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Ein Gastbeitrag von Sabine aus Hamburg

Kannst du dich noch an folgenden Satz aus deiner Kindheit erinnern? „Schatz, wir wünschen uns nichts zu Weihnachten. Wir sind froh, wenn wir dir beim Öffnen der Geschenke zugucken können!“ Sie haben sich offensichtlich wirklich darüber gefreut und ich konnte es nicht verstehen. Wer will denn bitte keine Weihnachtsgeschenke?! Und als ich dabei war, meinen Wunschzettel auszufüllen, konnte ich mir nicht vorstellen, irgendwann mal keinen mehr zu schreiben. Würde es mir wirklich irgendwann mal Spaß machen, anderen beim Geschenke auspacken einfach nur zuzusehen? Werde ich auch jemals so etwas wie „Ich wünsche mir eigentlich gar nichts.“, sagen?

Meine Eltern sagten genau diese Sätze Jahr für Jahr. Sie stellten uns Kinder an die erste Stelle und sie sorgten stets dafür, dass unser Weihnachten etwas besonderes und magisches war. Sie haben sich wahrscheinlich gegenseitig Geschenke geschenkt – ich erinnere mich allerdings nicht wirklich daran. Ich weiß noch, dass ich alle möglichen selbst gebastelten Schätze aus der Schule mitgebracht habe und sie haben sich von Herzen darüber gefreut.

Diese selbst gebastelten Dinge hängen heute noch an der Küchenwand meiner Eltern. Ich weiß allerdings mittlerweile was meine Eltern meinten, wenn sie sagten, dass sie sich eigentlich gar nichts wünschen…..

Ich kann es verstehen, weil ich mittlerweile genauso fühle…..

Die Aufregung am Morgen des Heiligabends – das Gefühl, in der Nacht zuvor nicht einschlafen zu können und am frühen Morgen mit gerade mal genug Licht vom Weihnachtsbaum die Treppe hinunter zu schleichen um zu sehen, ob schon jemand wach ist – diese Gefühle sind immer noch da und das obwohl ich eine 36-jährige Frau und Mama bin. Der Unterschied ist, dass ich mich gar nicht so sehr auf meine Geschenke freue. Ich freue mich darauf, meine Kinder beim Auspacken ihrer Geschenke beobachten zu können.

Ich verstehe jetzt, was meine Eltern meinten. Ich weiß jetzt, was Weihnachten bedeutet, wenn man Mama ist.

Als Mama (und Papa auch) bedeutet Weihnachten, dass man in der Nacht zuvor lediglich drei Stunden Schlaf bekommen hat, weil man bis 2 Uhr morgens wach war, um ein Puppenhaus oder eine Carrera Bahn aufzubauen.

Es bedeutet, um 5 Uhr morgens von aufgeregten, kleinen Menschen geweckt zu werden, die dich atemlos fragen: „Maaamaaaaa, wann kommt der Weihnachtsmann?“ Weihnachten als Mama bedeutet, morgens um sechs Uhr den ersten Weihnachtsfilm als Überbrückung bis zur Bescherung anzumachen und sich gemütlich im Schlafanzug dazu zu setzen.

Weihnachten als Mama bedeutet einer entzückten kleinen Stimme zu lauschen, die flüstert: „Mami! Der Weihnachtsmann war da!“

Weihnachten als Mama ist gefüllt mit Freude über die strahlenden Augen der Kleinsten, wenn sie das langersehnte Barbiehaus entdeckt und ihr Glück kaum fassen kann…..

Es ist die Aufregung, die in mir aufsteigt, wenn der große Sohn seinen ersten Laptop auf dem Schoß betrachtet…..

Weihnachen als Mama bedeutet, die Freude der Kinder zu spüren, als sie nach ihren Namen auf den Schachteln und Geschenkbeuteln unter dem Baum suchen, jedes einzelne aufheben, schütteln, um zu erraten, was es ist, und es dann auszupacken…..

Wenn du dann hörst, wie dein Kind dir sagt: „Das ist genau das, was ich mir so gewünscht habe“, dann geht dein Herz auf und du bist einfach nur selig.

Weihnachten bedeutet, dem Papa einen verschmitzten Blick zuzuwerfen und mit dem Glas Rotwein anzustoßen, weil die Geschenke anscheinend richtig gut ankommen.

In der Zeit, als die Kinder noch ganz klein waren, war der Zauber noch nicht so da aber spätestens dann, wenn das erstes Kind drei oder vier Jahre alt wird und seinen ersten bewussten Heiligabend erlebt und wenn es tatsächlich verstehen kann, wer der Weihnachtsmann ist, und ihm einen ersten Wunschzettel gemalt hat, dann weiß man, was die eigenen Eltern wirklich gemeint haben.

Meine Mama fragt mich heute immer noch, was ich mir zu Weihnachten wünsche und meistens sage ich sowas wie „neue Leggins“ oder „ein paar gestrickte Socken“ und dann lächelt sie. Selbst heute bekomme ich immer noch eine kleine Überraschung, von der ich nichts wusste. Ich bin ihr Kind, das hört halt nie auf.

Das aller schönste jedoch an Weihnachten ist, die Gesichter meiner Kinder an Heiligabend beobachten zu können. Anstatt meinen eigenen Wunschzettel zu schreiben, verbringe ich die Zeit also damit, endlich das heiß ersehnte Schleichpferd zu finden, das sich meine Tochter so verzweifelt wünscht, oder für meinen Sohn das letzte Set Lego Star Wars zu ergattern. In der Nacht vor Heiligabend suchen mein Mann und ich in den Verstecken nach all den Geschenken, wir bauen auf, verpacken, schreiben Namen auf Päckchen und bereiten alles vor. Wir sprechen darüber, welches Geschenk wohl jeweils welchem Kind die größte Freude bereiten wird, wir planen den Tag genauestens vor und wir richten uns auf wenig Schlaf ein.

Und irgendwann spät nachts können wir uns für eine kleine Pause ins Bett schleichen, bevor das Chaos des nächsten Tages ausbricht. Wenn wir dann die Treppe zu unserem Schlafzimmer hinauf gehen, dann werfe ich immer einen letzen Blick auf unser weihnachtlich geschmücktes Wohnzimmer und dann sehe in diesem Moment genau das, was meine Eltern auch gesehen haben. Und ich weiß genau, was sie meinten, als sie mir gesagt haben, dass sie sich eigentlich nichts wünschen.

Wenn du diese ersten „Mami, guck doch, was der Weihnachtsmann mir gebracht hat“ Freudenschreie hörst, und dein Kind eine „Transformers Aktion Figur“ oder ein „Mein kleines Pony“ hochhält und strahlt, dann, ja dann fühlst du es. Du hörst die Stimmen deiner Eltern in deinem Kopf: „Das Schönste an Weihnachten ist, dir zusehen zu dürfen, wie du all deine Geschenke auspackst.“

Jetzt verstehe ich euch, Mama und Papa.

Und spätestens dann merkst du, dass der Weihnachtsmann dir genau das geschenkt hat, was du dir immer gewünscht hast.

Frohe Weihnachten.

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