Ein höchst amüsanter Gastartikel von Susanne aus Köln.

Wir alle müssen täglich kacken. Warum ist dieser „Vorgang“ unter der Geburt ein so überraschendes Ding?

Für mich war der Gedanke, auf einen Tisch kacken zu müssen, das mitunter Schrecklichste an der Geburt eines Babys. Nein, nicht die Tatsache, dass ich eine Melone durch ein Schlüsselloch drücken muss, sondern die Tatsache, dass ich vor allen Leuten kacken muss, beunruhigte mich doch sehr.

Bei meiner ersten Geburt weiß ich bis heute nicht, ob ich gekackt habe, und ich will es auch nicht wissen.

Aber bei diesem Baby DAAAA weiß ich es definitiv. Ich beherbergte einen RIESEN Knödel in meinem Darm – und ich werde dir gleich sagen, woher ich das weiß.

Nun, ich erzähle diese Geschichte nicht, weil ich absichtlich andere Frauen verunsichern will  oder weil ich euch super „lustige“ Details über meinen Stuhlgang mitteilen möchte, sondern weil es eben ganz normal ist, dich allerdings keiner vorher vorwarnt.

Hebammen berichten immer wieder, dass es sehr oft vorkommt und dass man sich als Gebärende bitte nicht schämen soll, weil es eine Frau, wenn es ihr peinlich ist, von ihrer Arbeit abhalten kann. Im Nachhinein erscheint mir meine Scham auch total lächerlich, weil man unter der Geburt so ziemlich alles an Körperflüssigkeiten verliert, warum dann Sorge vor einer oder na gut, zahlreichen, Würsten?

Eine Hebamme berichtete mir neulich: „Jaaa, das passiert oft, das kennen wir. Wir werden oft von werdenden Müttern gefragt, was denn passiert, wenn sie mal „müssen! Für sie ist es extrem peinlich und sie wundern sich, warum wir Hebammen sie dann erst recht ermutigen weiterzumachen, wenn es „dazu“ kommt. Wir wiederholen immer wieder, dass genau dieser Drang eigentlich bedeutet, dass es voran geht und die Geburt Fortschritte macht. Die Hebammen sind normalerweise ziemlich flink und wischen alles weg, bevor die Frauen es selber überhaupt merken.“

Mann, ich wünschte, ich hätte das gewusst, bevor ich das getan habe, was ich bei meinem zweiten Kind getan habe – denn jetzt habe ich die lächerlichste Kackgeschichte der Welt in meinem Erinnerungsrepertoire, eine Geschichte,  die man leicht hätte vermeiden können.

Ok, also lass mich anfangen….

Ich fange damit an, dass ich die letzten drei Tage vor meiner Geburt nicht ka…. konnte. Ich habe alles versucht, aber ich konnte nicht.

Ich habe deswegen alles versucht, weil ich wusste, dass ich bald eingeleitet werde und ich wollte um jeden Preis vermeiden, dass ich unter der Geburt auf den Tisch ka…. muss. Ich saß stundenlang im Badezimmer, aß alle erdenklichen „Stuhlgang fördernden Lebensmittel“ und versuchte mit all meinen Kräften, den Darm zu entleeren… aber nichts passierte. Ich gebe der Angst vor der Geburt und dem Stress der Risikoschwangerschaft die Schuld an der Misere, aber verdammt nochmal, mein Körper wollte anscheinend nichts „damit“ zu tun haben.

Ich spule mal vor zum Tag der Einleitung.. Ich entschied mich für eine magische Epiduralanästhesie, die die Geburt tatsächlich erträglicher macht, wenn man das Gefangensein im Bett mal Außen vor lässt.

Nun, man bekommt manchmal nicht alle Details bei einer Epiduralanästhesie gesagt, sie sagen dir Z.B. dass man nicht zum Pinkeln aufstehen darf, aber sie sagen dir nicht, dass man zum Ka…. auch nicht aufstehen darf.

Nach 10 Stunden „Wehen“ (und ich benutze „“ weil ich die Wehen ja nicht richtig spüren konnte), fing es an, ich spürte einen enormen „Druck dort unten.“ Ich hatte die Schwestern vorher noch gefragt, woher ich denn wüsste, dass es Zeit zum Pressen ist, wenn ich doch nichts fühlen konnte, und sie sagten nur: „Du wirst den Druck schon spüren. Verlass dich drauf.“

Alle 30 Sekunden spürte ich also „da unten“ Druck, aber ich fühlte noch etwas anderes….PANIK!

