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Von Anette – Mutter eines Teenagers aus Oberursel

Es geschah heute Morgen: Mein Sohn zog faul die Schublade auf, um sich Besteck zu holen. Er wollte tatsächlich um 7.28 Uhr sein Frühstück essen, obwohl ich ihn mehrmals daran erinnert hatte, dass wir das Haus um Punkt 07:30 Uhr verlassen werden. Ich warf einen Blick auf ihn und mir platzte der Kragen…

Er sagte, „Boah chill ma, Mama!“, ließ sein Frühstück stehen und schmollte eine Weile. Aber es war mir egal, was er dachte, und ich erkläre dir mal warum das so war.

Eine Stunde zuvor, als er noch im Schlafanzug auf der Couch saß und Sponge Bob schaute, erinnerte ich ihn (zum zweiten Mal) an unsere Abfahrt und sagte ihm, er solle sich sein Frühstück machen, damit er pünktlich fertig sei. Er sagte, er würde es tun. Zwanzig Minuten später, als ich bereits mit dem Frühstück durch war und nach oben ging, um mich selbst fertig zu machen, erinnerte ich ihn wieder daran. ( Diesmal mit einem etwas weniger „ruhigen“ Ton)

Ich kam genau zwei Minuten bevor wir gehen wollten in sein Zimmer und er sprang auf und fing an zu frühstücken. „Nein“, sagte ich. »Du hattest jetzt über eine Stunde Zeit, Philipp. Ich habe es dir bestimmt zehn Mal gesagt. Dafür haben wir jetzt keine Zeit mehr. “

Er ist vierzehn Jahre alt und er ist über 1.80 Meter groß, also kann ich ihn nicht körperlich dazu zwingen, etwas zu essen, aber ich kann mit Konsequenzen drohen, wenn er nicht das tut, um was ich ihn gebeten habe.

„Ja, dauert nur eine Minute, Mama“, sagte er. Wir haben dieses Spiel nun lange genug gespielt, um genau zu wissen, dass es eben nicht „nur eine Minute“ dauern wird. Er ist ein trotteliger 14-Jähriger, der über Dinge stolpert und alle zwei Sekunden etwas umkippt, also dauert quasi gar nichts nur „eine Minute“. Ganz zu schweigen von der unfassbaren Unordnung, die sein Zimmer unbegehbar machte. Als er die Besteckschublade aufriß, packte ich den Türknauf so fest, daß ich ihn fast abgebrochen hätte. „Hol deine Jacke und raus mit dir – wir gehen jetzt!“, zischte ich.

Ja, ich habe ihn angeschrien. Ja, er hat mich natürlich gefragt, warum ich immer übertreiben muss. Und ja, das hat mich noch wütender gemacht.

Innerlich geht es mir in diesen Situationen so: Während mich einerseits ein schlechtes Gewissen plagt, weil mir der Kragen mal wieder geplatzt ist, habe ich aber andererseits gleichzeitig das Gefühl, dass meine Reaktion oft der einzige Weg ist meinem Kind zu zeigen, dass der Hase so nicht läuft.

Mein Sohn ist jetzt 14 und wir führen diesen Kampf bereits, seitdem er ein Kleinkind ist. Meine anderen zwei Kinder können sich auch nicht komplett von dieser „Lass uns Mama an den Rad der Verzweiflung bringen-Strategie“ frei sprechen. Es scheint, als ob sie stets denken würden, „Hmm….Aha. Mama ist noch nicht sauer genug, ich kann einfach so weiter machen und sie ignorieren. Noch ist alles gut und ich warte einfach solange, bis diese Ader auf ihrer Stirn anfängt gefährlich anzuschwellen.“

Und natürlich dann bin ich wieder auf 180 in drei Sekunden. Das ist alles, was sie sehen: Eine Mutter, die stets wütender wird, wenn es darum geht, Geschirr wegzuräumen, weil man einen langweiligen Termin hat. Sie sind in der Lage meine grundsätzlichen Bitten einfach zu ignorieren.

Sie denken, dass es unfair ist, wenn ich so ausraste. Ich finde es allerdings unfair, dass Mütter auf der ganzen Welt einen wunden Hals vom Meckern haben, damit ihre Kinder ab und an mal ihre Pflichten erfüllen. Ich kann mich auch irren, aber es scheint so, als ob es ihnen auf diese Weise mehr Spaß macht. Ich habe keine Ahnung, warum sie uns sonst so weit treiben, und dann stets so tun, als ob WIR diejenigen sein sollten, die sich zusammenreißen müssen.

Ich versuche wirklich, es nicht so weit kommen zu lassen. Ich mag das Gefühl nicht, dass ich schreien muss, um meine Kinder dazu zu bringen, etwas zu machen, aber sie bringen mein Fass so schnell zum überkochen, wie niemand sonst. Sie haben es nahezu perfektioniert. Es spielt dabei keine Rolle, ob ich ihnen bereits unzählige Male erklärt habe; dass, wenn sie etwas direkt erledigen würden, unser Leben viel einfacher wäre und außerdem wäre ich viel seltener heiser. Ich bin ja der Meinung, dass es viel mehr Nerven und Stress kostet, nicht zuzuhören und dann eine Strafe ertragen zu müssen, während ihre Mutter sich die Haare ausreißt und ihre sehr furchterregende Stirnader pochend hervortritt, als EINFACH MAL das zu tun, was man von ihnen verlangt.

Aber meine drei Kinder beweisen mir immer wieder, dass ich falsch liege. Vielleicht finden sie mich auch amüsant, wenn ich mal wieder ausraste, wer weiß……..

Ich habe etwas gefunden, das Wunder gewirkt hat. Keine Mutter mag es, ihren Tag mit Halsschmerzen zu beginnen, weil sie ihre Kinder anschreien musste, damit sie pünktlich in das verdammte Auto steigen! Neulich fragte mich mein Sohn, ob ich ihn zum Haus seiner Freunde mit dem Auto mitnehmen könnte, es war ihm anscheinend sehr wichtig, dass er zu einer bestimmten Zeit dort ankam, weil sie sich mit anderen Kindern im Park treffen wollten.

Ich war mit scrollen auf Instagram beschäftigt und wir waren eh schon spät dran. Als er an der Tür wartete und zusah, wie ich mir Zeit ließ, fing er an, wütend auf mich zu werden. Als er mich auf mein Trödeln ansprach, fragte ich, wie er sich fühle. „Mama, ich muss da pünktlich sein, das nervt jetzt total!“

In aller Ruhe erklärte ich ihm, was ich immer durchmache, wenn es darum geht, ihn pünktlich aus der Tür zu bekommen. „Wenn du dich in Zukunft an meine Zeiten hältst, werde ich mich ebenso an deine Zeiten halten. Ist das ein Deal?“

 

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