Wenn ich dieser Tage durch Instagram scrolle, dann sehe ich reihenweise Fotos von Müttern, die ihre neue Tagesstruktur per Foto festhalten. Alleine das Wort STRUKTUR löst Hitzewallungen in mir aus. Da steht dann fein säuberlich aufgelistet, wann Frühstückszeit und wann Mama-im- Homeoffice-Zeit, wann Spiel-Zeit und wann Ins-Bett-Geh-Zeit ist und das Irre ist: DAS KLAPPT BEI DENEN AUCH! Insofern dürft ihr dieses Beispiel nicht als Häme werten, nein, es ist PURE Bewunderung meinerseits! Ich habe mir nämlich für diese besondere, derzeitige Situation so gar keine Struktur ausgedacht. Ich will euch einfach mal erzählen, dass es hier heillos strukturlos abgeht.

In unserem Wohnzimmer steht ein XXL Sofa, da liegt den ganzen Tag Bettwäsche drauf. AUF der Bettwäsche liegen entweder der rote Kater oder die gefleckte Katze. Schnurrend, denn für unsere Vierbeiner ist diese Isolation die pure Wonne. Immer ist jemand da, der übers Fell streichelt oder aber eine neue Dose aufmacht. Geil. Ebenfalls mit im Bett liegen Ruby oder ich. Gerne auch wir beide. Ich bin pädagogisch ziemlich arm dran, befürchte ich. Ich sage mal so, ich bin das Gegenteil von pädagogisch wertvoll. Das Kind wacht also gegen 9.30 Uhr auf, weil es abends länger aufbleiben darf natürlich. Ok, ich bin meistens um 8 Uhr auf, um die Küche schick zu machen (Ha! Struktur!) und um den ersten Kaffee in Ruhe trinken zu können. Sie erwacht und isst erstmal ihren Teller Müsli, während selbstverständlich die Glotze läuft! Ich muss nämlich auch arbeiten und damit ich das kann, darf das Tochterkind eben in den Fernseher schauen. Ich gebe auch hiermit zu, dass mein Kind derzeit ausnahmsweise am Handy spielen darf. Ich achte darauf, was für Apps das sind aber sie darf. Sie darf Filme gucken, am Handy daddeln und sie hat wenig Auflagen. Ich achte darauf, dass sie sich wäscht, alle zwei Tage duscht und jeden Tag zweimal die Zähne putzt! Achso, Hausaufgaben werden auch gemacht und dabei ist der Fernseher aus. Volle Konzentration bei Mathe und Deutsch. Sooooo und dann geht es täglich mindestens für ne halbe Stunde um den Block, meist mit Oma. DAS WAR´S!

In Hinblick auf die Dauer der noch schulfreien Zeit weiß ich selber nicht genau, ob das, was ich hier mache wirklich gut überlegt ist aber mal ernsthaft: Solange es allen gut geht und wir entspannt durchhalten, so ist das doch okay?!?

Insgesamt entschleunigt diese Phase uns aber auch. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann wir das letze mal so intensiv und lange gekuschelt haben. Oft liegen wir nebeneinander auf der Couch, essen Popcorn und erzählen uns Witze, albern rum….Ich habe lange nicht so intensiv ihre Gesichtszüge bestaunt, ihre Haare gewuschelt und ihre langen Gliedmaßen bewundert….Dafür haben wir jetzt Zeit, viel Zeit. Ich denke an alle, die zur Zeit arbeiten müssen. Was macht ihr durch. Ich denke an all die Verkäuferinnen, Friseurinnen, Menschen aus den medizinischen Diensten. Ihr leistet unmenschliches, eure Kinder müssen auf euch verzichten, gehen in die Notbetreuung. Euch gilt mein aufrichtiger Dank.

Was ich mit meinen heutigen Gedanken sagen will, ist: Diese Phase derzeit kennt kein RICHTIG oder FALSCH. In dieser Phase gilt nur, dass wir zusammen halten müssen. Jeder muss da irgendwie durch. Ob ihr nun, so wie wir, die sonst geltenden Regeln eher lockert oder ob ihr für euch feste Strukturen braucht: Jeder so, wie er kann.

Ich will nur, dass ihr euch keine Vorwürfe macht, wenn ihr mal anders agiert als es in Erziehungsratgebern empfohlen wird: Es geht darum, noch mindestens vier Wochen in der häuslichen Isolation aushalten zu können und das geht nur, wenn alle halbwegs entspannt sind.

Irgendwann wenn wir alt und grau sind, dann werden unsere Kindern ihren Kindern von der Coronakrise erzählen und dann erinnern sich unsere Kinder an die gemeinsame Kuschelzeit und daran, wie schön es war, ne Tüte Chips mit Mama auf dem Sofa zu knuspern. Ganz bestimmt <3

Bleibt gesund ihr Lieben,

Steffi

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