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Ein Gastbeitrag von Marion aus Kaiserslautern

Vielleicht lag es an den sechs nicht zusammenpassenden Schuh-Paaren, über die ich fast gestolpert wäre. Vielleicht lag es auch an dem Wohnzimmer, in dem es aussah, wie beim Ausverkauf eines Sportgeschäfts. Es könnte auch an all den unvollendeten Kunstprojekten gelegen haben, an den zerbrochenen Buntstiften und an den Filzstiften ohne Kappe gelegen haben. Ein Blick auf dieses Durcheinander reichte und ich sah rot!

Ich verlor die Fassung!

Ich lebe eindeutig mitten in einem Rudel Ratten und es treibt mich an den Rand der Verzweiflung!

Um fair zu bleiben muss ich gestehen, dass ich selbst auch kein Ordnungsfanatiker bin. Meine Bettwäsche muss ich auch nicht alle drei Tage wechseln. Ich sauge nicht täglich und es kommt des Öfteren vor, dass ich wichtige Unterlagen IN meinem Kühlschrank ablege (und sie dann natürlich nicht wieder finde!). Mein Motto, wenn es um die lästige Hausarbeit geht, ist: Man muss ja nicht übertreiben!

Dennoch habe ich in letzter Zeit das Gefühl, dass ich hier in all dem Durcheinander zu ersticken drohe. In meinem Kopf kreisen die Gedanken nur so umher: VERDAMMT, FAMILIE, VERSUCHT IHR MICH HIER KOMPLETT UM DEN VERSTAND ZU BRINGEN?

Meistens versuche ich, das Chaos einfach zu ignorieren. Ich stolpere über die Schuhe, die verstreut vor der Haustür liegen. Ich ignoriere die Berge von angehäuften Werbeprospekten und ich ignoriere auch die Stapel an ungeöffneter Post meines Mannes. Ich widerstehe dem Drang, die rund 15.000 Pokémonkarten, die wirklich überall rumliegen, direkt in den Müll zu werfen.

Ich atme tief durch und erinnere mich dann daran, dass jedes Durcheinander einen gewissen Zauber inne hält (Hier wird gelebt!) und berufe mich dabei auf mein inneres Zen.

Dann merke ich allerdings, dass dieses Zen das Gebäude bereits vor langer Zeit verlassen hat, und ich muss mir eingestehen, dass dieses blöde Zen ein untreues Arschloch ist und mein Fass bis zum Überlaufen voll ist!

Ich erwarte nicht, dass mein Haus wie eines aus diesen Wohnzeitschriften aussieht oder dass meine Kinder mit einer Handvoll Spielzeugen auskommen sollen (natürlich aus Holz und nicht aus Plastik), aber es wäre wirklich schön, wenn ich nicht jedes Mal über all diesen ganzen Kram stolpern müsste. Ich komme noch nicht mal die Treppe rauf, ohne auf irgendetwas treten zu müssen. Es wäre verdammt super, wenn meine Küchentheke wenigstens ein Mal am Tag von den Bergen von nicht erkennbaren „Kunstprojekten“ befreit wäre. Alles Dinge, an die sich meine Kinder nicht mal mehr erinnern können! Es wäre wirklich fantastisch, wenn es mal keinen drastischen Wutanfall gäbe, wenn ich versuche, den Klamottenberg auf dem Sofa loszuwerden, auf dem sich schon der Staub tummelt.

Wir werden noch alle an diesem Scheiß ersticken!

Es liegt nicht nur an der unfassbaren Menge an Spielzeug, an der ganzen Kleidung, an all dem Papierkram, an Kunstprojekten, an Buntstiften, an gemalten Bildern, an Spielkarten und an anderem „Zeug“, welches sich vor meinen Augen stündlich zu vermehren scheint, NEIN….Es liegt auch an der Tatsache, dass sich hier anscheinend niemand einen Scheiß darum kümmert, mal die eigenen Sachen wegzuräumen. Ist es wirklich so schwer, das BonBon Papier in Müll zu werfen? Einen Teller in die Spüle zu tragen oder – GOTT BEWAHRE – ihn gar in die Geschirrspülmaschine zu stellen? Ist es denn so verdammt schwierig, die Klamotten, die ihr gerade ausgezogen habt IN anstatt neben den Wäschekorb zu schmeißen?

Und dann die Schuhe. Ernsthaft, liebe Familie, wir müssen über die Schuhe sprechen. Warum türmen sich 25 Paar Schuhe vor der Haustür? Wir sind eine vierköpfige Familie. Vier. Das ist echt nicht nötig.

Das kann doch nicht nur ich sein, die das stört, oder?

Doch trotz meines emsigen Streben nach ein wenig mehr Minimalismus, sammeln sich hier weiterhin all diese Sachen an, solange, bis unser Haus irgendwann dem Räumungsverkauf von TK Maxx gleicht. All dieses Zeug – all diese unnötige Scheiße – macht mir Angst. Ja wirklich.

Ich brauche ernsthaft Hilfe. Liebe Großeltern, wie wäre es, wenn ihr meine Kinder zum Geburtstag in ein Museum schleppt, anstatt ihnen das neuste, angesagte Spielzeug zu kaufen, das am Ende im Keller zum Staubfänger verkommt. Und liebe Lehrer, vielleicht könnten wir E-Mails statt der Unmengen an Zetteln bekommen? Liebe andere Mütter, können wir uns bitte alle darauf einigen, dass wir diese sinnlosen und mit Plastik gefüllten Tütchen nach einer Geburtstagsfeier, endlich sein lassen?

Nun komme ich zu diesen drei anderen Menschen, mit denen ich ein Haus teile: Ich weiß, dass es schwer ist, sich von all dem Mist zu trennen. Glaubt mir, auch ich neige dazu, mich nicht von Dingen trennen zu können. ABER: Was ist, wenn eine Gruppe von Kindergartenfreunden zu Besuch kommt und sie gerne mit Duplos oder den alten Happy Meal Spielzeugen spielen möchten, die wir seit drei Jahren nicht mehr angefasst haben? Was, wenn hier jemand mal Hunger auf chinesisches Essen bekommt und ich eine Knoblauchpresse oder einen extra großen Wok brauche? Keiner wird irgendetwas davon JE wiederfinden!

Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir diese handschriftlichen Notizen von vor drei Jahren oder die 357 Matchbox-Autos gerade nicht brauchen. Es wird euch nicht umbringen, das Schokoladenpapier in den Müll zu werfen oder eure Tasse in die Spüle zu stellen. Eure Steinkollektion wird sich wunderbar mit all den anderen Felsen da draußen anfreunden, und die Mengen an Papierschnippsel werden viele, neue Freunde im Papiercontainer finden. Vertraut mir.

So wie es aussieht, ändert sich mein Motto gerade in folgendes Credo: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen! Ich bitte euch lediglich, öfter mal das Choas zu beseitigen. Wir müssen jetzt nicht jeden Teller einzeln abwaschen. Das wäre nicht nachhaltig. Aber wenn eine volle Geschirrspülmaschine nach Erlösung ruft, dann tun wir ihr bitte den Gefallen.

Vielleicht merkt meine Familie das Durcheinander überhaupt nicht. Vielleicht haben sie nur eine andere Toleranzgrenze für Unordnung. Vielleicht ziehe ich hier wirklich eine Herde von Wilden auf. Wer weiß? Was auch immer hier der Fall ist, etwas muss sich verändern. Wir müssen hier ausmisten, weil uns unser geistiges Wohlbefinden und das Genießen unseres schönen Zuhauses wichtiger sein sollte, als all das ganze Zeug …

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