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Ein Artikel von Yvonne Paris, alleinerziehende Mama aus Hamburg.

„Guten Morgen, guten Morgen. Guten Morgen Sonnenschein…“ Wie oft habe ich diesen Song gleich morgens in meinem, langsam erwachendem Köpfchen gehört?! Und während ich so allmählich zu Bewusstsein komme, mir zwar klar wird das weder die Sonne diejenige ist, die mich weckt, noch dass es der Duft von bereits frisch gekochtem Kaffee ist, verspüre ich das Bedürfnis mich so langsam dem Tag mental zu öffnen. Daher der Versuch erst einmal alle Gliedmaßen von mir zu strecken, mich selbst so richtig auszubreiten…ach ne, da war ja etwas. Rechts neben mir befindet sich der Abgrund in die Tiefe meines Stäbchen Pakets und links von mir mein Sohn.

Jeder darf nun entscheiden, welche Seite die gefährlichere ist. Ich sage einmal so: Der Boden lässt Dich irgendwann einmal wieder gehen.

Also bleibt mir nichts anderes übrig, als mich der Länge nach zu recken. Auch in Ordnung. Aber langsam. Leise. Bloß niemanden wecken. Denn neben meinem, sich nun ebenfalls in eine andere Position bringenden Sohn, liegt meine 1,5 Jahre jüngere Tochter. Noch zeigt sie keine Anzeichen dafür, dass sie die Traumwelt gleich verlasen wird. Soweit so gut. Während ich also die umliegende Situation zu inspizieren versuche, spüre ich ein plötzlich aufgetretenes Gewicht an meinem Fußende des Bettes. Es bahnt sich auf meinen Beinen ein Weg auf meinen Torso zu, um auf meiner Körpermitte zum Stillstand zu kommen. Und schon beginnt der Milchtritt meiner, mit tiefer Stimme, schnurrenden Katze. Nach einer kurzen Weile ihres ‚guten Morgen Tritts‘, lässt sie sich endgültig mit ihren fast 8kg auf meinem Rumpf nieder.

Tja da liege ich nun. Und wie fast jeden Morgen, frage ich mich: „Wie schaffe ich es aus dem Bett, ohne den Rest der Horde zu wecken“? Es ist nämlich so, ich würde zu gerne einmal einen Morgen starten, an dem ich, ohne das erfüllen anderer Bedürfnisse, ganz mit mir alleine einen Kaffee kochen und auf dem Balkon genießen kann.

Die Wünsche eines Elternteils können sehr sehr sehr niedriger Natur sein.

Sushi (mag ich nicht recht gerne, aber mein Kätzchen habe ich meistens zum fressen gerne, daher gab ich ihr diesen Namen), innerlich eher unruhig wie ihr Frauchen, verlässt das kuschelige Feld, mit einem weniger dezenten Geräusch, als sie springend mit ihren Pfoten auf dem Boden aufkommt.

 

Wenn ich versuche Geräusche zu beschreiben, oder manchen mit Lauten im Kopf Ausdruck verleihen möchte, denke ich meist an die tollen Serien, wie Batman und Robin. Da waren es: „BOOM“. „PANG“. „POW“. „ZACK“. Hier in diesem Fall wäre folgender zutreffend: „WUMMS“.

Kurzer Blick nach links. Alles unverändert. Ich drehe mich vorsichtig auf meine Rechte, um behutsam aus dem Bett zu klettern. „FLATSCH“. Da trifft mich der linke Arm meines Sohnes, der bäuchlings mit dem Gesicht zu mir gerichtet liegt, mitten ins Gesicht. Und er öffnet langsam seine Augen: „Ich möchte kuscheln Mama.“ Fast im selben Moment schnellt weiter links von mir ein Haarwuschel auf. Meine Tochter schaut zu allen Seiten ruckartig hin und her, als hätte sie bereits jetzt etwas versäumt: „Mama, gibt es heute ein großes Frühstück?“

„…Guten Morgen Sonnenschein. Nein, Du darfst nicht traurig sein…“

Das war natürlich nicht immer so. Als Kind habe auch ich irgendwann alleine meine Nächte im Bettchen verbracht. Da wünschte ich mir sogar häufiger einmal eine Übernachtungsparty mit einer Freundin. Später habe ich dann, in meinem Jugendzimmer mein Schlafgemach mit meinem, jeweils zur Epoche entsprechenden Partner geteilt. Und wie erwachsen ich mich da fühlte. Single war ich als ich auszog. Bett für mich! Kaninchen im Käfig.