Meine schlimmste Angst wurde wahr, aber es war so viel schlimmer, als ich es mir jemals vorgestellt habe. Ich machte auf den Tisch, bevor ich überhaupt mit dem Pressen angefangen hatte. Ich war allein mit meinem Mann im Zimmer und ich entleerte bei jeder Kontraktion. Diese vorherigen verdammten drei Tage forderten ihr Tribut und meine schlimmste Angst wurde wahr.

Ich weiß nicht mehr genau, warum ich dachte, dass DAS, was ich da vorhatte eine gute Idee sein würde aber folgende Punkte lagen meiner Überlegung zugrunde:

1. Ich konnte nicht klar denken, weil ich erschöpft war und ein Baby bekam.

2. Ich wollte nicht, dass ES jemand mitbekommt, weil es mir peinlich war und das war wirklich meine schlimmste Angst.

3. Niemand hatte mir vorher erzählt, dass das alles ganz normal ist.

4. Es war Schichtwechsel bei den Hebammen, also wollte ich die Schicht der diensthabenden Hebamme nicht damit beenden, indem sie mir buchstäblich den Arsch abwischen musste. Sie war eine tolle Hebamme und ich wollte nicht, dass ihre Nacht mit einem beschissenen Ende endete. Ich wollte auch nicht, dass die neue Hebamme als erstes meinen Arsch abwischen muss. „Hi, schön dich kennenzulernen, bitte wisch mir den Arsch ab.“

Im Nachhinein ist das alles lächerlich, aber ich war wirklich so verlegen und verängstigt, dass ich damals das Lächerlichste getan habe – was man nur tun kann: Ich habe meinen Mann um Hilfe gebeten.

Mein Mann und ich haben ursprünglich beschlossen: „Was im Kreißsaal passiert, bleibt im Kreißsaal.“ Aber unsere Geschichte ist zu lustig, um sie euch vorzuenthalten und ich denke, sie wird anderen Menschen tatsächlich weiterhelfen.

Ich schickte meinen Ehemann also zum Badezimmer, um etwas Toilettenpapier zu holen, während ich damit beschäftigt war, alle heraus flutschenden Würste aufzufangen. Jede noch so kleine Wehe brachte weiteren Darminhalt ans Tageslicht und mein Mann rannte immer wieder ins Bad, um neues Klopapier zu holen.

Wirklich, stellt euch folgende Szene mal bildlich vor: Eine hoch schwangere Frau, die wie gefesselt auf einem Kreißsaalbett liegt kommandiert ihren Mann herum,  er solle möglichst schnell alles aufsammeln, und gefälligst neues Papier anschleppen, bevor die nächste Kontraktion erbarmungslos zuschlägt. Aufsammeln, neues Papier, runter spülen, aufsammeln, neues Papier…..

Die Erwähnung, dass dieses Erlebnis unsere Ehe auf eine andere Ebene gebracht hat, ist eine bodenlose Untertreibung, denn bis zu diesem Moment habe ich nicht einmal im selben Raum wie er gepinkelt.

Mittlerweile fühle ich eine Kombination aus Stolz und Schrecken, wir haben das Ding eben gemeinsam fast gemeistert. FAST. Denn plötzlich kam die Hebamme ins Zimmer und wir beide standen buchstäblich wie eingefroren da, mein Mann mit meinem Darminhalt in der Hand, ich in einer unmöglichen Verrenkung und sie starrte uns mit weit aufgerissenem Mund an.

„Ist alles in Ordnung?“ fragte die Hebamme uns besorgt und wusste sofort, dass etwas nicht stimmt.

Wir wurden kalt dabei erwischt, wie wir dabei waren, meine Würste in die Toilette zu schmuggeln. Also gab ich nach und erklärte die ganze Situation, zutiefst beschämt und verlegen über das, was ich getan hatte. Sie antwortete cool: „Warum hast du mich nicht einfach gerufen? Das sind tolle Neuigkeiten!“

Und sie hatte Recht: Natürlich war der Kopf des Babys schon mittig im Becken und mein Sohn kam bereits 15 Minuten später auf die Welt.

So, Mädels, anstatt mit eurem Ehemann dieses lächerliche Szenario nachstellen zu müssen, lass dir einfach gesagt sein, dass kacken unter der Geburt total normal ist und „Shit eben manchmal happens!“

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