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Ein Gastbeitrag von Julia aus Erlangen

Die letzen Jahre waren durchaus turbulent, wenn man bedenkt, dass ich eigentlich keine Kinder hätte kriegen können. Das wurde mir jedenfalls gesagt, als ich 25 Jahre alt war. Ich schloss mit dem Thema irgendwann ab, lernte meinen Mann kennen und wurde schwanger.

Meine Schwangerschaft war also wirklich eine Überraschung.

Ich liebte es, schwanger zu sein. Ich liebte meinen Bauch und ich liebte den Zustand im Generellen total. Wenn man sich bereits damit abgefunden hatte, nie schwanger sein zu können, dann ist die Schwangerschaft wirklich ein großes Erlebnis. Ich hätte nie gedacht, dass ich diese wunderbaren kleinen Tritte im Bauch und auch die Übelkeit der ersten Monate erleben darf und ich hatte nie gedacht, dass ich jemals ein Umstandskleid tragen werde. Tja, ich war ein vollwertiges Mitglied im Club der dicken Bäuche.

Ich segelte quasi mit Leichtigkeit durch die Schwangerschaft und hatte lediglich Schwangerschaftsdiabetes, die hauptsächlich aufgrund genetischer Faktoren auftrat. Die Schwangerschaftsdiabetes konnte ich allerdings stark strikter Diät super in den Griff bekommen. Es ging mir insgesamt verdammt gut in dieser Zeit.

Alles änderte sich schlagartig, als bei einer Routineuntersuchung in der 38 Ssw. das CTG auffällig war. Mein Sohn stand unter Stress, irgendetwas stimme nicht und ich wurde direkt ins Krankenhaus überwiesen, wo am nächsten Morgen ein Kaiserschnitt gemacht werden sollte. Das war so zwar nicht geplant aber mir war die Gesundheit meines Babys natürlich viel wichtiger als meine ursprünglich herbei gewünschte vaginale Geburt.

Der Kaiserschnitt verlief gut. Ich hörte meinen Sohn direkt weinen, als er draußen war. Mein Mann ging mit der Hebamme ins Nebenzimmer, um die Nabelschnur durchzuschneiden. Ich wollte so schnell wie möglich auch zu ihnen. Im Laufe der Zeit wurde ich immer nervöser, weil es eine gefühlte Ewigkeit dauerte, bis der Arzt fertig war mit seiner Arbeit. Ich lag da und fragte mich, ob wohl alles in Ordnung mit mir sei, aber mir wurde nichts gesagt. Nach 45 Minuten war die Operation vorbei und ich hörte die Chirurgin endlich etwas sagen: „Placenta accreta!“

Wenn bei dir auch Placenta Accreta diagnostiziert wurde, dann wirst du wissen, warum das so ein beängstigendes Ereignis sein kann. Solange man kein Kind geboren hat, weiß man ja auch gar nicht, dass es dazu kommen kann. Erstens: Man kann eine Placenta accreta meistens nicht auf dem Ultraschall vorab erkennen. Zweitens: Es kommt häufig zu so extremen Blutungen, dass eine Bluttransfusion notwendig ist. Drittens kann die Erkrankung zu einer sofortigen Hysterektomie (Entfernung der Gebärmutter) führen, die für die meisten Frauen verheerend sein kann, wenn Frauen denn mehr als ein Kind bekommen wollen und außerdem besteht die Gefahr, dass man unter der Geburt stirbt.

Für die, die es nicht wissen:

Zitat Wikipedia:

„Als Placenta accreta bezeichnet man in der Geburtshilfe eine Störung der Plazentahaftung, bei der die Plazenta mit der Gebärmuttermuskulatur verwachsen ist. Dadurch löst sich die Plazenta nach der Geburt des Kindes nicht und es kann zu erheblichen Blutungen kommen. Die Placenta accreta kommt bei etwa einer von 2.500 Schwangerschaften mit steigender Häufigkeit vor.“

Die Blutgefäße und andere Teile der Plazenta wachsen tief in die Gebärmutterwand ein und verhindern so, dass sich die Plazenta auf natürliche Weise löst, wie es nach der Geburt des Babys der Fall sein sollte.