Aber ob ihr es glaubt, oder nicht, Mumps (Tier Namensgebung ist voll mein Ding) hat es ab und an geschafft dort sein Plätzchen zu finden. Doch er und ich schaffen es seit Jahren (er ist verdammt nochmal nicht tot zu kriegen) einen, auf einander abgestimmten, Alltags Rhythmus zu halten, so dass immer bloß einer von uns beiden Zeit im Bett verbrachte.

Dann kam ein Partner hinzu, dieser hat sich mit mir das Bett und sein Leben für 10 Jahre geteilt. Und Sushi fand kurz danach als Kitten, ebenfalls Platz in 1,80*2,00 m. Ach wie schön ich es zu diesem Zeitpunkt fand nicht mehr alleine einschlafen und aufwachen zu müssen. Und ich brauch euch auch nicht ausführlich zu beschreiben, wie erfüllend es ist, wenn das Erstgeborene bei einem zu Hause sein (noch sehr kleines) Plätzchen in der nicht vorhandenen Familienritze (durchgehende Matratze) einnimmt.

Und natürlich waren wir uns der bekannten Risiken, Säuglinge im Ehebett aufzubewahren durchaus, bewusst. Bei meiner Stillgeschichte (vielleicht ein anderes Mal mehr davon) war ich einfach froh, wenn denn mal irgendwann alles um mich herum, mir eingeschlossen, gemeinsam ein- oder überhaupt schlief. Und habe es zu tiefst genossen eine kleine Familie zu sein.

Diese Erfüllung änderte sich auch nicht mit dem zweiten Kind. Ich gestehe allerdings, dass der Wünsch auf mehr Platz und mehr nächtlicher Ruhe bereits aufkam. 

GESCHAFFT. Kids schlafen in ihren Betten ein. ABER sie finden in der Nacht durch irgendeinen einprogrammierten Mechanismus immer und immer wieder ihren Weg in (zu diesem Zeitpunkt noch) unser Bett. Es gab nur eine Lösung! Wir brauchen ein größeres Bett! Gesagt getan. 2*2 Meter. Yes. Das ging auch eine Weile ziemlich gut. Doch Kinder wachsen…

Mittlerweile können wir wenigsten 1,92 m der Länge nach, für uns drei mehr in Anspruch nehmen. Allerdings darf man in die Berechnung des Platzes dass sich Wenden und Drehen von schlafenden Personen nicht vergessen.

Folgende Situation (die sich in unregelmäßigen Abständen wiederholt): Irgendwie habe ich es, nachdem ich die Kurzen in ihre Bettchen schlafen gelegt habe, aus unerklärlichen Gründen geschafft den Abend auf etwa 23.00 Uhr zu dehnen. Mit der Gewissheit, dass der nächste Tag bereits gegen 06.00 Uhr beginnen wird, folge ich dem Ruf des Schlafzimmers. Und was ich dort vorfinde ist für mich jedes Mal erneut mysteriös. Besetzung! Und wie um Neptuns Willen, schaffen es zwei laufende Meter, sich wahrhaftig auf der Liegefläche zu positionieren, dass sie diese komplett einnehmen. Das große Schieben beginnt. Alles auf die linke Seite. Prima. So könnte es klappen. Kaum eingekuschelt, merke ich, dass mich etwas auf ein anderes Örtchen treibt. Ein stilleres, um genau zu sein (zwinker zwinker [meine Podcast Helden haben wirklich Recht. Dieser Zusatz macht es tatsächlich nie besser]). Zurück an meiner Bettkante, beginnt die Schieberei von vorne (ernsthaft? in so kurzer Zeit?). Bereit zu schlafen. „PLUMPS“. Querlieger auf mir. „FLAPS“. Ein weiterer auf dem Ersten. „SCHNURR“. Sushi auf meinem Leib. Super! In etwa 6,5 Stunden heißt es dann wieder: „Auf auf sprach der Fuchs zum Hasen, hörst Du nicht die Jäger blasen“.

