Ein Gastartikel von Nadine aus Aachen

Mamas haben nie Feierabend.

Dieser Spruch ist bestimmt genauso alt wie du aber ich kann mir vorstellen, dass du jetzt mit dem Kopf nickst. Es ist total egal, in welcher Phase du dich gerade befindest: Vielleicht bist du eine frischgebackene Mama, die quasi nonstop mit dem Stillen beschäftigt bist oder vielleicht bist du auch schon eine Profi-Mama, deren Teenager das Diskutieren für sich entdeckt haben, du weißt jedenfalls, was es heißt, total erschöpft zu sein. Ich meine, wer von uns ist während des Pinkelns noch nicht für eine halbe Sekunde lang eingenickt, weil man so erbärmlich müde war?

Laut neusten Studien entspricht der Alltag von Müttern zweieinhalb Vollzeitstellen  – Das sind dann genau 98 Arbeitsstunden pro Woche, um genau zu sein. Kein Wunder also, dass wir so müde sind. Und auch wenn sich 98 Stunden total viel anhören, wenn wir darüber nachdenken, ist es nicht wirklich überraschend. Wie oft hast du zu deiner Freundin gesagt, dass dein Tag locker acht Stunden länger sein müsste, damit du alles schaffst? Wie oft hast du dich am Ende eines unglaublich arbeitsreichen Tages in deinem verwüsteten Haus umgesehen und dich gefragt, wie zum Teufel es zu einem derartigen Chaos kommen konnte und es so aussieht, als ob absolut nichts erledigt worden wäre?

Es spielt übrigens keine Rolle, ob du Hausfrau bist oder von zu Hause aus arbeitest oder ob du woanders arbeitest – Jeder kennt diese Gedanken. Du kennst diese Müdigkeit. Ich hatte das Glück, die Erschöpfung in verschiedenen Inkarnationen erleben zu dürfen: Als ich mit meinem Erstgeborenen zu Hause blieb und nicht arbeiten gegangen bin war ich so erschöpft, dass ich kurz davor stand, zu halluzinieren und quasi nonstop heulte, weil ich keine Zeit mehr für mich hatte. Das war die Zeit, in der ich und unser Kaffee eine heiße Affäre eingingen.

Ein Jahr später kehrte ich zur Arbeit zurück und brachte meine wilde 2-Jährige in die Kita, weil ich dachte, dass etwas Ablenkung in der 24-Stunden-Betreuung mich irgendwie ausgeruhter fühlen lassen würde (Hahahahahaha) Jede Mama, die wieder zur Arbeit gegangen ist, weiß, dass man die eine Müdigkeit nur gegen eine andere Müdigkeit eintauscht.

Mittlerweile sind meine Kinder älter ich arbeite nur noch von Zuhause aus. Die Kompromisse, die damit hier einzogen sind, sind allerdings nicht weniger anstrengend. Sich die Arbeit selbst einteilen zu können, bedeutet, dass ich manchmal zu unmöglichen Zeiten arbeite bzw. arbeiten muss. Kleine Kinder = kleine Probleme und größere Kinder bedeuten leider auch größere Probleme. Ich muss nachts nicht mehr alle zwei Stunden aufstehen, um ein hungriges Kind zu füttern aber ich liege dennoch oft wach und mache mir Sorgen um meinen mittlerweile 11-jährigen Sohn, um seine Noten, um sein soziales Leben, um sein Selbstwertgefühl, um seine Zukunft…. Vor allem weiß ich, dass ich ihn scheitern lassen und selbstständig lernen lassen MUSS, weil er jetzt in dem Alter ist – Die Kontrolle abzugeben ist ziemlich unerträglich, das ist eine völlig neue Art von Erschöpfung, die mein Herz regelmäßig schwer werden lässt. Ich kann mir gut vorstellen, dass das die nächsten Jahre nicht unbedingt leichter wird.

Bei allen Sorgen und Ängsten muss ich gestehen, dass ich immer einen Partner an meiner Seite hatte und Gott sei Dank noch nie alleinerziehend war. DAS sind für mich die wahren Heldinnen! Wir sollten diesen Frauen viel öfter unsere Hilfe anbieten. Holt sie in euer Dorf. Wechselt euch mit der Kinderbetreuung am Nachmittag ab und lasst uns Mitfahrgelegenheiten anbieten. Wenn wir schon nörgeln, obwohl wir einen Partner an der Seite haben, wie krass muss es sein, all das alleine bewältigen zu müssen?

Mütter haben unfassbar viele Dinge zu tun und die meisten Aufgaben sind für den Rest der Familie quasi unsichtbar. Alle administrativen Aufgaben liegen meist auf ihren Schultern. In einer stereotypen heterosexuellen Elterndynamik ist die Frau fast immer für die Arzt/Zahnarzt/Kieferorthopäden/Augentermine, Impfungen, Elternabende, Mittagessen, Hausaufgabenkontrollen, Einkäufe und Essensplanungen, Geburtstagsfeiern, einschließlich der Besorgung des Geschenke, und so weiter und so fort, zuständig… Ich könnte diese Aufzählung noch endlos erweitern. Mein Mann weiß viel, aber wenn ich ein Glücksspieler wäre, könnte ich einen Haufen Geld gewinnen, indem ich darauf wette, dass er den Namen und die Telefonnummer und sogar die Adresse unseres Kinderarztes immer noch nicht kennt.

Und allzu oft tun Väter, die bereit und willens sind, ihre Frau zu unterstützen, dies auf eine Art und Weise, die einfach für noch mehr emotionalen Müll sorgt: „Schatz, hör zu, es gibt keinen Grund, so gestresst zu sein – sag mir einfach, was ich tun soll, und ich werde es tun!“ Nein. Nein. Nein, Kumpel, so läuft das nicht. Zwinge mich ja nicht dazu, dich um Hilfe  bitten zu müssen. Es ist genau so, wie bei deinem Job, den du ja scheinbar so gut machst: Bewerte die Situation und dann bestimmst du bitte selber, was als nächstes getan werden muss, und dann TUST DU ES EINFACH. Du bist genauso in der Lage wie ich, sehen zu können, was gerade zu tun ist und entsprechend zu reagieren. Stelle dein eigenes Licht bitte also nicht unter den Scheffel, indem du so tust, als wüsstest du nicht, was hier alles so zu erledigen ist. Wir alle wissen, dass du das sehr wohl besser kannst.

Diese Dynamik, die entsteht, wenn Frauen zusätzlich noch ihre Männer beaufsichtigen müssen, ist nicht in Ordnung. Wir könnten nun unsere Fäuste in die Luft werfen um zu erfahren, wie sich Superhelden wohl fühlen aber genau das ist falsch.

Mütter sollten nicht so viel Verantwortung alleine tragen müssen. Nicht, wenn wir eh schon 98 verdammte Stunden pro Woche arbeiten müssen.

 

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