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… wie geht es dir eigentlich so als Alleinerziehende?

Ist eine Frage, die in letzter Zeit öfter mal an mich herangetragen wurde. Hmm…. Ich selbst hab´ eigentlich noch nicht so wirklich darüber nachgedacht. Es ist einfach so und ich habe mich selbst dafür entschieden. Ich bin nicht der Mensch, der allein nicht klar kommt – ganz im Gegenteil. Für meinen Teil kann ich sagen, dass ich ab und an schon ganz gerne mit meinen Mädels allein bin. Geballte Frauenpower sozusagen oder ein kunterbunter Hühnerstall ;-). Doch immer wieder kommen Kinder mit der Frage nach einer “richtigen” Familie auf mich zu.

Aber was ist überhaupt eine “richtige” Familie? Ist nicht diese lapidare Aussage schon trügerisch, irreleitend oder gar besetzt mit einer Definition, die es per se gar nicht gibt?

Wir sind im Zeitalter einer modernen Gesellschaft, in der nicht nur multi-kulti Einfluss genommen hat, sondern auch verschiedene familiäre Lebensformen zum Weltbild gehören. Doch trotzdem fragen immer mal wieder Kinder im Kindergarten nach dem Papa, der bei uns fehlt. Meine Tochter spult daraufhin ihre Phrasen ab: “Mein Papa wohnt woanders” oder “Mein Papa ist ausgezogen” oder “Mein Papa ist bei der Arbeit”. Je nachdem, wie sie gerade drauf ist. In den Köpfen der Kindergarten-Kinder scheint das Mutter-Vater-Kinder-Modell das Modell der “richtigen” Familie zu sein, obwohl ja meine Kleine nicht das einzige Kind ist, das in einer Ein-Elternfamilie aufwächst. Und wer sagt überhaupt, dass die Kinder immer bei der Mutter bleiben? Unter meinen Schülern gibt es auch Kinder, die bei ihren alleinerziehenden Vätern leben und in meiner Nachbarschaft leben zwei Frauen mit zwei Kindern. Es gibt also viele Varianten… So weit, so gut. Es geht ja hier um mein Empfinden als Alleinerziehende und der Frage, wie es mir damit geht.

Kurzum: Es geht mir gut damit – meistens. Also nicht immer, aber doch ganz schön oft.

Ich habe beide Facetten erlebt; verheiratete Familie mit Partner, getrennt mit Kind, zusammenlebend mit Kindern und nun allein mit Kindern. Es ist halt viel passiert und einfach ist es in Patchwork-Systemen wahrlich nicht. Nach fast fünf Jahren habe ich mich vom Patchwork-System verabschiedet. Bewusst. Es hat nicht gepasst – als Familie irgendwie mit Ach und Krach, als Paar dann immer weniger und dann war eine Trennung der beste Weg, um als Eltern gut miteinander umgehen zu können. Zwar ist es teilweise blöd für die Kleine, aber immer noch besser, als in einer Familie mit Spannungen zu leben… Auch wenn dadurch mein Traum von meiner Familienvorstellung geplatzt ist. Aber wie das so ist – mit geplatzten Träumen -, wer weiß wofür es gut ist???

Zurück zur Frage. Meistens geht es mir gut, aber manchmal auch eben nicht. Da fühle ich mich komplett überfordert und würde mich verhalten wie der Strauß: Kopf in den Sand und nix mehr sehen und hören… Aber das geht ja nicht. An wen sollen die Kinder ihre Bedürfnisse denn sonst richten? “Mama, können wir dies? Mama, dürfen wir das? Mama, kannst du mich da hinbringen?” usw. Papa fragen geht ja nicht 🙁

Gerade an den Wochenenden, wenn niemand anders gefragt werden kann, ist das schon blöd. Mama hat halt immer Dienst! Um mich besser abzugrenzen, schiebe ich kleine Kaffeepausen ein. Für eine Cappuccino-Länge möchte ich dann mal Zeit für mich haben. Mittlerweile akzeptieren die Kinder das auch – meistens… und dann geht es mir gut 🙂 Kleine Auszeiten brauche ich auch, sonst gehe ich zugrunde. Gerade mit meinem Depressionshintergrund ist das unbedingt notwendig, um nicht wieder in ein Loch zu fallen. Alleinerziehende, Workaholics, Lehrer und so sollen ja besonders davon betroffen zu sein. Ups, ich zähle ja zur Risikogruppe!

Ich weiß das ja und versuche, mir oft kleine Inseln des Glücks zu schaffen. Da kommt die Sonne in meinem Garten gerade gelegen. Auch Achtsamkeitsübungen helfen mir ganz gut und ich komme zurecht. Abends, wenn die Kinder schlafen, freu ich mich dann auf meinen Abend ohne Partner, der etwas mit mir besprechen möchte. Bei einem Ruhebedürfnis habe ich damit einen Vorteil, aber was ist, wenn ich eine Schulter zum Anlehnen benötige? Ich kann ja immer noch telefonieren und mich mit meinen Freunden austauschen aber so vis-á-vis wäre ja auch nett.
Spontane Treffen in einer Bar, im Kino oder bei Freunden sind dann nicht drin. Wer passt denn auf die Kinder auf? Für geplante Veranstaltungen kann ich schon mal einen Babysitter organisieren – wenn es auf der anderen Seite terminlich passt – aber sonst? Geht halt nicht! Es ist keiner da, der sagt “Schatz geh´ ruhig, ich bin ja hier!” oder “Kein Problem, mach´ dir nen schönen Abend.” Der unternehmungslustige und spontane Teil von mir liegt irgendwo brach. Meine Freunde wissen das und kommen auch mal gern vorbei, aber mal ehrlich: Will man sich immer bei sich daheim treffen? Nein! Ich möchte auch mal wieder da hin, wo das Leben tobt! Unter Leute kommen! Nicht immer “Mama” genannt werden, Menschen kennenlernen… Aber jetzt gibt es dafür kaum Möglichkeiten. Meine Zeit ist irgendwann später. Und darauf freue ich mich!

Wie seht ihr das so, ihr Alleinerziehenden da draußen??? Wie geht ihr persönlich mit eurer Situation um?

Originaltext von Limalisoy

3 Kommentare

  1. Unterschreibe ich Wort für Wort. Mir geht es genauso.
    Ab und an denke ich mir sogar, dass einige Situationen einfacher zu handhaben sind. Zum Beispiel dass ich meine seltenen freien Momente dann nicht noch nach dem Partner richten muss.
    Jedoch gibt es genauso die Tage an denen man einfach mal den Durchhänger haben möchte und nicht funktionieren will. Dann sehne ich so eine starke Schulter schon herbei.

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