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Ein Gastbeitrag von Johanna

Deine erste Schwangerschaft war nahezu magisch, oder? Das erste Mal „Leben erschaffen“ und hautnah dabei sein ist doch echt der Wahnsinn, oder? Aber soll ich dir mal verraten, was die erste Schwangerschaft wirklich besonders macht?

Du kannst tun, was immer du willst.

Du fühlst dich krank? Kein Problem: Verbringe den Tag ganz easy auf der Couch mit einer großen Decke und etwas Netflix. Du fühlst dich müde? Macht gar nichts: Leg dich zwischendrin einfach hin oder geh um 18 Uhr ins Bett. Du hast eine offizielle Erlaubnis: Du bist schwanger und erschöpft, du armes Ding! Lust auf Eis? Schnapp dir eine Großpackung Schokoeis und schlemme, du darfst!

Mir ist klar, dass eine Schwangerschaft nicht unbedingt einfacher wird, wenn man arbeiten gehen muss.

Ja, das sind die Dinge, die eine erste Schwangerschaft wirklich schön machen. Leider bemerkst du diese Tatsachen erst bei deiner zweiten Schwangerschaft, wenn es dir dämmert, dass Schwangerschaft und Mutter sein zur gleichen Zeit nichts für empfindliche Nerven ist.

Wenn du mit kleinen Kindern im Schlepptau schwanger bist, jonglierst du plötzlich nicht nur mit deinen Bedürfnissen und denen deiner Kinder, sondern du jonglierst auch mit den körperlichen Anforderungen eines Babys im Bauch, welches du noch nicht einmal gesehen hast.

Du könntest buchstäblich im Stehen einschlafen und manchmal bist du auch darum bemüht, dein Gesicht vom Porzellanthron fernzuhalten, aber nichts davon zählt, denn: Du musst Popos abwischen und Trauben in winzige Stücke schneiden, verdammt! Es mag für dich zwar anstrengend sein, sich zu bewegen, und es fühlt sich an, als wäre dein Becken einen Schritt davon entfernt, in zwei Hälften zu brechen, aber jemand muss die Krümel aufsaugen und sich über die Badewanne beugen. Jaaaa!

Badezimmerausflüge werden mit kleinen Kindern stets zu einem Gruppenevent, ja, nahezu zu einem Spektakel: „Mami? Musst du wieder spucken? Darf ich zusehen?“ Du flehst das Universum an, doch nur ein bisschen Zeit für dich selbst zu bekommen, damit du wenigstens mal fünf Minuten auf dem Sofa sitzen kannst und die Augen schließen kannst aber nein. Kleine Kinder spüren genau, wann man am meisten Ruhe braucht, und sie nutzen diese Gelegenheit gnadenlos aus, um deinen Blutdruck durch ein plötzliches Chaos oder einen Wutanfall in die Höhe zu treiben.

Es ist nahezu unmöglich sich als schwangere Frau auszuruhen, wenn dein Hund einen Haufen auf dem Boden des Schlafzimmers hinterlässt und dein Kleinkind dazu inspiriert wird, eine Kackwurst durch das Loch in einer CD zu stopfen. Frag nicht, woher ich das weiß. Es ist wie ein Marathonlauf, nur wenn man zu müde zum Laufen wird, treibt dich jemand dich mit einem Knüppel zum Ziel.

Das Öffnen einer Kekstüte inmitten der Küche ist gleichbedeutend mit dem Einschalten eines Leuchtschildes, auf dem  „MAMA ISST KEKSE“ blinkt und jedes kleine Kind im Umkreis von drei Kilometern zum Schmausen einlädt. Und jeder weiß auch, dass eine schwangere Frau nicht gerne ihr Essen teilt. Alle wissen das, mit Ausnahme von Kleinkindern, denen es total egal ist, was schwangere Frauen nicht mögen.

Das gekonnte Manövrieren eines Kleinkindes in einen Autositz ist an normalen Tagen schon eine Herausforderung, aber wenn du schwanger bist und zusätzlich einen riesen Bauch vor dir herschiebst, den du jetzt ebenfalls gekonnt manövrieren musst, dann ist das eine ECHTE Herausforderung – Zusätzlich musst du dich vor fuchtelnden Armen und Beinen schützen, wenn sich dein bereits geborener Nachwuchs plötzlich in einen Spinnenaffen mit der Kraft eines LKWS verwandelt.

Es ist doch nicht zu viel verlangt, von den Kindern, denen man das Leben geschenkt hat, wenigstens mal eine kleine Pause zu bekommen, damit man einfach mal in Ruhe schwanger sein kann. Aber nein. Der Wäschestapel stapelt sich, die kleinen Menschen müssen immer wieder gefüttert und sauber gemacht werden, und die Welt – die Welt, die sich während der ersten Schwangerschaft praktisch nur noch um dich und deinen Bauch gedreht hat, dreht sich unaufhörlich weiter. Du musst mit deinem geschwollenen, aufgeblähten, erschöpften Selbst einen echten Menschen heranwachsen lassen, während du die anderen winzigen Menschen am Leben hältst und der Kritik von Oma und Opa ausweichst, wenn es darum geht, wie viel KIKA die Kinder gucken dürfen.

Immerhin kannst du dich nachts erholen, zumindest solange, bis deine Hüften anfangen zu schmerzen. Oder bis du pinkeln musst. Oder bis jemand anderes in dein Bett pinkelt. Oder bis jemand einen Alptraum hat, oder bis jemand ein seltsames Geräusch hört, oder bis jemand etwas trinken will oder bis jemand in dein Bett kriecht, um dich dann mit Knie- und Ellbogenschlägen zu bombardieren (wohlgemerkt zusätzlich zu denen, die im inneren deines Bauches auf dich eintrommeln). Stell dich also darauf ein, dass du die kurzen Pausen im Alltag nutzen musst.

Du wirst es überleben, weil du eine Mutter bist, und Mütter sind von Natur aus knallhart. Du wirst es unter Umständen sogar wieder genauso machen, denn all dies wird mit der Zeit aus deinem Gedächtnis verblassen, weil Babys unser Gehirn vernebeln.

Außerdem braucht dein Kind ein Geschwisterchen, um es ärgern zu können, während du das nächste Mal an die Toilette gefesselt bist.

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