Ich treibe mich ja bekanntlich viel im Internet herum. Ich lese in vielen Gruppen mit und manchmal kommentiere ich auch das ein oder andere Thema. Ich lese bestimmt jede Woche mindestens zwei Beiträge, wo es um die Männer und deren gelebte Vaterpflichten geht. Immer wieder höre ich Frauen fragen, ob denn die Männer im Haushalt mithelfen oder sich auch mal ums Kind kümmern.

Häufig kommen dann Diskussionen zustande und nicht selten sagen die Frauen dann: „Was? Dein Mann wechselt Windeln?“ Oder: „Ich möchte so gerne mal wieder zum Friseur gehen aber ich kann meinen Mann nicht mit den Kindern alleine lassen!“

Tja, und da ich selber Mama eines Kindes und Ehefrau bin, sah ich mich veranlasst, diese Zeilen zu schreiben.

Seit wann ist die Betreuung eines Babys/Kinder eigentlich ausschließlich Sache der Mutter? Nur, weil ihr jetzt ein Baby habt, bedeutet das nicht, dass dein Körper plötzlich mit weniger als einer Stunde Schlaf auskommen kann. Mein Mann war maßgeblich an der Erschaffung  dieses bedürftigen Miniaturmenschen beteiligt, also ist es doch wohl klar, dass er sich genauso um ihn kümmern wird. Glücklicherweise ist er noch rechtzeitig zur Geburt gekommen (Ja, es ging schnell) und somit wurde er direkt mit eingebunden.

Hier kommen also unsere Tipps, die wir jetzt fünf Jahre lang auf Herz und Nieren testen konnten. Hat geklappt!

1. Es ist ein GEMEINSAMES Projekt 
Eigentlich hatten wir überhaupt keinen Plan, wie wir unser Kind erziehen wollen. Ich habe ganze neun Monate lang durch Pinterest gescrollt und dachte, mein perfektes kleines Mini-Ich würde direkt nach der Geburt in dem frisch dekorierten, aber denkbar unpraktischen Zimmer liegen und ins Traumland dösen, sobald Stefan und ich über ihm standen und es liebevoll anlächelten. (Hahahahahahaha!!!)

Irgendwie schafften wir es innerhalb kürzester Zeit BEIDE in einen nahezu schlaflosen Groove zu verfallen, ohne das wir darüber sprechen mussten. Ich habe abgepumpt, er hat sie gefüttert. Ich habe mich umgezogen, er hat den Windeleimer entleert. Ich habe sie gebadet, er hat derweil das Entenhandtuch mit Kapuze erwärmt. Ich wusch Flaschen, er schaukelte sie und sang ihr etwas vor. Ich war erschöpft, also stand er auf und fütterte sie. Er wurde von oben bis unten angekotzt und ich rannte und holte Papierhandtücher.

Warum macht ihr alles alleine? Lasst euch doch bitte helfen, Mädels! Manchmal hilft eine ganz einfache Frage: „Kannst du das tun, während ich das tue?“ Ihr beide habt so viel mehr Ruhe und vor allem viel mehr Zeit, die ihr mit dem Baby verbringen könnt.

2. Es ist OK, sich eine Auszeit zu gönnen. 
Ich weiß es noch wie heute: Ich schloss mich im ersten Jahr nach Hannahs Geburt sehr gerne im Badezimmer ein, während Stefan mit ihr kuschelte. Das war meine Zeit. Ich daddelte auf Facebook herum und saß einfach nur da und genoss die Stille. Das muss doch wohl drin sein!

3. Hormone sind Arschlöcher! 
Tja, was soll ich sagen. Du kannst deinem Kerl nicht erklären, was in dir vorgeht, wenn er nach einer feierlich formulierten Bitte deinerseits nicht binnen 10 Sekunden Pudding für dich kocht, weil……ja, weil……Und schon geht der hysterische Anfall los. Warum? Ja, ach, ich weiß auch nicht…..UUHHHHHUUUUUUU…….Kennt ihr das? Da Hannah mein erstes Kind war und ist, wusste ich nicht, was mich postpartal so erwarten wird, abgesehen von dem, was ich bis dato gelesen hatte und was mir Freundinnen erzählt hatten.

Ich unterschätzte die Macht dieser bösartigen Teufel, und mein armer Mann geriet leider allzu oft ins Kreuzfeuer. Nach einigen emotionalen Totalausfällen meinerseits, weil er mal wieder etwas falsch gemacht hatte, entschuldigte ich mich schließlich und erklärte ihm, dass meine Hormone mich verrückt machten. Er konnte es wahrscheinlich nicht wirklich verstehen aber er gab sich Mühe. Einer muss in diesen Momenten einen kühlen Kopf bewahren und das Baby am Leben erhalten, und je besser er vorbereitet ist, desto weniger schockierend wird es für ihn sein, wenn man mal wieder komplett ausrastet.

