Lustig isses. Spätestens am ersten Elternabend in der Kita werdet ihr sie kennenlernen, die Prototypen am Müttern, die wirklich jeder kennt. Ich weiß, ich mache jetzt die böse Klischeekiste auf aber wisst ihr was? Es ist einfach wirklich so. Sollte es eine Ausnahme auf dieser Welt geben, so möge man mir diese Kita nennen, ich geh persönlich vorbei und schau sie mir an….NORMALERWEISE aber gibt es einfach immer wieder ganz bestimmte Gattungen an Müttern, die uns immer wieder begegnen. Und mal ehrlich, Elternabende sind gefundene Fressen für mich, ich speichere ganze Sozialstudien ab in meinem Kopf und amüsiere mich köstlich dabei, wenn es mal langweilig wird. Ich verstehe ja bis heute nicht, warum man auf Elternabenden nicht einfach mal Flaschendrehen spielen kann, so zum Warmwerden wenigstens….“Der, auf den die Flasche zeigt, der muss sich sich hüpfend auf einem Bein einen Schnaps hinter die Binde kippen und gackern wie ein Huhn!“ Ich sage euch, sowas würde in die Geschichte des besten Abends ever eingehen. Ist aber Wunschdenken, stattdessen drückt man seinen viel zu großen Hintern auf kleine Stühle und lauscht dem Elternbeirat , der die Tagesordnungspunkte 1 – 77 vorträgt. Gähn. Und Freunde, alle verwendetet Namen sind rein FIKTIV und falls jemand von euch wirklich Dörrobst mit Nachnamen heißt, so möge ich auf dem Scheiterhaufen brennen. Vielleicht zu einem Kita-Fest, dann macht das sogar noch mehr Sinn.

So nutze ich die Zeit und schau mich um. HA, da sitzt sie schon, mein Favorit Nummer 1:

  1. Brigitte Dörr-Obst! 

In Erdfarben getarnt fällt sie auf dem brauen Stuhl gar nicht auf. Eine Symbiose aus Holz und Frau. Ihre Haare sind ebenso fahl. Sie versprüht den Duft von, ja von…Nichts. Sie benutzt kein Parfum, sie lehnt jegliche Form des „Schmückens“ grundsätzlich ab. Alles von der Kosmetikindustrie verbreitete Giftköder sind das. SIE macht sich ihre Cremes selber, mischt fröhlich naturbelassene Öle zusammen und trägt sich diese dann anschließend DICK auf. Wimperntusche trug sie 1986 das letze Mal. In Blau. Sie fällt in unserer Runde dadurch auf, dass sie immer grinst und man das Gefühl hat, eigentlich würde sie auch gerne zahlreiche Bäume mit im Raum haben wollen, so zum Umarmen und spüren und so….Überhaupt ist Brigitte sehr nett, das kann man nicht anders sagen. Sie ist nicht so ganz von dieser Welt und so unterbricht sie die Erzieherin mitten im Diskurs über den nächsten Kita-Ausflug: „Schöööön, ja, und wie läuft das hier so mit dem Zähneputzen der Kinder? Ich stelle ja auch selber Zahnpasta aus Natron her, das ist viel besser als herkömmliche!“ Ähm ja. Ihre Kinder Jonte-Morgentau-Dörr-Obst und Svantje-Ocean-Dörr-Obst tragen lustige selbstgenähte Filz-Kleidung, UNGEBLEICHT!!! natürlich UND fallen unter anderem dadurch auf, dass sie auf Kindergeburtstagen die ersten sind, die 1 Kg Gummibärchen im Hausflur erbrechen, weil es die Zuhause nicht gibt. Bei kurzweiligen Streitigkeiten unter den Eltern (Nutellatag JA oder NEIN) schafft Brigitte es zielgerichtet, wieder Ruhe in die Gruppe zu bringen, indem sie uns anbietet, erstmal eine Sonnenaufgang s-Tai-Chi Übung nachzumachen, wahlweise raus zu gehen und einen Baum zu küssen.

2. Anne-Kathrin Akademie-Schnackenreuter 

Perfekt vorberietet sitzt sie im Kostüm auf ihrem Stuhl. Sie hat sich im Vorweg bereits die Tagesordnungspunkte tabellarisch geordnet und sitzt WÄHREND der Veranstaltung bereits an der Power-Point-Präsentation, die sie interessierten Eltern auch gerne ausdrucken möchte. Anne-Kathrin ist Mathe-Professorin an der Uni. Juchzend berichtet sie anderen Müttern, wie wundervoll Zahlen doch sind. Mathe is voll ihr Ding. Natürlich führt Anne-Kathrin auch immer das Protokoll, is klar. Ihre Haare sind zum Zopf gebunden, der Ergodynamik wegen, denn morgens setzt sie sich ihren ultra-slimmen Fahrradhelm auf, stoppt die Zeit und erreicht ihr Ziel statistisch gesehen immer als Erste. Protokolliert hat sie  alle ihre Arbeitswege, um später den Durchschnitt zu errechnen. Sie fragt auch immer als erstes am Elternabend: „Wie lange ist die Veranstaltung denn hier angesetzt und wie lange dauern die einzelnen TOP so? ich kann zum nächsten mal gerne einen Formel einbauen, so dass wir genau wissen, wo wir gerade stehen?“ Anne-Kathrins Sohn trägt sehr saubere Sachen, farblich passend, gerne auch mal ein kleines Hemd unterm Pullunder. „Ja, unser Balthasar-Einstein ist wirklich ein Schatz!“ –> Krass, das ist die Mutter von diesem Balthasar? Ein Raunen geht durch die Runde, Balthasar ist derjenige, der letze Woche allen Haare der Mädchen mit einer stumpfen Bastelschere abgerummst hat. Frech isser, der kleine Pollunderträger und lange nicht so lammfromm, wie Mutti sich das ausrechnet hat.

