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Ein Gastartikel von Anke aus Bochum

Ich wünschte, der Morgen würden sich wie Vögel zwitschern und Sonnenaufgänge anfühlen. Ich wünschte, ich könnte die Zeit finden, um meinen Kindern ein nahrhaftes Frühstück zuzubereiten, mich dann mit ihnen hinzusetzen und es gehüllt in meinem Seidenkimono zu verspeisen, während ich meinem Kräutertee schlürfen und die aufgehende Sonne bestaune.

Ich würde meine Seele verkaufen, wenn das bedeuten würde, dass ich sie für die Schule fertig machen könnte, ohne das Gefühl haben zu müssen, ich würde einen Marathon laufen müssen.

Um ehrlich zu sein, die Morgenroutine, die in meinem Haus vor der Schule (und das jeden verdammten Tag) misslingt, stößt mich an den Rand des Wahnsinns, egal wie sehr ich versuche, am Abend zuvor alles vorzubereiten.

Wenn die Brotdosen gepackt wurden und bereits schön auf dem Tresen darauf warten, eingesteckt zu werden, hat garantiert jemand vergessen, dass ich seinen Erlaubniszettel unterschreiben soll, der eigentlich schon vor drei Tagen fällig war.  Dieser elende Zettel wird  vor meinem Gesicht hektisch herum gefuchtelt, während ich kläglich versuche, meine Mascara aufzutragen.

Wenn ich den Papierkram dann unterschrieben habe und meine Kinder ihn schön in den richtigen Ordner in ihren Rucksack gelegt haben, entscheidet sich meine Tochter sich spontan, dass sie dringend löchrige Jeans tragen MUSS, „Boah, Mama, sonst passt aber nichts zu diesen Schuhen und ich muss diese Schuhe tragen.“ Das Kind steht kurz vor dem Zusammenbruch.

Wenn dann also endlich die richtige Kleidung auf den Körpern meiner Kinder sitzt, sie es dann auch noch schaffen aus der Tür gehen, dabei sogar daran gedacht haben die Brotdosen und den Papierkram einzustecken, … dann lässt mein Jüngster den Hund raus und dieser rennt die Straße entlang und klettert natürlich direkt in die Mülltonne des Nachbars. Mein Ältester wird wahnsinnig, weil sein Haar nicht „kooperieren“ will, und ich merke, dass mir der Kalender entgegen schreit, dass ich zwei Dutzend Cupcakes mitbringen sollte, und natürlich habe ich keinen einzigen verdammten Cupcake gebacken.

Es ist immer dasselbe… Jeder Morgen ist stressig, egal wie sehr ich es versuche, und mein zerknautschtes Gesicht (mit nur einem Auge voll Mascara) ist normalerweise das Letzte, was meine Kinder sehen, wenn sie zur Schule gehen.

Mein  „Ich liebe euch. Habt einen schönen Tag, aber bitte, lasst uns versuchen, es morgen früh besser hin zubekommen „ist übrigens immer das Letzte, was sie hören. Während ich ihnen dabei zusehe, wie sie auf ihre Fahrräder steigen, kurble ich das Autofenster für einen letztes „Ich liebe euch so sehr“ herunter,- weil ich es wirklich tue. Meine Kinder sind meine ganze verdammte Welt, und ich fühle mich so schuldig, wenn ich nach einem so hektischen Morgen den Hinterkopf von ihnen von mir wegfahren sehe, dass ich direkt in mein halb gegessenes Stück Toast, das in meinem Schoß liegt, weinen könnte. Manchmal mache ich es auch…

Ich sorge mich darum, weil meine miese Stimmung ihren Tag bestimmt, ich sorge mich auch, dass es diese Stimmung meinen ganzen Tages ruiniert. Ich denke darüber nach, wie ich es besser machen, besser organisieren, könnte. Ich überlege, ob ich sie zur Schule bringen sollte, ohne ihnen damit ihre Selbstständigkeit und ihre Freiheit wegzunehmen. Ich kann es kaum erwarten, dass sie wieder nach Hause kommen, damit ich es wieder gut machen und meine Schuldgefühle beruhigen kann.

Wenn sie nach der Schule reinkommen, drücke ich sie und frage sie nach ihrem Tag und lasse sie einen zusätzlichen Keks (ja ja, die Schuldgefühle) futtern und setze meine ganze Energie in Vorbereitung für den nächsten Morgen.

Dann fangen sie an zu streiten. Wenn ich sie bitte beim Essen machen zu helfen oder ihre Wäsche wegzulegen, dann werde ich entweder ignoriert oder sie können sich plötzlich einfach nicht mehr bewegen. Sie lassen ihre Schuhe in der Mitte des Flurs liegen und ich falle ständig darüber. Der Hund wird nicht rausgelassen, nachdem ich sie fünfmal darum gebeten habe, und er pieselt auf dem Boden.

Bevor ich so richtig realisiere, was da gerade passiert, sind die Nerven schon wieder total blank. Das Ding ist: Kinder brauchen viele Erinnerungen, um ihre täglichen Aufgaben erledigen zu können und sie sind noch nicht in der Lage, die Schuldgefühle zu spüren, die Mütter haben, wenn etwas schief geht.

Ich weiß das, weil ich während des Essens, wenn ich meine Kinder frage, was das Schönste des Tages war, oft höre: „Mama, wie du über die Schuhe gefallen bist…..hihihihi“, oder “ das war, als ich meinen Schulbrief von dein Gesicht hielt und er an deinem Lipgloss hängengeblieben ist, gngihihihihihihiii“ und die ganze Familie sich vor Lachen krümmt.

Wenn ich mich bei ihnen entschuldige, weil ich am Morgen immer so gestresst aussehe und ihnen sage, dass ich versuchen will, am nächsten Tag alles besser zu machen, ernte ich leere Blicke. Mein Ältester sagt dann gerne: „Du warst gestresst?“ Er hat es wirklich nicht bemerkt.

Ich gebe die Stimmung für den Tag vor und sorge mich darum, dass ich ihnen den kompletten Tag ruiniere, indem ich ihnen eben kein schönes, ruhiges in Seide gehülltes Frühstück ermögliche, während wir den Vögeln beim Singen zuhören.

Aber wisst ihr was? Sie lieben mich anscheinend trotzdem und das obwohl ich eine totale Chaotin bin.

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