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Von Michelle aus Zürich

Vor Jahren klopfte ich an die Tür meiner Nachbarnin, um meine vierjährige Tochter von einer Spielverabredung abzuholen. Meine Nachbarin öffnete die Tür, ließ mich auf der Fußmatte stehen und sagte: „Hallo, es echt schon fast lustig, dass deine Tochter nicht teilen will. Es ist echt komisch, dass sie meiner Tochter nicht mit ihrem eigenen Spielzeug in ihrem eigenen Haus spielen lässt.“

Wir haben danach keinen Ausflug mehr über die Straße zu ihnen gemacht.

Meine Nachbarin zeigte mir ihre passiv-aggressive Natur, und danach habe ich mein Kind dort eilig herausgeholt. Ich meine, sie war 4. Vorschulkinder sind nicht berüchtigt für ihre guten Teilungsfähigkeiten. Sie sind noch jung und müssen noch einiges lernen.

Ich zeigte ich meiner Nachbarin also meine Kehrseite, als ich wegging. Es gab einfach zu viele andere Häuser in der Nachbarschaft, in denen es keine passiv-aggressive Unhöflichkeit gab. Menschen, die einfühlsamer waren und die die Entwicklungsmuster der Kinder verstanden.

Ich bin mir durchaus sicher, dass meine Tochter an diesem Tag nicht gut geteilt hat. Meine Kinder sind tatsächlich zu schlechtem Benehmen und schlechten Entscheidungen fähig, und das besonders in diesem Alter. Ich bin keine „Oh, meine Kinder würden das nie tun“ Mutter. Ich bin ein vollwertiges Mitglied des „Yep, meine Kinder können manchmal nervige Arschgeigen sein“-Clubs. Und ich hatte kein Problem damit, dass meine Nachbarin mich darauf aufmerksam machen wollte, wie sich meine Tochter verhalten hatte. Ich genieße einen guten Unterrichtsmoment, so wie ich es bei einem Sonnenbrand mache, aber nach einem anfänglichen Ausbruch von “ Wirklich, noch einer?“ nehme ich es hin und kümmere mich darum. Ich erziehe und unterrichte meine Kinder in der Hoffnung, dass die „Straftat“ nicht wieder begangen wird.

Ich habe jedoch die Art und Weise, wie sie es mir gesagt hat, kritisiert. Ich war mir sicher, dass meine Nachbarin nicht wirklich meinte, dass meine Tochter, die den Hula-Hoop und die Puppe ihrer Tochter beschlagnahmt hatte, „lustig“ war. Sie sagte mir dass, nicht weniger als dreimal, bevor ich vor ihrer Türschwelle fliehen konnte, aber nicht mit einem Lächeln auf ihrem Gesicht, oder mit Liebe in ihrem Herzen oder irgendeinem Mitgefühl oder Erbarmen. Sie verbreitete keine Freude. Sie verbreitete Aggression, zwar der passiven Art, aber trotzdem Aggression.

Sie sagte zu mir: „Weder meine Tochter noch ich haben heute unsere Zeit mit deiner Tochter genossen.“ Okay. In Ordnung. Ich wollte nicht über das Verhalten meines Kindes oder über die Wahrnehmung meiner Nachbarn streiten. Aber ich lehne die Art und Weise ab, wie sie mit mir über ihre Bedenken sprach. Ich wünschte, dass sie so mit mir gesprochen hätte, als wüsste sie, dass es in meiner Tochter noch so viel Gutes gibt, auch wenn sie das Schleich-Pferd ihrer Tochter an diesem Tag nicht loslassen wollte.

Diese Erinnerung tauchte also vor kurzem wieder auf, als ich über eine Frage nachdachte, die in letzter Zeit in meinem Freundeskreis auftauchte. Wenn mein Kind Mist baut, jemanden verletzt, sich schlecht in sozialen Medien verhält, ein Problem für sich selbst oder jemand anderen verursacht, in irgendeiner Weise, Art oder Form – würde ich das wissen wollen? Würde ich wollen, dass mir ein Freund davon erzählt, wenn sie es vor mir herausfinden? Meine schnelle und einfache Antwort ist ein klares Ja, weil mein Mann und ich versuchen, hier gute Menschen zu erziehen, Leute.

Fehler sind unvermeidlich, gleichzeitig sind sie aber auch lehrreiche Momente. Und obwohl Kinder oft gut und häufig auch am besten aus den natürlichen Folgen ihrer Fehler selbstständig lernen, möchte ich immer noch über ihre Fehltritte Bescheid wissen, damit ich meinen Job machen kann. Darin inbegriffen ist also, einige Erwartungen zu setzen, mit gutem Beispiel voranzugehen und meine Kinder durchs Leben zu einigen Endzielen zu führen. Kurz gesagt, bestehen diese Zeile aus Liebe, Freundlichkeit und Sicherheit für sich selbst und diejenigen, mit denen sie Kontakt haben. Und ich kann meinen Job nicht gut machen, wenn ich nicht weiß, dass es einen Umstand gibt, in dem ich mich im Sinne meiner “ Gehaltsstufe“ “ kümmern muss.

Es gibt jedoch einen Vorbehalt. Wenn du weißt, dass mein Kind ein echtes Problem für sich selbst oder jemand anderen verursacht hat, dann komm bitte nicht zu mir und berichte mir nicht überheblich , dass mein Kind einen Fehler gemacht hat; komm stattdessen mit dem Wissen über das Problem zu mir. Der Unterschied ist keineswegs subtil. Es ist wie ein stählerner Blick, gespitzte Lippen und ein Finger in meinem Gesicht versus einem neigenden Kopf und einer auf meiner Schulter ruhenden Hand. Ich bitte dich, komm mit Besorgnis und Umsicht zu mir. Dafür ist die Ampel dann auch immer grün. Komm nicht mit Empörung und Selbstgerechtigkeit auf mich zu. Wenn du das tust, rennst du direkt über eine rote Ampel und verursachst einen fetten Unfall.

Es schmerzt, wenn unsere Kinder Fehler machen, denn als ihre Eltern neigen wir dazu, diese Fehler annehmen zu wollen. Wir fühlen uns schuldig, als wäre es unser Fehltritt gewesen, als hätten wir es vermasselt. Die Fehler unserer Kinder treffen uns oft direkt in unsere Eingeweide. Wenn wir wissen, dass unsere Kinder es eigentlich hätten besser wissen müssen und sie trotzdem schlechte Entscheidungen treffen, kann es sich wie ein eigenes Versagen anfühlen. Die Arbeit ist durch diese unvermeidlichen Dinge von Versuch und Irrtum geprägt, Leben und Lernen sind sensibel und diese empfindlichen Phasen werden alle Arten von Irrwegen mit sich bringen. Und das Letzte, was wir brauchen, ist jemand, der sich mit einem selbstgerechten Urteil, Hochmut oder Boshaftigkeit schmückt. Besonders wenn es sich um ein anders Mit-Elternteil handelt.

Wenn du in deinem Herzen Liebe empfindest, wenn du dich um unsere Kinder und ihr Wohlergehen sorgst, zeige es uns bitte, indem du zu uns kommst, wenn du ihre Schwächen kennst. Wenn du dich nicht liebevoll sondern kämpferisch an uns wendest, werden wir nichts verändern können.

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