3. Patricia Perlenpaula 

Duftwolken umnebeln unsere Paula. Gucci Flower-Potpourri-Moschus-Leder-Extra-Streng macht sich breit. An Paulas Handgelenk befindet sich eine Golduhr in der Größe eines Weckers und mindestens 17 güldene Klimper-Armbäner tönen bei jeder Handbewegung die ganze Tonleiter rauf uns wieder runter. Hinter der Make-up Farbe „Arrabic-Okker“ verbirgt sich ein Gesicht, was wohl auch ihr Mann seit langem nicht mehr gesehen hat. Paula ist eigentlich immer etwas gehetzt, weil sie ihre Kinder Maximilian-Benedikt und Anastasia-Katharina noch kurz vorm Elternabend zum Geigen bzw. Mandarin Unterricht fahren musste, und das, obwohl sie eigentlich einen Termin beim Friseur hatte. Na toll. Überhaupt sind Paulas Kinder auch ein hohes Niveau gewohnt. Gerne gibt es Sushi-Bento-Boxen mit zum Frühstück. Dafür steht sie gerne mal früher auf und schlappt rüber zum Feinkostladen. In Ugg Boots, natürlich -) Guess what? Die Bento-Frühstücks-Boxen sind der Renner bei den Erzieherinnen, die werden nämlich am Nutellatag DIREKT gegen dicke Brotscheiben mit fingerdick Nutella eingetauscht. Die Inhalte des Kita Elternabends interessieren Paula auch insofern, als dass sie gerne wissen möchte, ob man nicht mal gemeinsam nach Paris fliegen könne, um dort in Museen zu gehen? Ratlose Blicke auf Paula. Ihr Handgelenk klimpert und verstummt.

4. Mandy-Cindy Kruppenhagen 

Mandy-Zündy muss vor dem Elternabend erstmal noch schnell eine rauchen. Mit ihrem Freund René-Blue-Kevin. Stilecht mit hohen Schuhen und unechtem Pelz unter einem riesen Berg Haarspray versteckt, reisen sie beide an. Bock haben sie beide nicht. Eigentlich wollten sie zu „Berlin Tag und Nacht“ wieder Zuhause sein. Mist. Mandy-Cindy ist sehr jung Mama geworden. Mittlerweile hat sie bereits fünf Kinder, die auf die wohlklingenden Namen: „Jeremy-Steven, Cayenne-Pamela, Tyler-Rick-Günther (zu Ehren des Opas) und die kleine Summer-Jaqueline-Maya-Bella“, hören. Man fragt sich, wie die das alles wuppen. Krass. Schließlich sind beide Elternteile knapp über 20. Doch heute hat Zündy eine Idee. Sie bringt den Vorschlag ein, doch gelegentlich mal eine Folge „Paw Patrol“ mit den Kindern zu gucken. Das mögen ihre alle „voll gerne“. Sie strahlt. Rene´-Blue-Kevin pflichtet seiner Frau bei, indem er kurz vom Handy aus hochschaut und „voll“ sagt. Er ist nämlich gerade in Level 12839 bei Bubble Saga angekommen. Nach 4 Minuten Elternabend klingelt jeweils alle vier Handys der Eltern. Ob denn jetzt auch ne Raucherpause drin sei. „Wie lange geht das hier noch so?“ ERSTE gute Frage an diesem Abend, Chapeau, ZÜNDY!!!!

5. ICH 

Ich bin ja auch da. Und wisst ihr was? Ich bin mir sicher, dass jedes Mikro-Universum auch eins um mich baut. „Da ist sie wieder, die Leienbach. Schlimm, guck, da schaut sie schon wieder, ob es diesmal denn wenigstens gute Schokolade gibt. Und dann immer dieses Chaos, was die verbreitet. Ein Wunder, das die heute pünktlich ist. Hoffentlich stellt die nicht wieder so viele doofe Fragen, nur, weil sie nicht zugehört hat.“ Das, das denken die Paulas und Mandys und all die anderen. Garantiert. Das Tolle am Kind sein ist ja auch, dass sich Kinder super miteinander verstehen, OHNE in blöde Vorurteile zu fallen. Und so wird dann irgendwann nach Tagesordnungspunkt 77 die Veranstaltung geschlossen und wir Eltern strömen vor die Tür. Anne-Kathrin schaltet ihren High-Tech-Fahrradcomputer an, Paula öffnet schon mal ihren Porsche mit der Fernsteuerung und Brigitte grinst gelehnt am Baum in die Runde. Zündy zündet. Haben wir mal wieder geschafft. Morgen sehen wir uns alle wieder, jeder so, wie er eben ist.

Ob geföhnt, mit Parfum gedieselt oder mit Melkfett eingecremt: Um 8 Uhr pünktlich in der Hasen-Gruppe. Shake Hands.

 

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