Ein Gastbeitrag von Lena aus Dortmund

Schon so oft in meinem Leben habe ich meine wahren Gefühle unterdrückt, NUR um andere Menschen nicht zu enttäuschen. Ich habe nicht auf mich gehört, aus Angst, Leute würden mir den Rücken zukehren. Darüber möchte ich heute sprechen…

Mein erster Freund aus der Oberstufe zum Beispiel, brachte mich dazu, zuzustimmen, dass er mit anderen Mädchen flirtete. Er hielt es für besser, mit diesen Damen Eis essen zu gehen, anstatt meine SMS zu beantworten. Er sagte dann immer, dass ich ihm vertrauen müsse und dass er doch nur mich liebt… Blaaaablaaablaaaa…

„Oh, es tut mir leid. Du hast Recht. Ich habe echt überreagiert „, antwortete ich meistens und war direkt bereit, um eine zweite Chance zu bitten, falls er drohte, mit mir Schluss zu machen.

Ich freundete mich während des Studiums mit einem Mädchen an, das mir nach einer festen Verabredung per FACEBOOK mitteilte, dass sie nicht mitkommen kann. Ich fühlte mich direkt schlecht, wahrscheinlich war ich einfach zu langweilig und bestimmt auch nicht HIPP genug, um mithalten zu können. Dieses Mädchen umgibt sich garantiert mit viel aufregenderen Mädels, als mit mir, da war ich mir sicher. 

„Du, es ist total in Ordnung, dass du nicht mitkommst. Du hast wahrscheinlich einen echt wichtigen Termin. Lass uns doch ein anderes Mal losziehen, okay?“ schrieb ich und hoffte, dass sie mich nicht fallen lassen würde.

Ich neigte dazu, alles und jeden zu entschuldigen. Ich dachte, es wäre eine wunderbare Gabe von mir – immer das Beste in anderen Menschen sehen zu können. Aber als ich dann Mutter wurde, war das Spiel vorbei. Ich wollte so nicht mehr weitermachen. Ich wollte nicht mehr nett sein, nur um es anderen Recht zu machen. Leute, die mich schlecht behandelten, würden fortan keine Rolle mehr in einem Leben spielen. Ich will nicht immer nur der Mülleimer für anderer Leute Probleme sein. Schluss. Aus. Ende. 

Du verstehst, woraus ich hinaus will…

Also, wie fühlt sich mein neues Lebensgefühl an, jetzt, wo ich selbst Mutter bin und meinen eigenen Wert kenne? Es ist immer noch schwierig für mich, ehrlich. Es ist schwierig, Freunde zu finden, die sich auch mal meinetwillen melden und nicht umgekehrt. Ich habe immer noch keine Attitude wie Heidi Klum oder eine von diesen gefühlt 30 Kardashian Frauen, aber ich sehe ein, dass es wichtig für meinen Sohn ist, eine Mama zu haben, die sich für ihn einsetzt! 

Herauszufinden, wie es sich anfühlt, wenn ich mich für mich selber gerade mache, war der erste Schritt, aber ich habe weitere enorme Fortschritte gemacht – und ermutige jetzt andere „sensible“ Mütter dazu, dasselbe zu tun. Gefühle zu haben, ist etwas ganz normales. Sich so zu verhalten, als ob man der Einzige ist, der Gefühle hat (und sich dann womöglich noch als Opfer hinzustellen) ist es nicht.

Die Kellnerin, die lachte, als sie versehentlich heiße Bolognese-Soße auf meinen Schoß verschüttete und dabei fast mein Neugeborenes verbrühte, kostete ihr Restaurant den Preis meines Essens und den Preis der Reinigung meines Pullovers. Ich zögerte nicht und sprach mit ihrem Chef, weil sie mein Kind in Gefahr brachte. Sie hätte nicht nur vorsichtiger sein sollen, sondern sie hätte sich wenigstens entschuldigen müssen! Stattdessen lachte sie mich quasi aus. Das war zu viel. 

Damals im Studium hatte ich noch nicht die Nerven, meinem Gynäkologen zu sagen, dass der männliche junge Arzt, der auch noch mit Untersuchungsraum stand, mich unbehaglich fühlen ließ. Jetzt aber übernahm ich die Verantwortung – auch wenn es nicht das war, was andere unbedingt gut fanden. Ich finde das gut und darum geht´s. 

Meine Mutter erzählte meinem Mann, dass sie es unmöglich fand, dass er bei unserem Sohn zuhause blieb, anstatt arbeiten zu gehen. SIE hätte so einen Mann NIE geheiratet. Ein Mann der Zuhause bleibt! Unmöglich! Nur ein paar Wochen später, fragte sie mich, ob sie nicht kurzweilig bei uns einziehen könne, solange, bis ihr Haus fertig saniert sei. Mit festem Blick sagte ich ihr, dass ich möchte, dass sie all unsere Entscheidungen, die wir als Eltern treffen, respektiert! Sie sagte nur: „Ist das dein Ernst? Du bist einfach zu empfindlich. Das war doch nur ein Spaß!“ 

Entschuldige BITTE?! Du lädst dich zu mir ein, willst hier sogar einziehen und das Einzige um das ich dich bitte, ist lediglich RESPEKT vor unseren Entscheidungen zu haben – und DU nennst mich empfindlich? Du bist erwachsen, du musst wissen, dass wir hier keine Spiele dulden. Du bist meine Mutter, verdammt! 

Und nein, du kannst nicht bei uns bleiben.

Meine Geschwister, Freunde und Schwiegereltern verhalten sich ständig so, als wäre ich diese schreckliche Person, mit der sie nicht reden sollten, weil ich ja alles immer „falsch verstehe“ – aber ich habe meinen „beschissenen-Leute-Filter“ vor langer Zeit schon eingeschaltet. Mein Gehirn wird ihre Kommentare nicht mehr in süße, mit Zucker gefüllte Wörter verwandeln, nur weil ich kein Selbstvertrauen habe. Ich schäme mich nicht länger für meine Gefühle. Nur weil sie sich die Freiheit rausnehmen, DAS zu sagen, was sie wollen, werde ich nicht so antworten, wie sie es sich wünschen. Sie müssen sich mit meiner Reaktion genauso auseinander setzen, wie ich mich mit ihrer … und folglich müssen sie sich eventuell selbst erklären oder gar entschuldigen, wenn sie einfach Mist reden. 

Es ist bedauerlich, dass es noch so viele Menschen gibt, die sich für andere Menschen entschuldigen, Ausreden suchen, um eine Situation zu ändern, oder sich selbst verändern, nur um anderen zu gefallen. Nun, ich habe das lange genug mitgemacht und so verwandle ich meine frühe Passivität in eine massive Kraft, auf die mein Sohn eines Tages stolz sein kann.   

Ja, ich bin immer noch sensibler als andere, aber so bin ich nunmal. Kein Mensch hat das Recht, seine Gefühle über meine zu stellen, nur weil sie glauben, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen. Niemand hat mehr Recht auf Meinungsäußerung als der Andere.

Es tut mir nicht leid. Ich bin nicht „zu empfindlich“, du bist nur einfach scheiße unhöflich.

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