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Julia aus Gronau ist Mutter eines Sohnes und sie macht sich Gedanken über die Erziehung von Jungs und Rollenklischees.

Wir alle wollen einen Mann, der kocht und putzt, aber wir sagen unseren Söhnen, dass Küchenspielzeug für Mädchen ist. Wir sind beeindruckt von einem Kerl, der eine Tanzfläche zerlegen kann, lassen aber unsere Jungs nicht am Tanzunterricht teilnehmen. Wir fallen in Ohnmacht, wenn ein Mann, an seinem Hochzeitstag oder bei der Geburt seiner Kinder zu Tränen gerührt ist, aber Jungen sollen nicht weinen. Wir schätzen engagierte, praktische Väter, aber wir lassen unsere Söhne nicht mit Babypuppen spielen.

Alles, was im entferntesten als „mädchenhaft“ wahrgenommen werden könnte, ist für kleine Jungs tabu. Es gibt ein Problem, und es beginnt bei uns – den Leuten, die dafür verantwortlich sind, Jungs zu den Erwachsenen zu formen, die wir gerne hätten.

Wie können wir von ihnen erwarten, zu einer bestimmte Art Mann zu werden, wenn wir sie davon abhalten, diese Eigenschaften zu entwickeln, wenn sie jung sind?

Die Gesellschaft als Ganzes fördert die emotionale Seite eines Jungen nicht, auch wenn sie genauso selbstverständlich ist, wie bei Mädchen. Jungen sind echte Menschen mit echten menschlichen Emotionen, die eben auch durchaus mal weinen, wenn sie verletzt oder traurig sind – bis wir ihnen dann sagen, dass sie nicht so verweichlicht sein sollen. Wir tun es zu ihrem Besten, oder zumindest sagen wir uns das, weil wir Angst haben, dass sie schikaniert werden, wenn sie nicht den Normen der traditionellen Männlichkeit entsprechen.

Was bringt es uns und ihnen also, wenn man ihnen die Chance darauf verwehrt, später mal ausgeglichene Erwachsene zu werden? Sollten wir nicht stattdessen lieber die sog. „Männlichkeit“ neu definieren und die Gesellschaft herausfordern, diese Definition zu erweitern, damit unsere Jungen endlich die süßen, empfindsamen Menschen sein dürfen, die sie eigentlich auch sind?

 

 

Wenn wir uns Mühe geben, unserer Jungs zu etwas bestimmten zu erziehen, dann, dass sie die Hauptverdiener der Familie werden, die Ernährer werden. Wir legen Wert auf Führungsqualität und Geschäftssinn, was in Ordnung ist, wenn es nicht alles andere ausschließt, was sie sonst noch lernen sollten. Wir vergessen (oder vernachlässigen) so oft, dass sie neben Angestellten und Chefs auch Ehemänner und Väter sein werden. Sie werden mindestens genauso viel Zeit mit zwischenmenschliche Kontakten verbringen, wie mit geschäftlichen, aber wir rüsten sie nur für das eine und nicht für das andere aus. Sie sind auf ihre Karriere vorbereitet, aber wenn es um emotionale Intelligenz geht, hemmen wir absichtlich ihren Wachstum und fragen uns dann, warum unsere Männer nicht einfach ein wenig sensibler sein können.

Wir leben in einer Kultur, die den Jungen vorgibt, dass sie ihren „Mann stehen“ sollen, etwas, was in der stereotyp weiblichen Welt als Schwäche dargestellt wird, um dann gleichzeitig von Männern zu erwarten, dass sie Frauen gleichberechtigt behandeln sollen. Wir können unseren Söhnen nicht sagen, dass Frauen genauso begabt sind wie Männer, aber sie gleichzeitig als Weichei beschimpfen. Auch nicht auf eine neckende Weise, wenn sie einen Ball „wie ein Mädchen“ geworfen haben.

Die widersprüchlichen Botschaften, die wir täglich senden, sind schädlich und tragen nicht dazu bei, unsere Jungs in ausgeglichene und vielseitige Männer zu verwandeln. Wir tun ihnen keinen Gefallen und wir tun unseren Töchtern, den zukünftigen Frauen, die die Folgen unserer schlechten Erziehungsentscheidungen ertragen müssen, ebenso keinen Gefallen.

Dies gibt den Männern keineswegs das Gefühl, chauvinistisch, faul oder beleidigend zu sein, weil Erwachsene dazu fähig sind, sich über tief verwurzelte Überzeugungen zu erheben; so wie Menschen aus Sekten fliehen und Tragödien überleben, können Männer eine bewusste Entscheidung treffen, um die Lehren aus ihrer eigenen Kindheit zu überdenken. Wenn ein Mann nicht dazu erzogen wurde, sensibel oder zärtlich zu sein, so kann er sich ändern. Es gibt keine Entschuldigung.

Aber…

Wir lesen unseren Kleinkindern vor und laden Apps auf unsere Handys, um ihnen einen Vorsprung zu verschaffen. Natürlich nur einen Vorteil für die Schule. Wir müssen unseren Söhnen aber auch den gleichen Vorteil mit geben, sie so erziehen, dass sie tolle Freunde, Ehemänner und Väter werden, statt diese Qualitäten im Keim zu ersticken und lediglich darauf zu hoffen, dass sie sich vielleicht irgendwann wie von selbst dazu entwickeln.

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