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Ein Gastbeitrag von Anne aus Wien.

Ich befinde mich in einem Gefühlschaos.

Ich spüre es jedes Mal, wenn ich wieder eine Kiste voller Klamotten meines kleinen Mädchens aussortiere und in den Keller trage, weil sie ihr zu klein geworden sind. Mein kleines Baby wird so schnell groß. Sie trägt jetzt schon Größe 92. Ich versuche das noch zu verleugnen.

Der Keller ist voller Kisten mit Stramplern, Decken und kleinen Hüten. Als mein Mann die „18-24 Monate Kiste“ auf das oberste Regal hievte, fragte er sich laut, ob es jetzt nicht langsam an der Zeit sei, unserer Tochter ein Kinderbett zu kaufen.

Ich stutzte bei diesem Vorschlag. Wir hatten im Keller keinen Platz mehr für das Babybett. Wo sollten wir es also hintun?

Wir behalten die Krippe, richtig? … nur für den Fall?

Ich nahm immer an, dass ich es sofort merken würde – naja, dass ich es einfach spüren würde-  wann es an der Zeit war, aufzuhören, Kinder zu bekommen. Leider sagt mir mein Herz aber noch nicht, was Sache ist. Ich bekomme einfach keine klare Antwort, und der Stress, der damit verbunden ist, hält mich nachts wach.

Auf der einen Seite sage ich mir, dass niemand die Kinder, die er bekommen wird, je bereuen wird. Die Freude, die ein kleines, neues Leben einer Familie bringt kann man doch unmöglich bereuen, oder? Natürlich wären wir glücklich mit einem weiteren Baby. Mit diesem Argument könnten wir aber auch irgendwann wie die Wollnys enden. Was bei anderen funktioniert muss ja längst nicht bei uns gut gehen. Wenn ich ganz pragmatisch bin, muss ich zugeben: Ich habe mit zwei Kindern schon alle Hände voll zu tun.

Dann habe ich aber auch Angst, dass ich es bereuen werde, kein weiteres Kind mehr bekommen zu haben. Was passiert, wenn der Zug abgefahren ist und ich dann plötzlich merke, dass ich doch unfassbar gerne ein weiteres Baby gehabt hätte? Was passiert, wenn ich diese Klarheit verspüre und es dann aber zu spät ist? Diese Angst reicht fast aus, um mich dazu zu bringen, es einfach nochmal zu probieren.

Lass uns loslegen. Lass es uns noch einmal versuchen.

Aber dann sagt etwas in mir „noch nicht“. Und diese Pause reicht aus, um mich etwas zu fragen:

Was ist, wenn sie mein letztes Baby ist?

Unser Baby wird groß, viel zu schnell groß. Ich spüre es, wenn ich ihre neuen, größeren Kleider zusammenfalte und sie in ihre Schublade sortiere. Wir haben von süßen Baumwollmischungen und Spucktüchern zu den robusteren Stoffen für ein wildes, neugieriges Kind gewechselt. Ich weiß, dass es albern ist, aber mein Mutterherz war dazu noch nicht bereit. Ich hänge immer noch an diesen Schnuffeltüchern und Pyjamas mit Füßen. Ich hänge immer noch an diesem Baby, das diese Sachen einst trug.

Wir haben nicht genug Bilder gemacht, denke ich. Als ob der Ordner mit 1000 Fotos in meinem Handy nicht reichen würde.

Was ist, wenn sie mein letztes Baby ist?

Die Wangen meiner Tochter werden schmaler und ihre Locken sind schon bis zu ihren Schultern gewachsen. Sie lassen sich jetzt zu einem winzigen Pferdeschwanz zusammen binden, und das ist so verdammt süß, dass es mein Herz zum überquellen bringt. Sie ist mein fröhliches, lebhaftes Baby – nur ist sie bereits ein kleines Kind. Dieser süße Baby-Duft ist von ihrem kleinen Kopf verschwunden. Und auch dafür war ich auch einfach noch nicht bereit. Ich habe längst nicht genug an ihrem Kopf gerochen, denke ich. Was wahrscheinlich komisch ist – aber ihr versteht mich, oder?

Denn, was ist, wenn sie mein letztes Baby ist?

Mein Mann und ich beendeten gerade unser Sortieren und Organisieren, als unser kleines Mädchen aufwachte und unsere Namen rief. Wir sahen einander an und lächelten, dann rannten wir den Flur entlang und schupsten uns gegenseitig, um als erstes an ihrer Kinderzimmertür zu sein. Um der Erste zu sein, der sie aus ihrem Bett heben darf. Um der Erste zu sein, der sich über dieses zauberhafte „Mama!“ oder „Papa!“, erfreuen darf, wenn sie erkennt, dass ihr „Retter“ nach dem Mittagsschlaf gekommen ist.

Es ist lustig, wie wir uns um diese wertvollen Momente streiten. Das nächtliche Kuscheln, der Spaziergang am Sonntagmorgen, die Ausflüge zum Supermarkt. Dies sind Dinge, die wir für selbstverständlich hielten, als unser Ältester noch ein Baby war. Wir ahnten nicht, dass du eines Tages aufwachst und dein mopisger Säugling zu einem dünnbeingen Kind werden wird … was an sich ja eine schöne Sache ist… aber kann die Zeit einfach etwas langsamer voranschreiten…  Bitte?

Mein Mann hatte sich nahezu darin übertroffen, er liebt es, die Kleine in den Kindergarten zu bringen. Er wechselte die Windel unserer Tochter und küsste ihr Gesicht und sang La Le Lu mit der lächerlichsten Stimme, die meine Ohren je gehört hatten. Ich sah von der Tür aus zu und lächelte. Er saugt jede Sekunde eifrig auf, als wäre die Babyzeit eine Ware, die bald abläuft.

Ich weiß, wie er sich fühlt. Eine Frage drängt sich in unserer beiden Herzen und erinnert uns stets daran, jeden Augenblick zu genießen.

Denn, was ist, wenn sie unser letztes Baby ist?

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