Ich kann bloß erahnen, warum es das erste war, was ich von meinem Opa damals hörte, wenn ich als Kind bei denen geschlafen habe und zwischen ihm und Oma liegend wach wurde. Ausschließen tue ich an dieser Stelle, eine ruhige vorangegangene Nacht, die zum wieder einschlummern einlädt.

Übrigens darf ich mich nicht beschweren. Aufgrund dessen, das wir derzeit keinem klassischen Familienmodell folgen, habe ich immerhin alle zwei Wochen, für drei Nächte die Chance auf ein Bett für mich alleine. Wirklich davon Gebrauch gemacht, habe ich buchstäblich nicht. Mein Récamière, oder eine andere Pritsche, teilte ich mir hin und wieder abwechselnd mit 1,79 m – 1,90m. Seit längerem füllt sich meine Boxspring Heimat regelmäßig, alle zwei Wochenenden mit zusätzlichen 1,80m. Missen möchte ich dies nicht.

Und nein für mich war die (Körper-) Größe nie entscheidend und habe auch nicht nach dieser gesucht, gefragt, oder gar kategorisiert. Ich bekenne fraglos 1,56 m zu betragen, was ein Grund dafür sein könnte, dass die Größe für mich nicht relevant ist. Aber ich habe eine Leidenschaft für Zahlen. Sie sind so wundervoll anonym.

Der Höhepunkt (Wortwitz ist absolut beabsichtigt) bei diesen geteilten Bett Varianten ist, nicht ich bin die Leidtragende. Denn ich übernehme den schnarchenden Part. Von Ästen bis hin zu Bäumen (das wäre schon fast ein Titel wert). Zudem bin ich eine Zudecken Räuberin.

Alles nach menschlichem Ermessen von eben solchen an mich herangetragen, nachdem sie diese Erlebnisse mit mir teilen durften. Beweise liegen (kaum) vor.

Wenn ich so darüber nachdenke, habe ich meine Chancen eher selten genutzt alleine die Nacht im kuscheligen zu verbringen. Denn zugegeben, ich fühle mich meist sicherer zu zweit. Und weniger einsam zu dritt (die Kids und ich natürlich!).

Trotz all der Beanstandungen, die man hier zwischen den Zeilen lesen kann, möchte ich mich Rudelschlaf Gegnern nicht anschließen. Besonders dann, wenn die Kids für einen längeren Zeitraum bei ihrem Vater waren, beginne ich es sogar zu vermissen, mir mit ihnen ein Ruhelager zu teilen. Wie es halt oftmals den Anschein hat: Das Bett ist woanders immer flauschiger (oder belagerter).  

 Mal schauen, wann es mir möglich sein wird, mein Gemach für geraume (komplette) Nächte für mich alleine zu genießen. Vielleicht habe ich es sogar in all den Jahren verlernt? Was zumindest das Teilen mit den Kindern betrifft, steht für mich fest, dass ich die beiden entscheiden lassen werde, wann ihnen nicht mehr danach ist, sich Nacht für Nacht in meine nächtliche Obhut zu begeben. Ich möchte sie nicht von mir stoßen, sondern es genießen, dass sie Mamas „schwabbel wabbel Arme“ (danke mein Sohn) und Mamas Hand zum Einschlafen brauchen. Wer freut sich nicht darüber gebraucht zu werden?! Außerdem ist auch herzerwärmend seine Kinder friedlich schlafend zu beobachten, sich dazu zu legen und ebenfalls zur Ruhe zu kommen. Auch ihnen morgens ins noch verschlafene Gesicht zu schauen, nicht anders zu können, als zu Lächeln und sich sogar freiwillig in die Mitte zu legen, um in beiden Armen ein Liebchen zum kuscheln zu haben. Daher: Sind wir nicht alle ein wenig Rudeltier?

Wie dem auch sei. Es ist an der Zeit. Eine von vielen nahezu täglichen Routinen ruft. Ab in die Koje! Also auf in den Kampf, für ein bisschen Platz in der kleinen Parzelle meiner Bettnische. Gute Nacht und träumt etwas Schönes. 

Yvonne Maria Paris

 

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