9Ein Gastbeitrag von Iris aus Leichlingen.

Erstes Kind

An die erste Geburtstagsfeier deines ersten Kindes denkst du AB dem Moment, an dem du dein Neugeborenes das erste Mal auf deinem Bauch liegen hast. Ja, das wird die Art von Party sein, über die die besten Lifestyle-Magazine gerne berichten würden. Du verbringst die ersten sechs Lebensmonate deines Babys mit der Recherche nach passenden Stuhlbezügen und Tischdecken und lässt diese zusammen mit farblich passenden Wimpelketten- und Servietten aus Übersee liefern. Bevor du Mutter wurdest, wusstest du nicht mal, was eine Wimpelkette ist.

Du lässt professionelle Fotos von deinem Baby machen und gestaltest daraus die Einladungskarten, die alle von Hand zugestellt werden, und wenn sie geöffnet werden, flattern lebende Schmetterlinge aus dem Umschlag. Du lädst die gesamte Familie, alle Mütter aus dem Geburtsvorbereitungskurs, die Kollegen deines Mannes, den Arzt, der das Baby auf die Welt geholt hat, sowie ein halbes Dutzend Hebammen und deine Stillberaterin ein.

Drei Monate vor dem großen Tag, fängst du damit an, nach Cateringfirmen zu suchen, die Servierplatten mit kleinen Gläsern voll Brei liefern können. Dein Mann hilft dir, indem er dir seine Kreditkarte übergibt und indem er vorschlägt, dass ihr doch Muffins mit dem Gesicht des Babys aus Glasur verzieren lassen könntet. Du findest das brillant. Nicht, dass das Baby etwas mit Zucker drin haben darf, aber für die Gäste ist das doch eine tolle Idee.

Am Geburtstag selber hast du dann eine große Hüpfburg im Garten aufstellen lassen, obwohl das Baby eigentlich noch viel zu klein dafür ist und du es sowieso nicht wagen würdest, es dort alleine spielen zu lassen. Du dekorierst das Haus mit zweihundert Heliumballons, und sobald ein Gast auftaucht, verbringst du locker die Hälfte der Party damit, dein völlig aufgelöstes und weinendes Baby zu trösten. Dein Spatz erhält dutzende von sehr teuren, unpraktischen Geschenken und das einzige, womit es spielen will, ist ein zerknitterter Ball aus Geschenkpapier. Während andächtige Reden gehalten werden, schläft das Kind.

Nach der Party stellst du dann fest, dass die Party so viel kostet hat, wie euer neues Auto.

Zweites Kind

Bei deinem zweiten Kind bist du wild entschlossen, dich diesmal nicht so zu verschulden, und so planst du stattdessen eine unauffällige, reine Familienveranstaltung für den ersten Geburtstag. Dann fällt dir plötzlich ein, dass du ja noch ein Kleinkind hast, das nicht begeistert sein wird von der „kostengünstigen Party-Variante“ und welches außerdem noch viel mehr von der Party begeistert ist, als du es bist.

Du findest, dass so eine Party eine gute Gelegenheit ist, um dem Kleinkind etwas beibringen zu können und so bekommst du das Kind dazu, alle Dekorationen selbst herzustellen und obwohl diese im Wesentlichen aus schief ausgeschnittenen Schnipseln bestehen, die mit Kleber und Glitzer bedeckt sind, bist du ziemlich stolz drauf. Du entscheidest, dass du diesmal selber Fotos machst und spätestens als du die Einladungen ausdrucken lässt, stellst du fest, dass es kein einziges Foto des Geburtstagskindes gibt, da das Kleinkind sie alle „GE-FOTO-BOMBT“ hat.

Zwei Wochen vor dem großen Tag stellst du eine Speisekarte mit überwiegend kleinkinderfreundlichem Essen zusammen und bittest alle Angehörigen, einen Teller mitzubringen. Dein Mann hilft dir, indem er dir 50 Euro auf den Tisch legt und dich daran erinnert, dass ihr das letzte Mal eine Woche lang Partyreste essen musstet, weil es viel zu viel gab.

Am Tag des Geburtstages bestellst du die Hüpfburg nochmal und obwohl das zweite Baby wieder viel zu klein ist, weißt du, dass es diesmal die richtige Entscheidung war. Jeder der Anwesenden weiß nämlich, wie wichtig es ist, das Kleinkind bei Laune zu halten, damit es die Party nicht ruiniert. Du dekorierst dein Haus mit einem Dutzend Heliumballons, und selbst wenn die Hälfte davon platzt, macht es dem Baby nichts aus. Dank ihres älteren Bruders hat sie gelernt, alle Arten von Lärm gekonnt tolerieren und ignorieren zu können. Du stellst fest, dass das Kleinkind ebenso so viele Geschenke bekommt wie das Baby, aber zum Glück ist dieses Baby nur am Essen interessiert, und solange es einen permanenten Vorrat an Geburtstagskuchen vor sich stehen hat, ist sie glücklich. Scheiß auf den Zucker, hauptsache es weint nicht. Es werden keine Reden gehalten.

Nach der Party kannst du dich vor lauter Müdigkeit leider an nichts mehr erinnern.

Drittes Kind

Diesmal entscheidest du dich schon sehr früh, dass du dich diesmal nicht um den ersten Geburtstag kümmern wirst, weil das Baby sich sowieso nicht daran erinnern wird. Die älteren Kinder sind unerbittlich und wollen unbedingt eine Party feiern, also gibst du nach und planst eine kleine Feier nur mit den nächsten Angehörigen. Dann wird dir plötzlich bewusst, dass deine Älteste die Hälfte ihrer Vorschulklasse eingeladen hat.

Das Haus ist bereits dank all der gemalten Bilder aus der Kita fertig dekoriert und funkelt dank der freundlicher Genehmigung der älteren Kinder feierlich und du lädst die Gäste am Vortag per WhatsApp zu euch ein. Ihr Mann hilft dir, indem er auf die drei Kinder aufpasst, damit du dich schnell duschen und für die Party anziehen kannst. Fünf Minuten müssen reichen.

Deine Familie und alle Freunde sind inzwischen mit Kindergeburtstagen bestens vertraut, und jeder bringt etwas zu essen mit. Du selber hast dich nur um Bier und Sekt gekümmert.

Mittlerweile habt ihr eine eigene Mini-Hüpfburg, eine Schaukel und Trampolin im Garten stehen. Du hast einen Laufstall für das Baby aufgestellt, damit es nicht von den älteren Kindern überrannt wird. Am Morgen der Party bläst du ein paar Luftballons auf, allerdings bist du so damit beschäftigt, die beiden älteren am Kämpfen zu hindern, dass das Geburtstagskind noch im Pyjama ist, als die Party beginnt. Sie ist es ja gewohnt. Niemand weiß, was man dem dritten Kind kaufen soll – Sie besitzt bereits jedes der Menschheit bekannte Spielzeug – und du bist insgeheim wirklich froh, dass sie nicht so viele Geschenke bekommt.

Danach merkst du, dass du die Geburtstage der Kinder verwechselt hat, und das du die Party tatsächlich am falschen Tag gefeiert hast.

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