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Ein Gastbeitrag von Elisabeth aus Hamburg

Vor einigen Monaten stand ich im DM vor dem Damenmonatshygiene-Regal und starrte auf eine Wand aus Kunststoff, Baumwolle und Kartons. Ich wusste, dass dieses Regal entsprechend der Nachfrage der Kunden immer wieder aufgefüllt wird. Die Nachfrage bestimmt eben das Geschäft, das war schon immer so. In meinem Kopf blitzte ein Bild von einem immens großen Müllberg auf, der aus blutgetränkten Tampons und Binden bestand. Wenn man bedenkt, dass eine Frau ungefähr 10.000 Tampons in ihrem Leben verbraucht, dann ist dieses scheinbar absurde Bild in meinem Kopf durchaus realistisch.

Plötzlich entdeckte ich inmitten des Regals, versteckt in einem unauffälligen Winkel zwischen 10 verschiedenen Tamponmarken und mindestens ebenso vielen verschiedenen Sorten Binden, die Menstruationstasse Merula Cup für knapp 20 Euro. (Ist das jetzt Werbung? Ok, es gibt noch viele andere Cups: Ruby Cup, Me Luna….und…und…und….)

Ich hatte ehrlich gesagt noch nie in Betracht gezogen, eine Menstruationstasse zu benutzen, obwohl viele meiner Freundinnen total überzeugt waren. Das Prinzip einer solchen Tasse leuchtete mir zwar ein, aber ich muss zugeben, dass ich bei dem Gedanken, dieses Ding in meine Vagina zu rammen, ein wenig angeekelt war. Während der Blutung. Es muss ja dann eine Tasse voller Blut entfernt und entsorgt werden. Von MIR!

Tampons hingegen sind so diskret, wenn ihr versteht. Ich kann sie mittels eines Applikators einführen und muss mich selber dabei nicht großartig berühren. Es ist so ein bißchen wie das Reinigen eines Pools mit einem dieser Netze am Ende einer langen Stange.

Eine Schachtel Tampons kostete je nach Marke 3-5 Euro, eine Investition in die Tasse würde sich in weniger als 5 Monaten amortisieren. Ein plötzlicher Ansturm von Umweltschutz- und gleichzeitiger Geld-Spar-Gedanken überkam mich, und ich warf die Tasse in den Wagen.

An der Kasse hielt eine ältere Kassiererin die niedliche, pinke Box hoch und sagte: „Oh, wie hübsch! Was ist das denn?“ Ich sagte: „Das ist ein Merula Cup“ Sie fragte, wozu man die wohl benutzt. Ich sagte: „Ja…ähm…..die Tasse ist für die Zeit gedacht, in der man seine Periode hat“ Sie warf mir einen komischen Blick. Ich legte nach: „Diese Tasse wird in die Vagina eingeführt und sie fängt dort das Blut auf “ Aus irgendeinem Grund war sie danach nicht mehr daran interessiert, weiter zu plaudern. Ich denke, sie hatte ursprünglich vermutet, dass die Tasse eventuell ein ausgefallenes Schnapsglas ist. Tja….

Ein paar Tage später bekam ich meine Periode. Nachdem ich meine Tasse mit kochendem Wasser sterilisiert hatte, wollte ich den ersten Versuch wagen. Ich las mir die Einführungsanleitung mehrmals durch, ich entschied mich für Falt-Methode „C-Faltung“  und bereitete mich emotional darauf vor, mindestens eine Stunde lang mit meiner Vagina zu ringen. Werde ich es schaffen? Was ist, wenn ich sie zu weit hinein stecke? Kann man so eine Tasse überhaupt zu weit rein stecken? Wird mein Gebärmutterhals sie eventuell schlucken? Wie blutig werden meine Finger sein? Und was mache ich, wenn ich es gar nicht hinbekomme?

 

Ich berief mich also auf die Anleitung und atmete aus und versuchte dann meine untere Region so weit wie möglich zu entspannen und dann setzte ich die zweimal gefaltete Tasse ein und winkelte sie in Richtung Steißbein. Wie von Zauberhand machte es innerlich PLOPP und die Tasse saß wie ein umgedrehter Regenschirm in meiner Vagina.

Es war faszinierend und es hat mich nahezu überwältigt, wie perfekt dieses Ding in mich hinein passte. Ich stand auf und tanzte ein wenig, nur um zu sehen, ob sie nicht doch aus mir herausrutschen und auf dem Boden platschen würde aber sie blieb an Ort und Stelle, und ich konnte sie nicht spüren, nicht einmal ein wenig. WIE KRASS IST DAS BITTE?

