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Von Sarah aus Köln

In meinem Wohnzimmer herrscht ordentlich Krawall und Remmidemmi. Meine Kinder kreischen vor Lachen, springen hüpfend und taumelnd herum, spielen fröhlich Verstecken mit dem Papa – der auch selbst viel Spaß daran hat. Als ich früher davon träumte, wie es ist, eine eigene Familie zu haben, war das genau die Art von Familienleben, die ich mir immer vorgestellt habe (okay, vielleicht nicht ganz so laut, aber zumindest so in der Art). Ich beobachte das alles aus dem Flur aus, lache mit ihnen, mein Herz überschlägt sich vor überwältigender Liebe, die nur eine Mutter, die ihre Familie beobachtet, kennen kann.

Es gibt nur ein Problem bei diesem Szenario: Es ist bereits 19:45 Uhr an einem Abend vor einem Schultag, und eigentlich sollten sie bereits vor fünfzehn Minuten im Bett sein.

Das Ganze wäre nicht so ein großes Problem, wenn meine Kinder schon älter wären, sind sie aber nicht. Mein Jüngster ist gerade im Kindergarten, und mein Ältester ist zwölf. Ich bin eine große Verfechterin von festen Schlafenszeiten. Ich weiß, wie wichtig guter Schlaf für Kinder ist (und wie launisch sie morgens sind, wenn sie diesen nicht bekommen). Aber was ist wichtiger- einen halbe Stunde Schlaf, oder lieber Qualitytime mit der Familie? Denn aus irgendeinem Grund scheint es, dass ausgerechnet diese beiden Sachen ständig miteinander kollidieren. Es ist, als beinhalte diese Zeit, wenn das Schlafen heraus gezögert wird, die kostbarsten Augenblicke, die für uns alle so wichtig sind.

Jeder, der Kinder hat, weiß, dass sie Champions im Zu-Bett-Geh-Zeiten-herrauszögen sind. Wenn ich meine Kinder ins Bett bringe, sind sie plötzlich „durstig“ oder „hungrig“ oder sie haben PLÖTZLICH vergessen, etwas ganz Wichtiges zu erledigen, das nicht bis zum Morgen warten kann. Über dieses ganze Hinauszögern habe ich mich lange geärgert, bis ich merkte, dass ihr Wunsch, noch wach zu bleiben, sie auch für wichtige Gespräche „zugänglicher“ macht. Die gleichen schweigsamen Kinder, die nur mit „gut“ antworten, wenn ich sie nach ihrem Tag frage, sind plötzlich glücklich darüber, eine stundenlange Abhandlung über den Tag in der Schule von sich zu geben zu dürfen.

Sie würden alles tun, um nicht schlafen gehen zu müssen, von albernen, fröhlichen Gesprächen bis hin zu überraschend, tiefgründigen Gesprächen. Sie beschreiben neue Ideen, wild und ausgedehnt, und ich bewundere die Tiefe und den Umfang ihrer Vorstellungskraft. Sie flüstern Unsicherheiten in die Dunkelheit, die es ihnen scheinbar einfacher macht, schwierige Sachen auszusprechen: Sie können die Probleme, die sie belasten, loswerden, und haben die Gelegenheiten, über Themen wie Mobbing und Gruppenzwang und Selbstwertgefühl zu sprechen.

In diesen Zeiten ist niemand abgelenkt und nichts konkurriert um unsere Aufmerksamkeit. Niemand konzentriert sich auf etwas anderes als das, was gesagt wird, und niemand starrt aufs Handy. Ich kann meine Finger durch ihr weiches Haar streichen, so wie ich es immer getan habe, als sie noch Babys waren und ich noch das Zentrum ihres Universums war. Sie können meine Hand halten und meinen Arm streicheln oder ihre Köpfe in meinen Schoß legen und sie wissen, dass sie meine ungeteilte Aufmerksamkeit haben.

Oder sie können ringen, sich austoben und mit ihrem Papa herumtollen und ihre Beziehung  so auf die besondere Weise stärken.

Egal, womit diese Zeit gefüllt wird, es erlaubt uns, einfach zusammen zu sein, wenn auch nur für ein paar Minuten aber auf eine Weise, die soviel mehr bedeutet als Stunden nebeneinander zu verbringen, in denen man aber nie 100 prozentig bei der Sache ist.

Wenn sie älter werden und mehr mit außerschulischen Aktivitäten und Spielen und Freunden beschäftigt sind, werde ich bestimmt das Gefühl haben, dass wir immer weniger Zeit für Qualitytime haben werden. Nicht einmal diese besonderen Minuten vor dem Schlafengehen werden jeden Abend funktionieren. Aber wenn es doch so kommt, dann werde ich mich auf diese Gelegenheiten stürzen.

Kinder brauchen zwar ihren Schlaf, aber ich glaube, dass die Förderung ihrer engsten Beziehungen für eine gute Gesundheit genauso wichtig ist, wie der Schlaf selbst. Wenn das bedeutet, dass sie ein paar Mal pro Woche eine halbe Stunde weniger Schlaf bekommen, ist das ein kleiner Preis, den ich gerne zahle. Also lasse ich sie über ihre vorgesehene Schlafenszeit hinaus wachbleiben, denn das hilft weit mehr, als das es weh tut.

Sie denken heimlich, dass sie mich austricksen, indem ich sie einfach nur länger wach bleiben lasse und ich lasse sie das weiter denken. Denn das, was sie nicht wissen, tut ihnen – und ihren Eltern – eine Menge Gutes.

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