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Ein Gastbeitrag von Steffi aus Oldenburg.

Einen der intensivsten Momente meines Lebens, erlebte ich in einem Supermarkt, als mein dreijähriger Sohn eine pinke Prinzessin-Schnabeltasse in seinen Patschehändchen hielt. Nach einem anstrengenden und langen Tag für uns beide, hatte ich ihn gerade aus der KiTa abgeholt.

Er war zielstrebig auf das Regal zugelaufen und hatte sich den Becher aus einem Regal geschnappt, als wir dort vorbeigingen.

„Darf ich den haben?“, fragte mich mein kleiner Schatz.

Diese großen, braunen Augen sahen zu mir auf und verdammt, wie sollte ich dabei hart bleiben? In dieser Hinsicht könnte ich mir noch eine Menge von seinem Vater abgucken, der wäre bestimmt konsequenter. Bei dem ziehen solche Manöver nicht.

„Okay“, gab ich mich geschlagen, „Ausnahmsweise!“

Und weil mein Kind nun mal, ein dankbarer, lieber, kleiner Junge ist und sich immer gut benimmt……Moment, das waren wohl nur meine Gedanken. Binnen Sekunden verwandelte sich der süße Engel in einen kleinen, frechen Dämon, welcher es sich plötzlich zur Aufgabe gemacht hatte, mit mit der besagten Tasse immer und immer wieder auf meine Finger zu hauen. Ich bat ihn damit aufzuhören.

Dafür erntete ich folgenden Blick:

Ich versuchte es mit: „Bitte hör auf.“

Ich versuchte es mit: „Das tut mir weh, bitte lass das.“

Und ich versuchte es mit, „Liebling, wir hauen nicht mit Prinzessinnen-Bechern!“

Und dann, endlich, nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und sagte: „Wenn du mich noch einmal mit der Tasse schlägst, werde ich sie dir nicht kaufen.“

Im Inneren fühlte ich mich so:

Wenn du dich beim Lesen dieser Worte wieder findest, dann hast du deinem Kleinkind  wahrscheinlich auch schon einmal ein Ultimatum gestellt. Und du weißt, wie das ablaufen kann.

Mein Sohn und ich hielten beide inne. Wir holten beide tief Luft. Es schien, als würde es nur noch mich und ihn geben. Keiner von uns beiden wagte den nächsten Schritt……

Dann hob er die Tasse, blickte mir tief in die Augen und ließ diese verfluchte Tasse mit aller Kraft, die er aufbringen konnte auf meine Hand niederschellen. Vielleicht flüsterte er dabei etwas wie: “ Dann wollen wir mal sehen aus welchem Holz du geschnitzt bist, Mädchen!“

Diese Situation ist garantiert allen Eltern bekannt. Es handelt sich um einen dieser magischen Momente.

Du weißt, dass du jetzt durchziehen musst. Denn, wenn du jetzt nicht durchziehst, läufst du Gefahr, dass dein Kind dir die nächsten 40 Jahre auf der Nase rumtanzen wird.

Du weißt das,….. aber trotzdem fühlst dich gerade fürchterlich allein und verunsichert.

 

Ich nahm ihm den Becher weg und legte in wieder ins Regal zurück.

Ich sah ihm dabei zu, wie er wie eine kleine Granate hochging.

Seine Gefühle, die er in den letzten Minuten für diese pinke Tasse, aufgebaut hatte, waren anscheinend überirdisch.

Was jetzt in diesem Supermarkt ablief, kann man sich denken: Strampeln, Schreien, pure Hysterie.

Wenn du schon immer mal wissen wolltest, WIE wütend ein Mensch wirklich werden kann, dann nimm einem Kleinkind einfach mal eine begehrte Sache weg. Ab geht die wilde Fahrt!

Ich verließ das sinkende Schiff, ließ meinen Einkaufswagen in Gang stehen und trug den sich windenden, rotgesichtigen Wutzwerg aus dem Supermarkt. Wir müssen ein zauberhaften Eindruck auf den Sicherheitskameras im Ladens hinterlassen haben.

Nachdem ich ihn in seinen Sitz geschnallt hatte, stieg ich ins Auto und fuhr los.

Ich schaute zu ihm nach hinten, bereit all die Dinge zu sagen, die ich nicht öffentlich sagen konnte und … Der kleine Scheißer war tatsächlich eingeschlafen.

Wie, ohnmächtig. Sabbernd, mit hängendem Kopf schlafend.

DEIN ERNST????

Ich hatte das leise Bedürfnis so zu sein:

Warum erzähle ich dir das? Ich weiß es nicht. Ich schätze, damit du weißt, dass du nicht alleine bist. Kleinkinder benehmen sich wie riesige Zeigefinger, die unkontrolliert herumlaufen und unbezahlbare Erbstücke mit Eddings bemalen.

Sie können eine einfache Einkaufstour komplett ruinieren, weil ihre unkontrollierbaren Gefühle wie explodierende Sterne sind.

Sie geben einen Scheiß auf das, was andere denken.

Sie möchten insgeheim, dass du versuchst, sie aufzuhalten. Gleichzeitig wissen sie aber, dass sie in Wirklichkeit die Chefs sind.

Haltet durch, Kleinkindeltern. Wir werden alle eines Tages die andere Seite erreichen. Die Seite, auf der unser Leben endlich ein bisschen vorhersehbarer ist, weil wir unser Leben nicht mit einer tickenden, menschlichen Zeitbombe bestreiten müssen.

Bis dahin, sei vorsichtig. Zeig dich anderen Eltern gegenüber solidarisch, wenn deren Kleinkinder ihnen gerade das Leben zur Hölle machen.

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