Ein Gastbeitrag von Chrissy aus Hannover.

Wisst ihr, bevor ich Mama wurde, habe ich viele Dinge getan, die ich jetzt, wo ich drei Kinder habe, nicht mehr tue.

Ich alte Nachteule blieb oft laaaaaange wach, weil ich am nächsten Morgen einfach ausschlafen konnte und komplett erfrischt gegen Mittag das Bett verließ.

Diese Zeiten sind endgültig vorbei. *TieferSeufzer* Eine neu entdeckte Stressquelle in meinem Leben ist es, früh genug ins Bett zu gehen – denn die Kinder wachen immer zur gleichen Zeit auf, egal was wir am Tag erlebt haben. Mein bester Freund heißt Kaffee. Viel Kaffee.

Als ich noch keine Kinder hatte, habe ich in meinem völlig ausgeruhten und gut gemeinten Zustand auch genau den Ratschlag gegeben, der mich jetzt zum Lachen, Weinen und Erschrecken gleichzeitig bringt: „Schlaf doch einfach, wenn das Baby schläft.“

Und dann bekam ich ein Baby.

Um Himmels Willen, was für ein dämlicher Spruch das doch ist.

Zu meiner Verteidigung und zur Verteidigung aller da draußen, die das immer noch sagen:  Als Laie nimmt man an, dass man als junge Mutter eben genug Schlaf und Ruhe braucht und sie nutzen sollte, wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet.

Leider erfuhr ich dann sehr schnell das die Zeit „wenn das Baby schläft“ die einzige Zeit am Tag ist, die NUR mir gehört – und manchmal möchte ich einfach nicht schlafen.

Ich liebe es, Mama zu sein. Ich liebe meine Kinder von ganzem Herzen ABER ich bin auch ein Mensch mit Bedürfnissen und Wünschen, die offen gesagt nicht unbedingt gesehen werden, wenn meine Kinder wach sind.

Daran arbeite ich jetzt. Ich bin der festen Überzeugung, dass Selbstfürsorge und Achtsamkeit in unser tägliches Leben eingewoben werden sollte und selbige wird eben nicht nur durch ein entspannendes Schaumbad oder ein Glas Wein erreicht. Es ist so: Mit kleinen Kindern, die sich in fast allem komplett auf mich verlassen, scheine ich auf meiner eigenen Prioritätenliste immer wieder ganz nach unten zu rutschen.

Nur nicht, wenn sie schlafen, denn diese Zeit gehört NUR mir ganz allein.

Ich glaube, der schwierigste Teil des Mamaseins war für mich der Verlust von Kontrolle. Der Teil mit der unkontrollierbaren und bedingungslosen Liebe ist großartig, aber der Mangel an Kontrolle, den ich täglich erlebe, DER kann ziemlich überwältigend sein.

Ich versuche, meine Tage gut zu planen, aber es ist erstaunlich, wie schnell Fieber, ein Wutanfall, ein Regentief oder das berüchtigte Fieber-Wutanfall-Regentief-Trio alles aus der Bahn werfen kann. Und wenn das Leben aus dem Ruder läuft, ist es meine Aufgabe als Mama, den Kurs zu ändern – und dabei gefälligst geschnittenes Obst anzubieten. Und Hirsekringel.

Es gibt Tage, an denen es sich so anfühlt, als würde ich in diesem neuen wunderbaren Chaos, den Kontakt zu mir selbst verlieren. Ich brauche einfach kleine Auszeiten, um mich  vergewissern zu können, dass es mir auch gut geht.

Für mich ist das DANN soweit, wenn meine Kinder schlafen.

Manchmal ist genau das, was ich in diesem kurzen Zeitfenster brauche, tatsächlich eine Mütze Schlaf. Aber manchmal ist es das nicht.

Mein neuer Ratschlag ist also dieser: Gehe einfach ganz bewusst mit deiner Zeit um, wenn das Baby schläft.

Es hat eine Weile gedauert (ähm, drei Kinder lang), aber ich habe schließlich gelernt, mir eine einfache Frage zu stellen, bevor ich meine Kinder ins Bett bringe: Was tut dir gut, wenn die Kids gleich schlafen? Wie nutzt du deine Zeit am besten und zwar für dich?

Und so kümmere ich mich in der kurzen Zeit um mich.

Das klingt einfach. Allzu oft tappe ich selber noch in die „Lass mich nur kurz eben noch…“-Falle: „Lass mich nur schnell Facebook checken“ oder „Lass mich nur schnell meine Mutter anrufen“, und ehe ich mich versehe, ist der Mittagsschlaf vorbei und ich bin gestresster als vorher.

Wenn das passiert, habe ich die Kontrolle über ein kleines Stückchen Zeit verloren, was eigentlich nur mir gehören sollte.

Manchmal, auch wenn es kein bisschen Spaß macht, fühle ich mich am besten, wenn ich bewusst die lästigste Sache auf meiner To-Do-Liste abhake – die Sache, die mich schon den ganzen Tag – oder die ganze Woche – beschäftigt und viel mehr Platz im Gehirn einnimmt, als sie verdient. Es fühlt sich so gut an, das dann endlich zu erledigen.

Manchmal rufe ich meine beste Freundin an, manchmal lege ich in Ruhe Wäsche zusammen und manchmal starre ich volle zwei Stunden die Wand an.

Letztendlich liebe Mamas, geht es nur darum, sich ab und zu Zeit für sich zu nehmen um die eigenen Bedürfnisse mal in den Vordergrund zu stellen. Selbstfürsorge und Achtsamkeit  hat viele Gesichter und du darfst bewusst mal nur an dich denken. Gönn es dir!

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