das Wahre? Denn mal ehrlich, solche Gegensätze können doch nicht zeitgleich Platz in einer Person finden, ohne dass man auf ewig hin- und hergerissen ist. Und es kann doch nicht bloß mir so ergehen?

Bevor ich nun im Anschluss erneut einen Rüffel bekomme, dass ich von mir auf andere schließe (dieser Meinung sind nicht viele…bloß vielleicht ein – zwei- zweieinhalb – drei – …. lassen wir das), halte ich mich lieber an meine eigenen Erfahrungen und lasse einiges an Fragen offen. 

Aufgewachsen bin ich in einer, man könnte es klassische Familie nennen. Vater arbeitend, Mutter Hausfrau, einem großen Bruder und Großeltern griffbereit. Gewürzt wurde diese Familienidylle mit diversen, bereits erwähnten, Legenden. Da war es abzusehen, dass ich einen vorprogrammierten Weg einschlagen werde. Ich meine, ich habe gesehen, dass es gut funktionieren, es Halt und Sicherheit geben kann. Dementsprechend war ich wohl, sobald ich wusste, wofür das andere Geschlecht da ist (natürlich mich zu ergänzen) auch auf der Suche nach meinem, mir persönlich zugeschnittenen vermeintlichen Gegenstück. Ich bin tatsächlich nicht ein einziges Mal auf den Gedanken gekommen, dass dieses ach so ersehnte fehlende Puzzleteil in mir selbst zu finden ist. Wie denn auch? Ich meine mir musste doch etwas fehlen! Keine Prinzessin ohne Prinzen. Kein Frosch ohne Kuss. Kein Wolf ohne Großmutter. Kein Kaiser ohne Kleider. Kein Drossel ohne Bart. Aha…oder doch? Ich habe es bloß nicht sehen wollen, nicht können. Ich wurde nicht aufgeklärt. Doch mal unter uns…

Sollte man Kindern diese Geschichten nicht bloß vorlesen, bzw. zeigen, sondern sie anschließend auch dazu befragen, was sie jetzt nun dazu meinen? Ich finde es schwierig. Denn mir persönlich fällt es dabei schwer, nicht erneut in die zynische Schiene zu rutschen, die immer wieder mahnend die Augen rollt, die Augenbrauen zusammenzieht und die Stirn in Falten runzelt. Einerseits möchte ich meine Kinder vor Schmerzen schützen, vor allem den Herzschmerzen. Andererseits möchte ich auch, dass sie zumindest an den Zauber in der Liebe, egal ob zu Dingen oder Wesen, selbstentscheidend glauben können. Alles in Allem denke ich, dass meine Liebsten alles richtig gemacht haben. Ich erkenne nun selbst. Und das ist das einzige, was für MICH wichtig ist. Ich bin ihnen dafür aus voller Liebe dankbar. Denn natürlich wussten sie, wie es wirklich ist. Aber sie haben mich glauben lassen und tun es auch heute noch. Und zwar an all das woran ich glauben möchte, oder eben nicht, oder nicht mehr. Genauso werde wohl auch ich meine Kids selbst erfahren lassen, wonach ihnen ist. 

Vielleicht kann ich es aber auch deshalb nicht bloßlegen, da ich wie meine Vorgänger, nach wie vor an die Faszination von inniger, bedingungsloser Liebe auf Seelenebene glauben möchte.

Mit diesem Glauben in die Welt geschickt, habe auch ich einen eher klassischen Lebens- Liebesweg gewählt. Auszug aus dem Elternhaus. Haustier. Kurz darauf der neue Partner eingezogen. Haustier Nummer II. Größere Wohnung. Hochzeit. Kind I. Kind II auf dem Weg. Eigentum. Spätestens jetzt wäre jede Historie aus. Aber wie wir alle wissen, geht es tatsächlich jetzt erst richtig rund. Versteht mich bitte nicht falsch. Nicht eine Szene hiervon möchte ich missen. Es war alles eine wundervolle Zeit. Meine Zeit. Eine Zeit, die ich mir herbei gesehnt habe und erleben, leben durfte. Und ich bereue nichts von alledem. Wirklich nichts.

Auch nicht, dass es nicht mehr so ist, wie eben beschrieben. Denn dieses gelebte Idyll hatte wohl seine Tücken. Ich rede hier nicht von solchen, an die vielleicht nun einige denke. Wie z.B.: „Er hilft nicht mit den Kindern und auch nicht im Haushalt“. „Meine Kinder erfüllen mich nicht“. „Wir lieben uns nicht mehr“… Nein. Nichts dergleichen. Ich hatte nun alles, wonach ich mich sehnte und noch vieles mehr. Eigentlich ein Grund ab sofort sich in seinem nicht vorhanden Schaukelstuhl zurück und die Füße hoch zu lehnen. Doch widerspricht dies meinem Ego. Ich will suchen, sammeln und dies auch immer gerne wieder neu. Möchte das Leben in all seinen Möglichkeiten erfahren und erfassen. Nicht stillstehen. Nicht ankommen. Lieber in Bewegung bleiben und entdecken. Allerdings habe ich, die für mich alles so entscheidende Sicherheit aufgegeben und hinter mir gelassen. Doch was spricht dagegen in gemeinsamer Sicherheit auf Entdeckungsreise zu gehen?

Wie gern würde ich erfahren, ob Arielle jemals ihre Flosse vermissen wird. Ob sie auch gerne mit ihrem Eric nun doch lieber unter dem Meer umherziehen würde. Wie ist es um das alltägliche Leben von Belle mit ihrem, vom Bann der Liebe gebrochene Biest bestellt? Suchen beide Damen nach ihrer gelebten Erfüllung auch wieder etwas Neuartiges? Klare Fiktion. Belassen wir es dabei! Aber ist dann die Liebe ebenfalls bloß eine Dichtung?

Hier kann ich nun wieder bloß für mich sprechen. Ich liebe. Ich liebe sehr. Stark. Intensiv. Und jeden anders. Mehrere zur selben Zeit. Und zwar für das was ihn/ sie/ es ausmacht. Ebenso für das, was dieses Lebewesen in mir auslöst und wie ich selbst mich bei ihr fühle. Stets versuche ich bedingungslos zu lieben, ohne jegliche Erwartung. Zugegeben, dass fällt mir nicht immer leicht. Doch wenn ich Liebe verspüre, dann nicht, weil ich etwas dafür erwarte, sondern weil ich diese Liebe leben möchte, mit jedem Geschöpf, welches sich selbst darauf einlassen mag und kann. 

Tja und was suchst Du jetzt, wo Du doch voller Liebe bist? Japp. Das frage ich mich dann ebenso ab und an. Leider kann ich es nicht definieren. Doch eines ist völlig klar. Sobald ich es in Worte fassen kann, dann habe ich es gefunden und werde weiter das nächste Teilchen suchen gehen… 

Hier fehlt die durch klassische Musik untermalende Dramaturgie.

Es war einmal…Doch was es nun ist und was es einst sein wird, dass steht noch nicht geschrieben.

Yvonne Maria Paris

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