Mein Chirurg hat es damals geschafft, meine Gebärmutter während der Operation retten zu können. Gott, ich war ihm so dankbar. Denn, da wir es schon einmal geschafft hatten, schwanger zu werden, so wollten wir es zumindest auf einen weiteren Versuch ankommen lassen. Und man glaubt es kaum aber zwei Jahre später wurde ich erneut schwanger 🙂 Ich entschied mich für dasselbe Krankenhaus und denselben Chirurgen, der beim letzten Mal schon so einen tollen Job gemacht hatte.

Während der zweiten Schwangerschaft erhielt ich quasi eine Dauerkarte für Ultraschalltermine, es gab sehr viele davon und außerdem musste ich viel häufiger zur Vorsorge, weil mein Arzt diesmal ja alarmiert war. Leider ist es nämlich so, dass man einem höheren Risiko ausgesetzt ist, wenn man schon mal eine Placenta accreta hatte. Alle Ultraschalluntersuchungen zeigten jedoch: Keine Anzeichen auf eine erneute Placenta accreta.

Der zweite Kaiserschnitt rückte näher und ich war wieder mal total aufgeregt, denn endlich würde ich meine Tochter kennenlernen können. Alles verlief nach Plan……

Meine Tochter schrie, als sie auf die Welt kam und mein Mann stand mir zur Seite und trennte die Nabelschnur durch. Ich wusste sofort, dass wieder etwas nicht stimmte, denn eigentlich hatten sie mir versprochen, dass ich diesmal einen längeren Blick auf mein Baby werfen könnte aber das passierte nicht und sie wurde mit samt meinem Mann aus dem OP gebracht. Diesmal hatte ich weniger Angst und fragte meinen Chirurg über den Vorhang: „Wie geht’s meiner Plazenta?“

Die Antwort war nicht das, was ich hören wollte. „Es sieht nicht gut aus, Julia“, sagte er.

Ich hatte plötzlich eine scheiss Angst. Ich wusste immerhin jetzt, dass sie gerade versuchten, mich vor einer Hysterektomie zu bewahren. Ich hatte mich zwar innerlich darauf eingestellt, dass es dazu kommen könnte aber IN der Situation hatte ich einfach Angst um meine Gebärmutter.

Ich werde nie vergessen, wie ich da lag und an die Decke starrte um in den OP Lampen meinen Chirurg beim Versuch meine Plazenta von der Gebärmutter zu lösen, beobachten zu können.

Mein Chirurg nähte die Wunde und er bemerkte plötzlich, dass sich mein Katheterbeutel mit Blut füllte. Eine Stunde lang haben sie alles gegeben und mich minütlich überwacht. Die Blutung hörte allerdings nicht auf und ich musste zurück in den OP.

Nach einer 4-stündigen Operation wurde mir gesagt, dass der Chirurg beim Versuch, meine Plazenta zu entfernen, nicht bemerkt hatte, dass meine Blase ebenfalls an der Plazenta klebte und beim Versuch, meine Plazenta zu lösen, riss meine Blase. Ich hatte im Grunde genommen innere Blutungen, dass schnallte ich aber erst als man mich in Vollnarkose legte und ich erst nach Stunden wieder aufwachte.

Infolgedessen wurde ich nicht nur mit einer zweiten Plazenta accreta, sondern auch mit einer zerrissenen Blase und einer doppelten Bauchoperation „gesegnet“. Ich wurde mit einem Katheter, einem frischgeborenen Baby, einer mittelschweren Depression und einer riesigen Bauchwunde nach Hause entlassen.

Um es kurz zu machen: Placenta accreta ist großer Mist und es kann zu Folgeschäden kommen. Die Frauen, die eine vaginale Geburt haben, obwohl sie eine Placenta accreta haben, können bei Versuch die Plazenta vaginal zu gebären leider verbluten.

Am Ende kam der Katheter wieder raus und ich muss fortan mit einer halben Blase leben. Ich will mich allerdings nicht beschweren, denn ich habe zwei gesunde Kinder und das obwohl ich eigentlich nie hätte Kinder kriegen können.

Eine Sonographie während der Schwangerschaft kann den Zustand der Plazenta gut darstellen und wenn vorab bekannt ist, dass eine Placenta accreta vorliegt, dann lässt sich durch einen geplanten Kaiserschnitt das Schlimmste verhindern.

 

 

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