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Von Katja aus Siegen, vierfache Mutter.

Nach sechseinhalb Jahren Mutterschaft und insgesamt vier Schwangerschaften bin ich in mehreren Bereichen „gewachsen“:

1) Körperlich: Ich habe insgesamt 70 Kilo zu und wieder abgenommen. Es waren pro Schwangerschaft zirka 18 Kilo, mal mehr und mal weniger da einige Schwangerschaften mehr Schokolade des Nachts einforderten, als andere.

2) Eitelkeit: Ich habe jede noch verbleibende Coolness aufgegeben, als wir einen Minivan kauften. Ich hatte mich immer dagegen gewehrt, weil eigentlich nur Nerds Minivans fahren.

3) Kontrolle: Ich habe weitgehend aufgehört, meinen Kinder farblich passende Klamotten anzuziehen. Dafür hat niemand Zeit.

4) MacGyver-Fähigkeits-Quotient: Ich habe gelernt, in Situationen, die mich früher zur Verzweiflung gebracht hätten, cool zu bleiben. Gebrochene Beine (hatten wir bisher drei Mal), Erkältungen bei Neugeborenen (kann ich gar nicht mehr zählen, wie oft schon),  Reisebettchen für einen Urlaub einpacken… Nichts davon bringt mich heute noch aus der Ruhe. Das Leben geht weiter.

Wenn du mit dem Gedanken spielst, dass du auch gerne vier Kinder hättest, dann lass dir ein paar Dinge gesagt sein, damit du weißt, was dann auf dich zukommen wird:

1. Wenn du mit deinem ganzen „Stamm“ durch die Stadt gehst, schauen euch die Leute irgendwie komisch an.
Ich brachte die Kinder neulich zum Arzt, eine Untersuchung war fällig, und innerhalb einer Stunde hielten mich vier verschiedene Leute an, nur um zu fragen, ob alle vier Kinder zu mir gehörten. Eine Dame stoppte sogar ihr Auto und rollte ihr Fenster hinunter, um mich das zu fragen. Ja, du pfiffiges Ding! Diese Freakshow gehört zu mir.

Hier ist eine Auswahl von unaufgeforderten Kommentaren, die ich regelmäßig höre (teilweise mehrmals am Tag), wenn ich Besorgungen mache: „Wow, das sind viele Kinder!“ „Sind das alle deine?“ „Du hast ja allerhand zu tun!“ „Hattest du DAS geplant?? „Respekt!“

2. Dein Alltag wird zu einer realen Version des Films „Memento“.
Erinnerst du dich an diesen Film? Es geht um einen Typen, der sich nur an die letzten 15-Minuten erinnern kann, bevor er alles wieder vergisst. Super spannend und stressig, aber an viel mehr aus dem Film erinnere ich mich nicht mehr, weil, wie ich schon sagte, warte, was habe ich gerade gesagt? Nein, ernsthaft. Ich bin der Cristiano Ronaldo der Vergesslichkeit. ISSO!

Der Grund dafür liegt darin, dass unser Gehirn wie ein Internet-Browser funktioniert. Mütter von vier Kindern haben etwa 462 Browser Tabs zur gleichen Zeit geöffnet. Habe ich die Telefonrechnung bezahlt? Ist heute Mittwoch? Mittwochs muss ich die Kinder früher abholen. Wann habe ich das Baby das letzte Mal gestillt? Und auf welcher Seite? Wir brauchen eine neue Markise. Warum hat Kind Nr. 2 sein Outfit komplett falschrum angezogen? Und warum ist es mir so egal? Hat Kind Nr. 3 heute Gemüse gegessen? Oder gestern? Oder zumindest die letzten drei Tage?

In der Zwischenzeit sprechen vier der Tabs (Kinder) mit dir wie die Video-Pop-up-Anzeigen, die aus dem Nichts kommen und immer gleich viel laut sind. Aus unterschiedlichen Gründen, werden einige Dinge dann einfach vergessen: Jacken, Rucksäcke, die Karte an deine eigene Mama zum Muttertag abzuschicken, die seit einem Monat auf deinem Schreibtisch liegt, SMS an Leute zurücksenden…

3. Jeden Morgen das Haus zu verlassen, ist im Grunde wie im Film „Jumanji“ zu leben.
Ich mache dieses vier Kinder-Ding jetzt bereits seit neun Monaten durch, so dass das Chaos bereits zu meinem „normalen“ Alltag geworden ist. Vor ein paar Wochen hatte ich z.B. einen Arzttermin am frühen Morgen, also musste mein Mann alle Kinder fertig machen, ihnen Frühstück machen und um 8:30 Uhr das Haus verlassen. Mein Mann ist wirklich gut in den „Papasachen“. Windeln wechseln, Füttern, Anziehen, du bittest ihn um etwas, und er macht alles sehr gewissenhaft. Allerdings hatte er bis zu diesem besagten Tag noch keinen ganzen Morgen mit allen vier Kindern allein durchstehen müssen. Er traf mich um 8:45 Uhr wieder an. Alle Kinder wurden gefüttert, angezogen und hatten sogar Schuhe an. Als ich ihn fragte, wie es gelaufen ist, antwortete er ganz ruhig: „Ja, also, das war wirklich krass.“

