Hey, mein Name ist Eyleen, ich bin zweifache Mutter und wohne in Dresden. Diesen Artikel schrieb ich bereits vor zwei Jahren, vielleicht kann ja hier die ein oder andere Mama meine Gedanken nachvollziehen.

Hey, du. Du sitzt vielleicht auch gerade auf der Couch, trägst ein altes T-Shirt und eine Jogginghose. Du, eine Frau, die noch nicht geduscht hat und deren Haare ein wenig fettig sind, aber du hoffst, dass dein unordentlicher Dutt dir dabei hilft, diese Tatsache zu verbergen. Du, die einen ekeligen Fleck auf dem T-Shirt hat, vielleicht ist es ein Essensrest – oder vielleicht ist es auch Rotze; Es ist schwer zu sagen.

Ich sehe dich.

Ich weiß, es fühlt sich an, als würdest du manchmal im Mamadasein ertrinken. Es fühlt sich so an, als ob du mehr Zeit damit verbringst, dich um die Bedürfnisse aller anderen zu kümmern, anstatt mal an deine eigenen Bedürfnisse zu denken. Ich weiß, dass eine Dusche, in der du tatsächlich mal Zeit zum Rasieren hast, sich wie purer Luxus anfühlt und der Gedanke, dein Haar aufwendig zu glätten oder mehr als zwei Minuten mit deinem Make-up zu verbringen, fast unmöglich erscheint. An manchen Tagen ist ein wenig Farbe das Beste, was man tun kann. An manchen Tagen erfordert der ganze Beauty-Kram eine wahnsinnige Anstrengung. Du fühlst dich schon morgens so müde, dass du weißt, du schaffst es einfach nicht, dich aufzuhübschen, also was soll’s?

Ich weiß, du fühlst dich, als hättest du dich gehen lassen. Ich weiß, dass ein Teil von dir sich Sorgen macht, dass dein Partner sich nicht mehr so sehr zu dir hingezogen fühlt. Aber ein anderer Teil von dir ist damit eigentlich einverstanden, denn am Ende des Tages hast du mal wieder alles gerockt; Du hast alles gegeben, was in deiner Macht stand, und du bist ehrlich gesagt mehr an Schlaf, als an Sex interessiert.

Ich weiß, wenn dir jemand 100 Euro schenken würde, würdest du durch einen Laden gehen und es für deine Kinder ausgeben. Vielleicht würdest du auch etwas Schönes für dich finden, aber du würdest es wieder zurück legen, bevor du die Kasse erreichst. Das Geld, das du früher für deine eigene Garderobe oder den Friseur ausgegeben hast, wird jetzt dazu verwendet, deine Kleinen auszustatten und ihnen besondere Dinge zu ermöglichen: Das Spielzeug im Supermarkt, die Bücher, den Eintritt in den Zoo oder den Indoor-Spielplatz. Ich weiß, du sagst dir selbst stets, dass all diese Dinge ja auch viel wichtiger sind, als deine Wünsche. Ich weiß, dein Körper ist anders als früher, und du bist dir nicht sicher, ob du überhaupt Geld für größere Jeans ausgeben willst. Jogginghosen sind super, weil sie verzeihen.

Ich weiß, dass du an die Person denkst, die du mal warst, bevor du „die Mutter von…“ wurdest. Auch wenn du das Mamasein gegen nichts in der Welt eintauschen würdest, wünschst du dir von Zeit zu Zeit dein altes ICH zurück. Ich weiß, dass diese alte ICH weit weg und unerreichbar scheint, es ist wie jemand, den du mal kanntest, und du versuchst, dich mit der Tatsache abzufinden, dass es vielleicht für immer weg ist.

Aber es ist nicht für immer weg. Ich verspreche es dir.

Momentan lernst du, wie sehr man einen anderen Menschen lieben kann und wie man sich um ihn kümmert. Du findest heraus, wie du deine eigenen Bedürfnisse hinter die eines anderen stellen kannst, jemand, der dich so sehr braucht. Das geschieht nicht einfach automatisch, es ist ein Prozess, und es braucht Zeit. Und bevor ein Gleichgewicht erreicht ist, müssen die Bedürfnisse deines Kindes etwas nachlassen, damit deine eigenen wieder erfüllt werden können. Du tust das alles, weil du eine verdammt gute Mutter bist. Also hör auf, dich selbst in Frage zu stellen oder dich permanent zu fragen, warum du nicht noch mehr auf dich achten kannst. Es wird anders… irgendwann…

Vielleicht nicht morgen. Es wird vielleicht noch Jahre dauern. Sieh es mal so: Eines Tages wird dich dein Baby nicht mehr so sehr brauchen, und deine Aufmerksamkeit wird sich allmählich wieder auf dich selbst verlagern. Du wirst wieder Zeit haben, deine Bikinizone zu entfusseln und deine Augenbrauen zu zupfen. Du wirst wieder etwas für dich tun können, und es wird sich wunderbar anfühlen. Man sieht die Person, die man einmal war – zuerst nur flüchtig, dann immer häufiger – bis man eines Tages merkt, dass sie wieder da ist. Ja, sie hat sich zwar verändert, weil sie jetzt die „Mama von…“ ist, aber das macht sie nur zu einer besseren, vollständigeren Version ihres alten ICHs.

Die Babyjahre sind anstrengend. Zu erwarten, dass man da ohne einen Kratzer durchkommt, ist, als würde man erwarten, durch ein Unwetter laufen zu können, ohne nass zu werden: Absolut unrealistisch. Und so sicher wie die Tatsache, dass die Sonne irgendwann wieder herauskommt, wird auch dein altes ICH irgendwann zurückkehren, es wird durchschimmern und durch die ungeschliffene Oberfläche brechen. Ich verspreche es dir.

1 Kommentar

  1. Ich sitze hier mit Tränen in den Augen, ungeduscht und fettigen Haaren und bin gerührt.
    Danke.
    Du hast an meinem extrem blöden Tag, wo ich wieder nur 2 Minuten zum schminken hatte und voller Selbstzweifel an mir runter schaue, irgendwie die Sonne scheinen lassen.
    Ich danke Dir.

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