Ein Gastartikel von Jana aus Emden

Ich bin Mama von vier Söhnen. Mein jüngster ist mittlerweile 10,5 Jahre alt, für mich also längst alt genug, um sich schon ganz gut um sich selbst kümmern zu können. Ich sage mir zumindest öfter mal selber: „Komm schon, du hast doch gesehen, dass er das schafft! Du bist einfach zu erschöpft!“ Außerdem hat er ja noch drei ältere Brüder, die ihm das Wichtigste zeigen können.

Im Grunde genommen hatte ich dieses Kind seit etwa fünf Jahren, seit er in den Kindergarten gekommen ist, auf Autopilot gestellt. Mit meiner neugewonnenen Freiheit, als das letzte Kind (endlich!) in die Schule kam, habe ich irgendwie eine Pause vom Muttersein eingelegt.
Ich hatte es so verdient, verdammt! Ich war seit über einem Jahrzehnt bei den Kindern zu Hause geblieben und endlich konnte ich mal wieder ICH sein und nicht nur eine Mama. Das einzige Problem ist, dass ich nach der Pause nie wieder richtig mit dem Mamasein angefangen habe. Er geht ja jetzt in der Schule, also brauchte er mich natürlich immer weniger, oder? Ich kann mir selbst nichts vormachen. Denn traurigerweise ist er noch gar nicht so selbstständig, wie ich es annahm. Auch, wenn ich manchmal wirklich sehe, dass er viel schneller erwachsen wird, als seine Brüder, so merke ich auch, dass er eben noch nicht erwachsen und komplett selbständig ist. (Ach was, mit knapp 11 Jahren!)

 

Eifrigerweise war ich wohl etwas vorschnell……..

Ich bin dankbar, dass ich nicht mehr soviel gebraucht werde, denn das, was von meinen „Mutter- Reserven“ übrig geblieben ist, ist ziemlich bescheiden. Es geht ihm doch gut! Das sagte ich mir selbst. Es ist nicht mehr notwendig dauernd schützend über ihm zu schweben. Er kann doch schon alles alleine.

So hab ich wirklich gedacht… Bis mir eines Tages klar wurde, dass er noch längst nicht alles kann, und es wieder Zeit für mich war, mal wieder mehr Mama zu sein. Es war längst überfällig, dass ich meine mütterliche  Verantwortung wieder auf mich nehme, und die Konsequenzen meiner doch etwas zu langen Pause schlugen mir eines Tages ins Gesicht, als ich dieses irregeführte Kind betrachtete und erkannte, dass ich nicht genug für ihn da gewesen bist. Diese innere Chaos seinerseits beruhte auf mangelnder Begleitung meinerseits- nicht, weil er ein schlechtes Kind war, sondern weil ich in meiner Selbstsucht und totalen Desinteresse an seinem Leben unbeabsichtigt einen Zehnjährigen sich selbst überlassen haben. Und wir wissen alle, wie das endet.

 

In einer großen Familie gibt es alle möglichen Arten von lustigen Situationen, weil ein Haus voller Kinder sich natürlich oft im totalen Chaos befindet. Aber hinter dem Lachen und dem täglichen Kampf, den Tag einfach nur hinter sich zu bringen, befindet sich oft eine Mutter, die völlig erschöpft ist und unter dem Gewicht, alles bewältigen zu müssen, zusammen zu brechen droht. Dieses Maß an Erschöpfung fühlt sich manchmal wie Folter an, und so lockern wir deshalb langsam unseren mütterlichen Griff bei unseren jüngsten Kindern – einfach nur damit wir durchhalten. Und wenn dieses jüngste Kind alleine gut zurecht zu kommen scheint, dann lassen wir viel früher los. Bis wir eines Tages aufwachen und feststellen, dass wir einen Zehnjährigen Zuhause haben, von dem wir selbst viel zu wenig wissen.

Mein Jüngster verdient (und braucht) die selbe Mutter, die ich für mein erstes Kind war, und so anstrengend es auch ist, ihm das alles zu geben, und sooft ich in das Handtuch werfen will, ich muss es einfach versuchen. Ich darf ihm nicht nur das mindeste geben; Ich schulde ihm mein Maximum.

Werde ich sein wie damals, als ich nur ein Kind hatte? Nein, nicht einmal annähernd, aber auch eine erfahrene Mama schuldet diesem Letztgeborenen genau dieselbe Zuneigung und Intensität.

Jeder erzählt dir, wie schwierig es am Anfang ist, sich in einer Mutterrolle einzufinden, aber keiner erzählt dir, wie schwer die Umstellung später ist, wenn die Sehnsucht kommt mal wieder nur DU sein zu können, du aber noch ein Kind zu Hause hast, das dich dringend braucht. Wir wissen, dass wir am Anfang ganz stark sein müssen, aber wir vergessen, wie stark wir später auch noch sein müssen. Aber ich werde es versuchen. Ich werde versuchen auch für meinen Jüngsten noch stark zu sein – so müde und erschöpft ich auch bin, ich muss es einfach!

Wenn ich dort ankomme, krieche ich vielleicht nur noch über die Ziellinie der Elternschaft, aber verdammt, diese Medaille macht sich einfach hervorragend auf meinem Schrank der Erinnerungen 🙂

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