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Ein Gastbeitrag von Tatjana aus Leipzig

Ich bin die Mama von Emma, Leon und Anna. Ich begegne andauernd Aussagen, die angeblich nur Jungs betreffen. Das sind stereotype Geschlechterrollen, die ich total ablehne…Spätestens dann, als mein kleiner Leon neulich mit Nagellack auf den Fingern in den Kindergarten ging, war klar: Bei mir ticken die Geschlechter-Uhren anders…..

Kennt ihr die folgenden Aussagen?

1. „Na, der wird bestimmt mal ein echter Frauenheld!“

Ich fragte im Freundeskreis mal nach, welche Aussagen meine Mädels am meisten hassen, wenn es um ihre Söhne geht und der o.g Satz stand auf Platz 1. Wir haben es alle schon selbst  erlebt: Ein paar Kleinkinder graben glücklich im Sandkasten und wenn es sich dabei um ein Jungen und zwei oder mehr Mädchen handelt, kommt es zwangsläufig zu doofen Sprüchen. „Der Hahn im Korb, hahahaha!“ Oder: „Na, der weiß auch, wie man gleich zwei Frauen um sich scharrt, hahahahaha!“ Oder es ist ein anderer doofer Spruch, der romantische Absichten in Richtung Kinder suggeriert. „Ich hasse es, wenn Mädchen und Jungen zusammen spielen und die Leute seltsame Kommentare abgeben“, sagte meine Freundin Nadja. „Wie pervers ist das bitte?, fragte sich meine Freundin Anja. Recht haben sie.

2. „Jungs sind ja viel unkomplizierter als Mädchen.“

Dies ist ein Kommentar der eindeutig auf die angebliche Launenhaftigkeit und Unergründlichkeit von Mädchen abzielt – was wiederum bedeutet, dass Mädchen unmöglich zu verstehen sind und dass Jungs immer gut gelaunt, offen und fröhlich sind. Ha! Aber es bedeutet auch: „Ich habe das gleiche über die Beziehung der Jungs zu ihren Müttern gehört“, sagte meine Freundin Bettina und deutet an, dass Mütter und Töchter sich in den Teenagerjahren anscheinend grundsätzlich fremd werden und sich permanent streiten. Das die Pubertät grundsätzlich eine Zeit ist, in der die Wertvorstellungen der Eltern abgelehnt werden, wird dabei ausgelassen. SO EIN BULLSHIT!

3. „Jungs lieben Fußball!“

Oh, wie mich das ärgert. Natürlich sind Jungs ALLE sportbegeistert und ALLE wollen Fußball spielen. Und Mädchen nicht? QUATSCH. Es steht außer Frage, dass mein Sohn bestimmt gerne mal irgendeinen Sport in seinem Leben treiben wird. Ich muss zugeben, dass selbst mein Mann etwas deprimiert war, als ich erneut mit einem Mädchen schwanger war, weil sein Traum mit seinem Sohn Fußball spielen zu können, wie eine Seifenblase zerplatzte. Das ärgerte mich total, denn mein Mann weiß eigentlich ganz genau, dass ich als junges Mädchen sehr lange Fußball gespielt habe. Und wer sagt eigentlich, dass mein Sohn automatisch Fußball oder Basketball spielen wird? Vielleicht will er ja auch Schach spielen oder Tänzer werden, wer weiß das schon?

4. „Sei ein Mann.“

Vor einiger Zeit beobachtete ich, wie ein kleiner Junge aus der Nachbarschaft sich beim Toben mit anderen Jungs das Knie verletzt hat und weinend zu seinem Papa rannte. Dieser schnauzte ihn an, er solle sich mal „wie ein Mann“ benehmen. Ich dachte, ich hör nicht richtig. Meine liebe Freundin Christina sagte dazu: „Ja, ich liebe die Kommentare von Männern, die darauf abzielen, dass mein Sohn ein harter Kerl werden muss. Sensibel zu sein ist inakzeptabel. Ich dachte, wir hätten das alles hinter uns gelassen.“ Ängste und Schmerz auszudrücken, ist menschlich und vor allem geschlechtslos. Wir sollten Jungs nicht beibringen, ihre natürlichen Reaktionen zu unterdrücken, denn was werden das später dann für Partner? Nein, Danke.

 

5. „Jungs tragen keinen Nagellack.“

Alles, was Jungen „tragen“ oder tun sollen bzw. dürfen dient nur der Aufrechterhaltung von Geschlechterstereotypen. Die Erzieherin meines Sohnes sagte neulich zu ihm: „Jungs tragen doch keinen Nagellack. Warum hat deine Mama das denn gemacht?“ Er verstand die Welt nicht mehr, schließlich hat er sich die Farbe selber ausgesucht und er war so stolz. Er ist vier Jahre alt. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass ich das Gespräch mit der Erzieherin gesucht habe.

6. „Das tragen/machen/sagen doch nur Mädchen!“

Es macht mich wahnsinnig, wenn Menschen Gefühlsregungen/Kleidung/Verhaltensweisen als typisch „Mädchen“ titulieren.“ Man kennt das: Ein Baby trägt eine rosa Mütze, es kommt sofort: „Ohhhh, ein Mädchen!“ Besonders Verhaltensweisen werden als „Typisch Junge!“oder als „Typisch Mädchen!“ bewertet und das bringt mich dermaßen auf die Palme. „Ohhh, er spielt ja so schön wie ein Mädchen!“–> Was soll das? Kindern sind Geschlechterrollen beim Spiel doch total egal, also befreie deinen Kopf mal von diesen Vorurteilen.

7. „Er ist ein Muttersöhnchen.“

Als „Muttersöhnchen“ bezeichnet zu werden ist negativ, während „Papas kleines Mädchen“ es nicht ist. Jungs dürfen durchaus gerne in der Nähe ihrer Mütter sein, ohne dass es gleich auf eine Art Charakterfehler hinweist. „Außerdem machen die Leute seltsame Kommentare darüber, dass Jungs ihrer Muttern so lange nahe stehen, bis die Jungs Freundinnen haben, die dann plötzlich zwischen dem Jungen und der Mutter stehen. Das ist eine sehr seltsame Projektionen, finde ich!“ sagte meine Freundin Anne zu diesem Thema. Sie hat so Recht.

8. „Er ist so ruhig.“

Jungs müssen anscheinend alle aufbrausend und extrovertiert sein. Als Mutter eines sensiblen und stillen Jungen wird dir direkt impliziert, dass etwas mit ihm nicht stimmen könnte. Außerdem ist es seltsam, dass Mädchen von Natur aus als Vorbilder für gutes Benehmen gesehen werden und Jungs automatisch Teufel sein sollen. Demnach gibt es auch keine raufenden Mädchen. Ahja. Was für ein Mist.

9. „Jungs lieben Autos.“

Wenn ein Junge mit Autos spielt, heißt es gleich: „Jaaaaa, Jungs lieben Autos!“ aber wenn er mit einer Puppe spielt, dann hört man komischerweise nie: „Jaaaa, Jungs lieben Puppen“! Alle Arten von Kindern mögen alle Arten von Spielzeug, aber es gibt diese vorgefassten Vorstellungen davon, was Jungs mögen und was Mädchen mögen, eben immer noch. Das Problem daran ist, dass diese Sätze oft vor Kindern gesagt werden, die dann verunsichert sind. DAS muss aufhören.

 

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