4. Gegenseitige Wertschätzung.
Nehmt euch die Zeit um auch mal „Danke“ zu sagen. Mit einem Neugeborenen im Haus sind alle Beteiligten erschöpft. Einer ist immer mit Babykotze beträufelt und einer hat immer weniger geschlafen, als der andere. Sich gegenseitig zu sagen, dass man dankbar ist, dient als Erinnerung daran, dass man im selben Team mit dem gleichen Ziel ist.

5. Es gibt keine „seine“ und „deine“ Pflichten.
Wir haben uns bewusst keine Erziehungsaufgaben zugewiesen, wenn es um unsere Tochter geht. Vielleicht funktioniert das bei anderen Leuten nicht, aber wir gehen die Dinge nach Bedarf an. Wir wechselten beide gleich viele Windeln und wuschen beide absurde Mengen von dreckiger Wäsche. Wenn etwas getan werden muss, tut es derjenige, der nicht damit beschäftigt ist, etwas anderes zu tun. Sooooo einfach ist das. Ich denke, das war der Schlüssel zum Erhalt des Friedens in unserem Haus, denn das hat verhindert, dass wir uns beide überfordert gefühlt haben.

6. Ihr müsst geschlossen nach außen auftreten. 
Wir haben uns gegenseitig zu 100 Prozent den Rücken gestärkt. Das Stillen hat nicht funktioniert. Drei Wochen lang habe ich ein ewig heulendes Baby angelegt, abgepumpt und angelegt und abgepumpt……. Wenn jemand uns gefragt hat, warum ich nicht stille, hat Stefan mir den Rücken gestärkt, indem er freudestrahlend erzählt hat, dass er Hannah ja nun auch füttern kann und wie schön sie nachts schon schläft. Herrlich!

Wir stehen eben hinter jeder Entscheidung des anderen. Wir sind auf derselben Seite, auch wenn wir es vielleicht nicht sind. Selbst wenn er mit einer Entscheidung, die ich getroffen  habe, nicht einverstanden ist, so besprechen wir sie IMMER NUR unter vier Augen. Meinungen sind wie Arschlöcher: Jeder hat eins. Wenn es um Urteile und Ratschläge anderer Leute geht, so vertreten wir stets die gleiche Ansicht, einfach um die Negativität zu bekämpfen, die sich einzuschleichen droht, wenn man nicht genau so erzieht, wie jemand anderes denkt, dass man es tun sollte.

Ich bin mir nicht sicher, woher die Idee kommt, dass Frauen zu 100 Prozent für die Betreuung eines Neugeborenen verantwortlich sein sollen. WOHER???? Vielleicht fühlen wir uns schuldig, weil unser geliebter Mitmensch noch früher aufwachen und einen ganzen Tag im Büro verbringen muss, also übernehmen wir direkt alle nächtlichen Aufgaben, obwohl wir gleichzeitig aufstehen müssen, um unseren Alltag mit dem Baby zu wuppen.

Vielleicht fühlen wir uns verpflichtet, unserer besseren Hälfte nach einem langen Arbeitstag etwas Zeit zum Entspannen gönnen zu müssen, auch wenn wir selber uns keinen Moment nur für uns selbst gegönnt haben. Nur weil Frauen nach der Geburt eines Babys eine kleine Auszeit von der Arbeit haben, bedeutet das nicht, dass unser Körper und unsere Emotionen weniger einen Hindernisparcours durchlaufen müssen.

Wir Mamas müssen unbedingt auf uns selbst aufpassen, sowohl körperlich als auch emotional, damit wir überhaupt eine gute Mama sein können. Wenn das bedeutet, dass ich am Samstag ausschlafen kann, während mein Mann ein paar Stunden früher mit der Kleinen aufsteht, so werde ich das auch weiterhin ohne das geringste Schuldgefühl tun.

Es verstand sich von selbst, dass wenn mein Mann durch die Tür kam und über seinen stressigen Arbeitstag grummelte, ich ihn begrüßte und ihm sofort seine Tochter in die Hand drückte. Sie strahlte und gluckste fröhlich vor sich hin. Papazeit. Wir beide haben diesen erstaunlichen kleinen Menschen erschaffen, und wir sind beide dafür verantwortlich, uns um iher Bedürfnisse zu kümmern – und um unsere Bedürfnisse.

Stefan, you nailed it! Thank you!

 

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