Ein Gastbeitrag von Rosa aus Köln

Kennt ihr die folgende Situation vielleicht auch?

Montagabend. Es ist 18 Uhr. Mein Mann befindet sich auf dem Weg nach Hause und meine Tochter Emma sitzt an ihrem kleinen Tisch, sie hat ihr Abendessen vor sich und sie schaut eine Folge Paw Patrol auf Amazon. Ich liege währenddessen stillend auf der Couch und ich bete innerlich, dass die kleinen Hunde von Paw Patrol sie mindestens solange unterhalten werden, dass sie zum einen genug isst und zum anderen so lange beschäftigen werden, so dass ich ihren kleinen Bruder in Ruhe zu Ende stillen kann.

Sie dreht sich zu mir um und möchte noch mehr Wasser haben und ich erschrecke mich, weil ich vergessen habe, ihre Wasserflasche aufzufüllen, bevor ich mich auf die Couch gesetzt habe, um ihren Bruder zu stillen, der natürlich genau jetzt richtig angedockt hat und seelenruhig trinkt. Grrrrrrr…… Ich sage ihr, dass ich ihre Flasche auffüllen werde, sobald ich fertig mit dem Stillen bin. Es folgt ein filmreifer Wutanfall. Ich werde nervös, weil sie aufsteht und auf mich zu rennt und versucht, meinen Arm unter ihrem Bruder wegzuziehen. Genervt und ziemlich angespannt fahre ich sie an, dass sie doch bitte etwas Geduld haben soll. Das wiederum führt zu großen Krokodilstränen bei Emma.

Kennt ihr diese Situationen? Ich fühle mich total schuldig. Ich bin mal wieder weder einem Kleinkind noch einem Säugling gerecht geworden.

Ich muss leider zugeben, dass die eben beschriebene Situation derzeit keine Seltenheit ist. Es ist verdammt schwierig, die Erwartungen eines Kleinkindes mit den Erwartungen eines Säuglings in Einklang zu bringen. Und genau dann, wenn ich glaube, dass ich einen Mittelweg gefunden habe, passiert wieder etwas, das mich erneut ins Trudeln bringt. Egal wie ich mich entscheide, entweder kommt es so, dass ich meine Tochter enttäusche, weil sie sich gedulden muss oder mein Sohn schreit sich in Rage, weil ich mich nicht direkt um ihn kümmern konnte. Es ist eine wahre Zerreißprobe.

Die Schuldgefühle, die mit dem zweiten Kind einhergehen setzen mir tatsächlich mehr zu, als ich es geahnt hätte. Jetzt enttäusche ich unter Umständen gleich zwei kleine Menschen, anstatt nur einen. Die Last dieser Emotionen ist überwältigend und sie bringt mich oft zum Weinen, zu Selbstzweifeln und zu dem miesen Gefühl, auf ganzer Linie versagt zu haben. Hinzu kommt unser Hund, der schon seit Wochen nicht mehr richtig ausgelastet war. Na wunderbar, gleich drei Babys enttäuscht.

Als meine Tochter Emma im Alter meines Sohnes war, da sangen wir Lieder, wir erzählten ihr Geschichten und redeten so oft mit ihr, dass sie wahrscheinlich insgeheim dankbar gewesen wäre, mal etwas Ruhe von uns zu haben. Mittlerweile bin ich tagsüber so erschöpft, dass einer von beiden schon Glück hat, meine Stimme überhaupt mehr als zehn Minuten am Stück hören zu können. Ich habe ständig das Gefühl, dass ich beide Kinder enttäusche. Meine Tochter ist zwei Jahre alt und sie kommt definitiv öfter mal zu kurz. Ich habe jetzt schon Angst, dass das erste Wort meines Sohnes „NEIN“ sein wird, weil er das so oft hört.

Diese Schuldgefühle bringen mich noch um. Ich muss irgendwie lernen, besser damit klarzukommen. Immerhin habe ich mich doch bewusst für zwei Kinder mit kleinem Altersunterschied entscheiden. Das schaffen andere Eltern doch auch. Meine Eltern haben das doch auch hingekriegt und aus mir ist ein emphatischer, netter Mensch geworden.

Ich sage mir dann immer wieder selber, dass die Zeit alle Wunden heilen wird. Irgendwann freuen sie sich, sich gegenseitig zu haben. Alles hat einen Sinn. Emma lernt geduldig zu sein, indem sie auf mich warten muss, wenn ich zB. ihren Bruder stille und irgendwann wird Ben entdecken, dass es total cool ist, eine große Schwester zu haben. So rede ich mir das dann schön. Manchmal glaube ich mir selber nicht, aber ich weiß, dass sie auf lange Sicht glücklich sein werden, einander zu haben. Sie werden lernen, wie man teilt, sie werden lernen, geduldig zu sein und werden lernen, Kompromisse einzugehen, und das sind doch wohl absolut wertvolle Fähigkeiten, oder?

Ich bin anscheinend nicht allein mit meinen Schuldgefühlen. Meinen Freundinnen erging es ähnlich. Die Schuldgefühle, die nach der Geburt eines zweiten Kindes auf euch zukommen, können verdammt brutal sein und ich lerne gerade erst, wie ich mit ihnen umgehen kann. Ich versuche ständig, mich selber daran zu erinnern, dass ich viel Geduld für meine Emma aufbringen muss- schließlich ist sie erst zwei Jahre alt -, und gleichzeitig muss ich die Erwartungshaltungen an meinen Sohn zurück schrauben (er muss doch langsam mal durchschlafen) und vor allem arbeite ich daran, nicht zu hart mit mir selbst ins Gericht zu gehen.

Ich kann nur versuchen, es morgen vielleicht entspannter angehen zu lassen……Ich bin auch nur ein Mensch.

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