Ich schätze es war so: Das Baby weinte, weil die Dreijährige wieder auf ihr saß, während man verzweifelt versuchte, das Haar der Ältesten zu einem Pferdeschwanz zu bändigen; Der Fünfjährige war nicht in der Lage, die Wörter zu entziffern, die du ihm entgegen warfst auch wenn du sie ihm zum elften Mal wiederholtest. EIN GANZ NORMALER MORGEN EBEN 🙂

4. Bedenke: Nachdem du erste deine und dann allen vier Kindern die Nägel geschnitten hast, hast du am Ende 100(!!!) Nägel geschnitten.
Einhundert Nägel. (Ich merke gerade, dass das ein großartiger Name für eine Band sein könnte, die ich mit meinen Kinder gründen sollte. Allerdings können wir erst anfangen Instrumente zu lernen, wenn wir alle wissen, wie man sich die Schuhe alleine anzieht. Das Wichtigste zuerst.)

5. Wenn wir von Duschen sprechen, ist selbst der kleinste Moment von Privatsphäre längst vorbei.
Ich brauchte buchstäblich nur drei Minuten, um mich von den Klebrigkeiten zu befreien, die durch das Frühstück auf mir gelandet sind. Die ganze Zeit stand ein kleiner Schatz draußen und fragte, ob ich schon fertig sei, weil sie mir einen Trick zeigen müsse. „Bist du jetzt fertig?“ „Ich bin in zwei Minuten fertig, du kostbarer Engel meines Laibes! „(Ich sage das natürlich immer so, oder so ähnlich)“ OK … „(sieben Sekunden später)“ Und jetzt? Sind jetzt zwei Minuten um?“ Also habe ich die winzige Restzeit die mir beim Duschen eigentlich noch blieb, aufgeben. Ich wurde beim Abtrocknen gehetzt und zu der Vorführung des „Tricks“ gebeten. Aber Hey, es war ein grandioser Trick…  Das Kind hatte eine kleine Decke auf dem Boden ausgebreitet.. und ist dann rüber gehüpft…Wow…. -.-

6. Eines der spaßigsten Sachen an vier Kindern ist das Vergnügen, für vier pingelige Esser kochen zu „dürfen“.
Wenn du für vier kleine Essenskritiker kochst, wirst du nie eine Mahlzeit zubereiten, die jeder mag. Das ist tatsächlich ETWAS frustrierend. Deshalb arbeite ich daran, meinen Kindern beizubringen, wie sie sich verhalten sollen. Das heißt, nicht ständig Mamas Essenauswahl und die harte Arbeit kritisieren, weil sie sonst das Abendessen überspringen und auf das Frühstück warten müssen. Ich versuche stets folgende Regel zu implementieren: Also, wenn sie fragen, was es zum Abendessen gibt und ich dann beschreibe, was es Leckeres gibt, dann DÜRFEN sie auf eine von zwei Arten antworten: 1) „Toll! Danke, Mama! „Oder 2) „OK!“ Wenn ich nicht nach ihrer Meinung zum Essen gefragt habe, dann dürfen sie diese Worte einfach für sich behalten!

7. Du badest deine Kinder wahrscheinlich seltener, als damals, als du nur ein oder zwei Kinder hattest.
Natürlich mache ich das nicht. Meine Kinder sind stets porentief rein und glänzen förmlich vor Sauberkeit…  *hust* Ich hörte von anderen Müttern mit vier Kindern, die ihre Kinder nur alle paar Tage baden, weil die einfach keine Lust darauf haben, jeden Tag Stunden im Bad zu verbringen (und es selbst nicht schaffen, länger als drei Minuten zu duschen)

8. Fremde kommentieren deinen Fortpflanzungszeitplan und starren euch an.

Siehe oben.

Doch obwohl der Tag durch das ganze Chaos und auch des unangemessenen Benehmen, dreckigem Geschirr, Krümeln und dreckigen Autos fast aus den Fugen platzt, und obwohl du mit einem Baby in der Trage aussiehst wie ein Oktopus, und obwohl die „Wäschelage“ so schlimm ist, dass man sogar erwogen hat, eine FKK-Kolonie zu gründen, und obwohl, warte … worauf wollte ich eigentlich hinaus???

Ach ja. OK, auch wenn all diese Dinge das Leben schwer und kompliziert machen und manchmal dein Kopf fast explodiert… Jedes Mal, bei jedem einzelnen Baby, bist du so hin und weg, dass du etwas so Schönes wieder lieben darfst. Und am Ende des Tages, wenn all diese zuckersüßen Engel schlafen und du ein Glas Rotwein und eine Tüte Schokobons genießt, wenn du eng an deinen Ehemann gekuschelt einen Film guckst, stellst du immer wieder fest, dass dein Leben ein Geschenk ist. Dass deine Kinder wundervoll sind. Du möchtest nichts daran verändern (Okay… vielleicht hätte ich gerne ein paar Putzfeen und einen Koch, aber sonst wirklich nichts!)

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