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Hier schreibt Hannah aus Gütersloh.

Es ist fast Mitternacht und meine beiden Kinder schlafen. Der Kater liegt ausgestreckt auf dem Bett, sein Schwanz wackelt hin und her, er träumt. Ich liege mit meinem IPad auf dem Schoß im Bett, während mein Mann friedlich neben mir schlummert.

Ich klicke auf den Play-Button, um eine weitere Folge von Game of Throns zu gucken.

Meine Augenlider sind so schwer, dass ich praktisch ein Paar Zahnstocher bräuchte, um sie offen zu halten. Ich bin erschöpft, keine Frage. Seitdem ich Mama bin, bin ich spätestens um 21 Uhr so müde, das nichts mehr geht. Wenn es nach mir gehen würde, wäre ich schon eingeschlafen, bevor mein Mann von der Arbeit kommt. Warum also gebe ich nicht einfach nach, schließe meine müden Augen und lasse los, um ins Land der Träume zu reisen?

Es ist so: Meistens möchte ich zwar gerne schlafen aber ich möchte auch endlich mal ein paar Stunden nur für mich alleine haben.

Diese nahezu „magische Stille“ eines ruhigen Hauses ist meine persönliche Version des Nirwanas. Niemand bittet mich um etwas. Niemand weint, schreit oder singt aus vollem Halse. Niemand berührt meinen Hintern und fragt, ob ich nicht Lust auf ein Schäferstündchen hätte, niemand spielt mit meinem ungewaschenen Haar oder reißt an meinem Arm. Das sind die Momente, in denen eine heiße Dusche, pure Entzückung bedeutet. Ich liebe es, nachts als Einzige in unserem Haus wach zu sein – und so geht es vielen Müttern.

Meine Mama-Freundinnen und ich scherzen oft über unsere gegenseitigen SMS, die um 1 Uhr nachts verfasst worden, weil wir alle noch wach sind. Manchmal ist es die psychische Last, die unsere Gehirne in Bewegung hält, aber meistens entscheiden wir uns ganz bewusst dazu, einfach länger aufzubleiben. Wir arbeiten uns durch die Woche, gehen einem Job nach, arbeiten vielleicht ehrenamtlich, fahren unsere Kinder zu ihren Sportkursen, beruhigen sie, kochen Mahlzeiten für Partner und Freunde, füttern kleine Menschen, putzen das Haus, wir waschen Berge von Wäsche und warten dann auch noch auf den geliebten Ehemann, um mit ihm zusammen ins Bett gehen zu können.

Am Ende des Tages sind wir ausgelaugt und komplett fertig mit den Nerven. Und dennoch entscheide ich mich gegen den Schlaf, nur um etwas mehr Zeit für mich haben zu können.

Was machen wir Mütter also, wenn wir alleine im Dunkeln sind?

1. Wir scrollen durch Facebook und Instagram.

2. Wir bestauen Pinterest-Rezepte und entscheiden uns trotzdem dagegen, diese wirklich jemals nachzukochen.

3. Wir durchsuchen jede erdenkliche Dekorationsseite im Internet nach dem perfekten Teppich.

4. Wir wollen plötzlich luxuriöse Handtücher, Gesichts -Seren und butterweiche Yogahosen  online bestellen, packen auch alles in den Warenkorb, löschen ihn wieder und kaufen dann doch nichts.

5. Fünf Minuten später kaufen wir alles doch bei Amazon Prime.

6. Wir bestellen uns Lebensmittelboxen, denn wer hat schon Zeit für das ewige einkaufen?

7. Wir bestellen die Boxen wieder ab, selber einkaufen ist doch besser.

8. Wir schauen uns die beliebtesten YouTube-Familien-Vlogs an.

9. Wir schauen uns niedliche Tiervideos an. KATZENVIDEOS!

10. Wir schauen uns Geburtsvideos an und ertappen uns beim nächtlichen Pressen!

11. Wir starten einen Netflix Serien-Marathon.

12. Wir falten Wäsche, während der Netflix Serien-Marathon läuft.

13. Wir hören uns Podcasts an.

14. Wir duschen lange. Mit ganz viel Schaum.

15. Wir legen uns eine Gesichtsmaske auf, ohne dass uns jemand anstarrt, als wären wir Sumpfmonster.

16. Wir freuen uns darüber, NICHT angefasst zu werden!

17. Wir wollen gerne in unserem Buch lesen.

18. Stattdessen lesen wir ungefähr 30 von sieben Millionen Posts, die wir uns auf Facebook abgespeichert haben.

19. Wir lesen Artikel über kohlehydratfreie Nahrungsmittel.

20. Wir stellen uns vor, wie es wäre, vegan zu leben.

21. Wir entscheiden uns dann, niemals vegan leben zu können.

22. Wir essen alle nicht veganen Schoko-Kekse auf.

23. Wir essen unseren geheimen Vorrat an Schokolade und / oder Kartoffelchips auf und müssen NICHT teilen!

24. Wir erstellen eine Liste an geheimen Fantasy-Urlaubszielen.

25. Wir erstellen eine Liste mit Aufgaben für den nächsten Tag.

26. Wir scollen durch die 14.000 Fotos auf unseren Handy und müssen weinen, weil unsere Kinder schon so groß sind.

27. Wir denken daran, dass Sex zwar Spaß macht und sind allerdings gleichzeitig erleichtert, dass wir es nicht tun müssen, weil unsere Männer schlafen.

28. Wir schreiben.

29. Wir häkeln.

30. Wir machen Kreuzworträtsel.

31. Wir texten mit Freunden, die auch spät dran sind, die auch gerade Kekse essen und einen Serien-Marathon starten.

Wie ihr sehen könnt, ist unsere Idee von Glückseligkeit eine Late-Night-Pyjama-Party für eine Person. Wir scheißen auf die Wissenschaft, die uns immer wieder ermahnt doch unbedingt neun Stunden lang schlafen zu müssen, um gesund zu bleiben. Es ist mir egal, dann sterbe ich eben früher. Ich möchte einfach mal alleine sein. Ja, ich weiß, ich werde am Morgen erschöpft sein und ich werde mich zweifellos darüber beschweren, aber ich weiß auch, dass es nichts gibt, was eine starke Tasse Kaffee oder eine übergroße Cola Zero nicht reparieren könnte.

Eines Tages, wenn die Kinder erwachsen und aus dem Haus sind, werde ich herausfinden,  wie man zu einer anständigen Zeit schlafen geht. Bis dahin bin ich bis nach Mitternacht auf, genehmige mir eine Aktivkohlemaske und sehe nur noch eine Folge von Games of Thrones. Und dann noch eine…….

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