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Hier schreibt Leserin Isabelle aus München für euch.

Können wir bitte mal ganz kurz über die Art von Eltern sprechen, die ihre Kinder auch dann komplett ignorieren, wenn diese andere Kinder bis zur Weißglut ärgern oder eine komplette Gruppe stören? Oh ja, bitte.

Ich gebe euch mal ein aktuelles Beispiel, damit ihr wisst, wovon ich rede: In unserer Gegend gibt es eine Bibliothek die ab und an eine Märchenstunde für Kinder von 4 bis 6 Jahren anbietet. Jeden Tag werden den Kindern neue und altbekannte Märchen vorgelesen. Da wir eh gerade Ferien hatten, wollte ich eigentlich mit meiner 5-Jähigen Tochter einmal am Tag daran teilnehmen. Es müssen um die sechs oder sieben weitere Familien mit ihren Kindern im Vorschul- und Kindergartenalter dieselbe Idee gehabt haben. Die Kinder saßen auf dem Boden vor dem Geschichtenerzähler, und die Eltern saßen etwas weiter entfernt auf Bänken und lauschten ebenso.

Die Vorlesestunde begann mit einem sehr lustigen Märchen. Der Geschichtenerzähler zückte zusätzlich ein paar Marionetten und Requisiten und fing an, die Geschichte lebhaft vorzutragen.

Ein paar Minuten später kam ein kleines Mädchen zum Geschichtenerzähler und zog an seiner Marionette. Er lächelte und hielt ihre Hand etwas auf Abstand und erzählte die Geschichte weiter. Das passte dem Mädchen nicht. Sie sprang auf den Erzähler zu, und wollte ihm die Marionette aus der Hand reißen. Plötzlich fing ein kleiner Junge an nach den anderen Requisiten zu greifen, die sich vor dem Geschichtenerzähler befanden. Relativ unbeeindruckt räumte er die Requisiten hinter sich, damit er weiterlesen konnte. Ebenso unerschrocken versuchten das kleine Mädchen und der Junge nun hinter den Geschichtenerzähler zu kommen, um an die anderen Requisiten zu gelangen. Der Geschichtenerzähler tat sein bestes, er bat die beiden freundlich, sich doch bitte hinzusetzen, was sie auch etwa drei Sekunden lang taten, bevor sie wieder versuchten, an seine Requisiten zu kommen.

Dieses Verhaltensmuster ist für Vorschüler bzw. Kindergartenkinder nicht ungewöhnlich, es stört nur sehr. Aber: Es sind Kinder. Mich überraschte daran nur die Reaktion der Eltern der beiden störenden Kinder, die nämlich einfach NICHTS taten, um ihre Kinder davon abzuhalten, den anderen zuhörenden Kindern die Show zu verderben. Ich schaute sie immer wieder an und wartete darauf, dass sie eingriffen, aber nein – es kam nichts außer ein bewunderndes Lächeln aus ihnen heraus.

Es war nicht das erste Mal, dass ich miterleben musste, dass Eltern zulassen, dass ihre Kinder ganz bewusst eine Situation eskalieren lassen. Ich habe miterlebt, wie Eltern ihr Kleinkind während einer musikalischen Darbietung auf die Bühne klettern ließen.

Ich bin kein großer Fan von Verurteilungen aber ich kann mir einfach nicht erklären, wieso es Eltern gibt, die ihren Kindern lediglich dabei zuschauen, wie sie etwas kaputt machen, ohne den Versuch zu unternehmen, sie davon abzuhalten.

Was stimmt denn nicht bei denen? Sind sie etwa so verblendet, dass sie tatsächlich glauben, dass ihre Kinder einfach so hinreißend sind, dass alles, was sie tun, dadurch gerechtfertigt ist? Glauben diese Eltern, dass ihre Kinder das Recht dazu haben, alles tun und lassen zu können, was sie wollen, unabhängig davon, wie es sich auf andere auswirkt? Oder handelt es sich eventuell nur um eine allgemeine Ahnungslosigkeit? Ich möchte diese Mentalität wirklich gerne verstehen können. Wie kann man einfach nur zuschauen und keinen Finger rühren und kein Wort sagen, wenn ein Kind eine Vorstellung stört oder ein Spielzeug eines anderen in tausend Stücke zerlegt? WIE GEHT DAS?

Ich gehöre nicht zu denjenigen, die glauben, dass Kinder ALLES dürfen. Ich finde es toll, dass Kinder heutzutage gesehen und anders behandelt werden als noch von 40 Jahren ABER mich ärgern Eltern, die schlechtes Benehmen als „süß“ deklarieren. Es ist NICHT süß.

Ich bin von Natur aus kein Mensch, der immer auf Konfrontationskurs geht, ich fühlte mich also nicht wohl, als ich mich in die Situation in der Bibliothek einmischte und den Kindern sagte, sie sollten bitte aufhören, sich die verdammten Requisiten zu schnappen. Und das war eigentlich auch NICHT MEINE Aufgabe, denn eigentlich saßen die Eltern der Kinder ja in Griffweite und sahen, wie sich das alles entwickelte. Es tat mir wirklich leid für den Geschichtenerzähler, der offensichtlich total irritiert war und sich sehr bemühte, es den Kindern nicht zu zeigen. Die Eltern guckten mich alle an, dem Geschichtenerzähler war es unangenehm und er verließ den Raum.

Ich weiß, dass es Hunderte von Möglichkeiten gibt, Kinder zu erziehen und ich respektiere, dass verschiedene Erziehungsstile für verschiedene Menschen gut funktionieren. Aber es gibt so etwas wie eine allgemein gültige Höflichkeit. Wenn mein Kind versuchen würde, die Requisiten eines Geschichtenerzählers zu schnappen, dann würde ich mein Kind zu mir nehmen und ihm NETT erklären, dass es damit aufhören soll. Wenn es weitermachen würde, würde ich es dazu bringen, bei mir sitzen zu bleiben. Wenn es dann immer noch weitermachen würde, dann würde ich die Situation VERLASSEN. So schwer ist das doch nicht, oder?

Kinder mit besonderen Bedürfnissen bekommen einen zusätzlichen Spielraum. Ich weiß, dass es gewisse Entwicklungsverzögerungen und Herausforderungen gibt, die zu Wutausbrüchen oder lauten Gefühlsäußerungen führen können, und ich denke nicht, dass Kinder mit besonderen Bedürfnissen daran gehindert werden sollten, eine derartige Vorstellung genießen zu können. Aber auch in dem Fall muss es Grenzen geben, die dem Kind vermittelt werden. Eine grundlegende soziale Etikette kann von fast jedem gelernt werden, aber sie muss gelehrt werden.

Ich finde, dass Eltern aufhören müssen, ihren Kindern bewusst dabei zuzuschauen, wie sie sich wie Ar…….. benehmen. Wenn ein Kind stört, oder andere Kinder bewusst daran hindert, etwas lernen zu können, dann sollte man dem Kind aufzeigen, dass es so nicht geht. Wenn man mitbekommt, dass ein Kind bewusst gegen Regeln verstößt, so sollte man auch da eingreifen. Wenn man mitbekommt, dass ein Kind bewusst unhöflich ist, dann sollte man ihm deutlich eine bessere Verhaltensweisen aufzeigen. Nett und freundlich, versteht sich.

Kein Kind kann von Anfang an wissen, wie man sich in einer Gruppe verhält. Wir müssen ihnen zeigen, wie ein soziales Miteinander überhaupt funktioniert. Ist das nicht etwas, worüber wir uns alle einig sind?

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