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Hey Covid-19. Du hältst uns alle ganz schön auf Trapp. Seitdem du aufgetaucht bist, ist nichts mehr so, wie es mal war. Irgendwie hast du dich auf den Weg gemacht und du hast dich ziemlich schnell verbreitet. Im Moment scheinst du auch keinen Bock auf Rückzug zu haben, denn täglich erkranken tausende Menschen an den Auswirkungen, die du deinem Wirt gratis mitlieferst. Und HEY, das Ganze ist verdammt schlimm, denn wir haben viele Menschen unter uns, die sind dir ziemlich schutzlos ausgeliefert. Du infizierst hier reihenweise Großeltern, Väter, Mütter und auch Kinder. Insbesondere die Immunschwachen und die Menschen, die gewisse Vorerkrankungen haben, leiden unter dir. Sie sterben uns unter den Finger weg, die Krankenhäuser sind an ihrer Belastungsgrenze und teilweise können Menschen nicht im Krankenhaus behandelt werden, weil schlichtweg zu wenig Intensivstationsbetten vorhanden sind. Wir wissen noch zu wenig von dir, du bist wie ein Phantom. Aber du bist da und du hast uns voll im Griff. Uns geselligen Menschen hast du eine physische Distanz beschert. Umarmungen, Küsschen, ein warmer Händedruck, das ist dank dir vorbei, vielleicht sogar für eine lange Zeit. Mit im Gepäck hattest du Angst, die du uns on Top dazu schenkst. Angst ist kein schöner Begleiter und seitdem du da bist, haben viele Menschen Angst. Angst um ihre Liebsten, Angst vor dir und Angst vor der Zukunft. Seitdem du da bist, können viele Menschen nicht mehr arbeiten gehen. Wahrscheinlich ist dir das alles ziemlich egal. Du bist eben nur ein Virus, der einen Wirt braucht. Du kannst ohne uns nicht leben, wir ohne dich allerdings sehr wohl.

Wir wünschen uns sehr, dass du wieder gehst. Keiner kann nämlich abschätzen, was mit uns allen passiert, wenn du es dir auf der Welt gemütlich machst. Wir wollen versuchen, dich in unsere Geschichtsbücher aufzunehmen, wenn dir das hilft. Irgendwann musst du es nämlich mit einem fiesen Impfstoff aufnehmen und dann kannst du uns nichts mehr anhaben. Weißt du, Covid-19, vielleicht hilft es dir ja, wenn ich dir erzähle, dass nicht alles an der Zeit mit dir negativ war. Der Mensch soll immer auch die positiven Aspekte hervorheben und auch wenn es schwer fällt: Du hast uns positive Aspekte beschert.

Schau, du machst keinen Halt vor Religionen, Hautfarben, sexueller Orientierung und das merken die Menschen, die sonst noch sehr eingeschränkt denken auch: Wir sitzen alle in einem Boot. Plötzlich keimt die Nachbarschaftshilfe auf, plötzlich ist ein gewisses Miteinander und Füreinander ganz alltäglich und ja, das ist tatsächlich dein Verdienst. In den sonst so anonymen Großstädten kriegen Hausnummern plötzlich Gesichter dazu. Da wird dem betagten Onkel Franz ein Wasserkasten vom sonst so distanzierten Akademiker Sohn mitgebracht. Und du hast in deinem Siegeszug eine große Sensibilität für Berufe und deren Wichtigkeit erschaffen: Menschen applaudieren auf ihren Balkonen für alle die, die nicht Zuhause bleiben und dich meiden können. Endlich werden Berufe im Außen viel mehr wertgeschätzt. Auch das ist positiv.

Weißt du, Covid-19, wir Menschen sind sehr kreativ und du hast uns in dieser Hinsicht sehr beflügelt. Wir haben uns durch dich eben nicht eingeigelt, nein, wir sind auf neue Ideen gekommen. Konzerte werden aus dem Wohnzimmer des jeweiligen Künstler live in unsere Wohnzimmer übertragen. Menschen schließen sich in Onlinegruppen zusammen und gemeinsam wird dem Hobby nachgekommen, jeder für sich in seinem Zuhause. Du hast uns gelehrt, dass ein Telefonat viel Wärme transportieren kann und du hast uns auch nochmal daran erinnert, wie wichtig es ist, unsere lieben Verwandten einfach mal anzurufen. Apropos Kreativität: Vor dir hätte ich im Leben nicht geglaubt, dass KIRCHEN ihren Gottesdienst online und live übertragen. Diese Möglichkeiten werden lange nach hallen, denn stelle dir mal vor, wie wunderbar dies ist: In Zukunft können Menschen, die an Gott glauben und dem Pastor lauschen wollen aber ans Bett gefesselt sind, trotzdem zuhören, wenn die Gemeinde sich trifft. Du siehst, Covid-19: Du kannst uns nicht die Würde nehmen, Covid-19, das schaffst du nicht. Du wirst unsere Möglichkeiten nach menschlicher Nähe höchstens verändern, gänzlich nehmen wirst du uns das Bedürfnis allerdings nie.

Was mich angeht, so möchte ich dir sagen, dass ich heute erneut mit meiner Tochter im Park war. Im Schlepptau war meine Mama, Rubys Oma. Weißt du Covid-19, das habe ich vor dir viel zu selten gemacht. Mir fehlte die Zeit und ich war oft gehetzt. Du hast ich gewissermaßen entschleunigt. Ich musste merken, dass ich oft gar nicht in meiner Mitte war. Wie oft habe ich meiner Tochter nur mit halbem Ohr zugehört. Ja Covid-19, das gebe ich hiermit zu. In diesen Tagen liege ich mit Ruby sehr häufig und ohne Zeitdruck auf dem Sofa und gemeinsam sagen wir uns, wir sehr wir einander lieb haben. Nicht, dass ich das sonst nicht getan habe aber es ist tatsächlich viel intensiver. Denn eines hast du uns mit Sicherheit beschert: Du hast uns gezeigt, dass Liebe wichtiger ist als alles andere. Fürsorge, Umarmungen und Nähe – Du kannst den geilsten Job der Welt, das dickste Portemonnaie des Universums, die teuersten Klamotten, die schönsten Schuhe, das größte Auto, haben, DAS alles verblasst, denn wir wissen dank dir erneut, dass ohne die Liebe eben nichts geht.

Und dafür, NUR dafür möchte ich mich bei dir bedanken, du Bastard. Ich denke, es wird Zeit, sich zu verpissen. Such dir gerne einen anderen Planeten und versuch dein Glück doch da.

Steffi

 

 

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