Ein Gastbeitrag von Anne aus Köln

Lieber YouTuber,

Ich verbringe echt viel Zeit damit, meine Kinder zum Zuhören zu bringen. Sehr viel Zeit geht drauf, damit sie bitte aufpassen, wenn ich ihnen etwas sagen möchte. Weiterhin gebe ich mir unfassbar viel Mühe, damit sie die meine Aussagen auch wirklich aufnehmen, die (immer wieder) aus meinem Mund kommen. Leider verschwende ich die meiste Zeit nur meinen Atem – denn sie sind an meinen Richtlinien genauso interessiert, wie an einem Haufen Hundekot, der einsam und alleine auf dem Gehweg vor sich hin trocknet.

Warum sollten sie auch auf mich hören? Ich habe ihnen ja „nur“ das Leben geschenkt, hielt dem Zerreißen meiner heiligen Vagina stand und versorgte sie stets mit allem, was sie brauchten.

Du hingegen – übrigens ein völlig fremder Mensch im Internet – kannst mit nur einer Webcam und einer schrulligen, bescheuerten Überschrift die volle Aufmerksamkeit meiner Kinder erlangen. Ich verstehe das nicht. Sie schauen dir gerne dabei zu, wie du z.B. Slime aus Küchenabfällen herstellst, besonders dann, wenn du dabei zufällig eingeworfene Großbuchstaben verwendest und das Wort „Herausforderung“ irgendwo hineinwirfst, wie z.B: „OMG HErausForderung! ICH sTelLe sElBer ScHlEiM HER-CHALLENGE“! Oh, und natürlich sprichst du das alles extra laut aus, mit der gleichen Dringlichkeit und Dramatik, die du benutzen würdest, um so etwas wie „Das Haus brennt!“ oder „Autsch, ich habe mir das Bein gebrochen!“ zu sagen.

Quelle: YouTube
https://www.youtube.com/watch?v=JG9rL7OsDW8

 

Weißt du, was passiert ist, als ich in deinem Alter war, und zu einem Freund ging und ihn beim Spielen eines Videospiels antraf? Ich bin einfach wieder gegangen. Ende im Gelände. Warum? Weil es einfach langweilig war, deshalb. Niemand will dabei zusehen, wie jemand anderes alleine Spaß hat. Oh, es sei denn, es handelt sich dabei um meine Kinder, dann gucke ich ihnen gerne dabei zu. Das ist aber auch die einzige Ausnahme.

Dein Aufritt ist allein schon deswegen so beleidigend, weil du noch nicht mal etwas Unterhaltsames bringst. Wenn ich meine Kinder lassen würde, würden sie dir stundenlang bei allem zuhören, was du zu sagen hast… wirklich bei allem. Du könntest einen einstündigen Monolog über die Häkel-Deckchensammlung deiner Großmutter abhalten, und sie würden dir dabei zuhören. Aber wenn ich mal zwei Minuten mit ihnen reden möchte? Da werden direkt die Augen verdreht, sie fangen an zu zappeln und begeben sich schnellstmöglich auf die Suche nach einer Fluchtmöglichkeit.

Wir Eltern mögen deine seltsamen Darbietungskünste vielleicht nicht verstehen, aber wir respektieren sie – und deshalb schreibe ich diesen Brief an dich, bekloppten YouTuber im Namen aller Eltern, deren Kinder du auf mysteriöse Weise durch deine beschissenen Videos fesselst. Ich denke, wir sollten eine Allianz bilden. Du machst das doch wegen der Reichweite, oder? Je mehr, desto besser, stimmt´s?

Pass auf, eine Hand wäscht die andere, d.h. wir ermutigen unsere Kinder aktiv, deinen YouTube-Kanal zu abonnieren, wenn du Videos produzierst, die sie ermutigen, etwas von der Scheiße zu machen, mit denen wir sie ständig nerven. Du könntest sie um Beispiel mit Titeln wie „Verrückte Badezimmer Putz-Hacks“ und „Extremes Zähneputzen“, „Geschirrspül-Einräum-Challenge“ und „MEGA SEIFEN und Shampoo UNBOXING LIVE“ fesseln!

Oder du füllst einige Überraschungseier mit Dingen wie Gemüsesticks oder Zahnseide. Du könntest Bonuspunkte verteilen, wenn sie die Hose mal selber anziehen oder wenn sie sich mal ohne Gejammer die Haare kämmen lassen. Hm, wie hört sich das an?

Wie auch immer. Denk mal darüber nach, wie viele Klicks du bekommen würdest, wenn Eltern auf der ganzen Welt das sonst so gehasste Ansehen deiner Videos dulden würden (während wir so tun, als wären diese Videos immer noch total daneben, weil wir klug genug sind zu wissen, dass nichts, was Eltern wirklich cool finden auch wirklich cool ist). Das ist jetzt deine Chance, dieses magische YouTuber-Mojo für immer nutzen zu können – für dich, für uns und für die Millionen von Kindern, die so viel glücklicher sein werden, weil ihre Eltern nicht mehr so sehr mit ihnen meckern müssten. Du könntest so vielen Haushalten ein neues Maß an Frieden bringen und dabei trotzdem Geld verdienen.

Na, wie klingt diese neue Herausforderung für dich?

Mit freundlichen Grüßen,

Eltern auf der ganzen Welt

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