Ich muss euch ein weiteres Geständnis machen: Ich bin einer dieser Menschen, die leider nicht sehr offen erzogen worden und deswegen hatte ich zeitlebens auch keine wirklich intime Beziehung zu mir selbst. Noch heute treibt es mir die Schamröte ins Gesicht, wenn sich zwei nackte Menschen im Fernsehen lieben und ich nicht alleine bin und Freunde auch zugucken. Vor ein paar Jahren musste ich mir bei einer Freundin einen Tampon leihen und sie gab mir einen ohne Applikator. Ich war völlig verwirrt. „Du meinst, du schiebst es einfach…. da hoch? …mit deinem…. Finger??“

Ich muss gestehen, dass es für mich tatsächlich SEHR befremdlich war, den Merula Cup in meiner Vagina zu platzieren. Es war allerdings auch irgendwie ein tolles Gefühl, dass ich es geschafft hatte. Ich hatte tatsächlich Blut an meinen Fingern aber dafür gibt es ja Seife und Wasser. Außerdem bin ich Mama, ich habe schon alle möglichen Körperflüssigkeiten mit meinen Händen aufgefangen, da macht so ein bißchen Blut den Kohl auch nicht fett.

Es hat mich total überrascht, nun genau sehen zu können, wie viel Blut mein Körper tatsächlich während meiner Periode produziert. Zuerst war es sehr erschreckend und ich zog buchstäbliche eine ganze Tasse Blut aus meiner Vagina. Ich war mir sicher, dass ich sie durch den Raum schleudern und mein Badezimmer in eine Szene von HOSTEL verwandeln würde. Die Entfernung der Tasse war leider nicht ganz so einfach wie das Einführen – ich konnte das kleine Plastikstück am unteren Ende nicht richtig greifen. Ich fasste an den Boden der Tasse und zerrte sanft, aber sie rührte sich nicht. Ich geriet natürlich direkt in Panik aber dann wurde mir klar, dass meine Angst dafür sorgte, dass ich mich total verkrampfte also atmete ich wieder aus und entspannte die Beckenmuskeln und drückte ein wenig mit und löste so das Vakuum der Tasse. Sie kam raus!! Sie sah aus wie eine winzige Tasse Rotwein. Igitt. Andererseits war es super cool, denn es hatte funktioniert! Ich hatte es geschafft! Vagina-Power! Woohoo!

Ich schüttete das Blut in die Toilette, wusch die Tasse mit etwas milder Seife aus und führte sie erneut ein, genau wie beim ersten Mal. Kein stinkender Tampon musste in den Müll geschmissen werden. Kein Blut-Massacker im Bad. Schön.

Tja, seitdem gehöre ich nun auch zu den Tassenbenutzerinnen. Ich habe sie tatsächlich auch schon 12 Stunden drin gelassen und es gab auch hier nur einmal einen kleinen Unfall. Ich merke sie weder beim schlafen, noch beim Sport. Sie ist genauso zuverlässig wie Tampons, allerdings viel bequemer. Ich litt immer unter trockener Scheide, wenn die Periode schwächer wurde und ein Tampon in mir steckte. Auch das ist kein Problem mehr mit dem Cup.

Ich habe meine Menstruationstasse aus einer Laune heraus gekauft, weil ich dachte, ich tue etwas Gutes für die Umwelt und das ist u.a ja auch ein Grund aber die positiven Eigenschaften von denen ICH profitiere überraschten mich. Ich gehe sogar so weit, dass ich sage, die Tasse hat mich ein wenig mit meinem Körper versöhnt. Ich meine damit nicht nur mit meiner Vagina. Als ich zum ersten Mal versuchte, die Tasse zu entfernen und sie nicht herausholen konnte, wurde ich quasi dazu gezwungen, gewisse Entspannungstechniken anzuwenden, von denen ich vorher noch nichts wusste. Ich hatte nicht erwartet, dass ausgerechnet eine Menstruationstasse mir beibringen würde, wie man Spannungen löst.

Und es ist tatsächlich gar nicht ekelig zu sehen, wie das Blut deinen Körper verlässt. Und es stinkt nicht. Es ist insgesamt viel hygienischer als so ein alter Tampon. Tja, auch wenn ich mich echt spät dazu entschlossen habe, der Tasse eine Chance zu geben, so kann ich jetzt sagen: Es war eine der besten Entscheidungen der letzten Jahre. Wenn du es noch nie ausprobiert hast, empfehle ich es dir unbedingt.

Ihr solltet beim Kauf nur beachten, arme, ältere Kassiererinnen nicht zu traumatisierten 🙂

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