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Ein Gastartikel von Tanja D.

Liebe Kinder,

ich weiß, dass ich heute Morgen die Nerven verloren habe, als ich wagemutig einen Blick in eure Zimmer geworfen habe aber die Sache ist die: Mich trifft keine Schuld. Als ich euch gestern gefragt habe, ob eure Zimmer aufgeräumt sind und ihr gerade mal wieder in andere Sachen vertieft ward und so etwas wie „Jahaaaa“ gemurmelt habt, konnte ich das leider nicht ganz glauben und so musste ich selber hochgehen, um mich selbst davon zu überzeugen. Vielleicht klingt das jetzt alles etwas verrückt aber nur für das Protokoll: Das hier ist kein Entschuldigungsbrief. Nein. Das ist ein „Wie es ab jetzt zu laufen hat“ Brief, also gut hört zu, ihr Süßen:

Ich habe eine brandneue Info für euch, liebste Kinder: Ich bin eure Mama. Ich bin die Bienenkönigin in diesem verdammten Bienenstock. Ich bin allerdings nicht das Dienstmädchen, der Butler oder eine verdammte Türmatte. Ihr seid jetzt alt genug, um es besser zu wissen. Ich habe euch so oft gesagt, dass ihr euer Chaos bitte selber beseitigt, dass es mir schon fast körperlich weh tut, wenn ich versuche zu zählen, wie oft ich euch das schon gesagt habe. Ich bin es leid. Anscheinend muss ich hier immer noch den Ton angeben, leider.

Ihr habt euch alle gefragt, warum ich mich „ständig“ „so doll“ über „das bisschen Unordnung““ aufrege. Das kann ich euch gerne beantworten, Freunde: Es regt mich auf, weil ich auf Knien schmutzige Unterwäsche und Socken, die unter euren Betten wohnten, zusammen sammeln musste. Ich sah Dinge, die eine Mutter nicht sehen sollte. Dinge, die mir die Zehennägel nachkommen liessen, weil sie so verdammt ekelig sind! Oh, und P.S.: Eure Vorhänge sind keine Taschentücher!

Nach dieser filmreifen Scharade kam ich mit Armladungen voller „knuspriger Wäsche“ die Treppe hinunter und stolperte direkt über deine Schuhe, Benno, die du dort einfach stehen gelassen hattest. Es ist ja nicht so, als hätten wir einen überdimensionalen Schuhschrank fünf Meter weiter stehen, nein, es musste direkt in der Mitte des Treppenansatzes sein.

Während ich die Wäsche in die Maschine stopfte, rutschte ich fast wieder auf den Pipi-Spuren aus, die um die Toilette herum drapiert wurden und landete erneut fast wieder auf dem Boden, den ich jeden Tag sauber wische. Sagt mir nicht, dass ihr mein Fluchen NICHT gehört habt. Hinzu kommt, dass ihr es anscheinend immer noch nicht schafft, euch den Hintern richtig abzuwischen, geschweige denn einen Blick in die Toilette zu werfen, nachdem ihr euer Geschäft verrichtet habt!

Ich habe eure Ausreden so satt. Ich will euch nicht immer an alles erinnern müssen. Und wenn ich nochmal eine Bonbonverpackung unter einem Bett, Sofa oder Stuhl entdecke, dann raste ich aus. Oh, wartet, ich raste jetzt schon aus! Denn wisst ihr was? Das wird das letzte Mal sein, dass ihr mich schimpfen und laut werden hört, nur weil ihr euch nicht um das kümmert, was ihr verzapft- und das schließt vor allem euren Urin und eure Körperausscheidungen mit ein.

Ich bin meinetwegen gerne der Clown für die Dinge, die Spaß machen aber das Thema Sauberkeit und Ordnung schließe ich hiermit offiziell ab. Ab jetzt schmeisse ich alles rigoros weg, was nicht weggeräumt wurde. Ja, auch die Playstation. Freunde, die hier ein und ausgehen gehören der Vergangenheit an, solange das hier nicht geklärt ist. Ich habe kein Problem damit, vor euren Freunden einen affigen Tobsuchtsanfall zu schieben. Genauso wie ihr anscheinend kein Problem damit habt, mir beim Entfernen eurer Körperflüssigkeiten, zuzusehen.

Und glaubt ja nicht, dass ich etwas nicht merke. Die schmutzige Unterwäsche auf dem Boden, die dreckigen Handtücher, die nie aufgehängt werden, und den Apfelkern, den du unter den Sofakissen versteckt hast, lieber Tim, werden meinen wachsamen Augen NICHT entgehen. Das sind nämlich alles Dinge, die man einfach nicht übersehen kann, und somit wird es hier schneller ungemütlich werden, als man sein altes Kaugummi auf die Fensterbank legen kann.

Das ist doch nicht zu viel verlangt. Solche Dinge passieren nicht, weil man sie „vergessen“ oder „nicht gewusst“ hat. Jeder Mensch weiß, dass Zahnpasta nicht aufs Fensterbrett gehört und gebrauchte Zahnseide nicht auf dem Badewannenrand entsorgt wird.Solche Dinge passieren, weil man faul ist und sich einen Dreck darum schert, wenn man im Dreck lebt. Ihr Lieben, ihr könnt mir ruhig glauben, wenn ich euch sage, dass ich euch durchschaut habe. Ich kenne alle eure Ausreden, um ich habe sie ein für alle Mal satt.

Haben wir uns da richtig verstanden? Großartig. Ich wünsche euch gutes Gelingen beim Beseitigen eures Chaos.

Eure Mama

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