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Ein ehrlicher Gastbeitrag von Lisa aus Heidelberg.

Ich habe es wirklich getan: Letzte Woche bin ich ohne meine beiden kleinen Kinder zu meiner besten Freundin geflogen. Vier Tage weg von Zuhause, raus aus der Stadt.

Einerseits war ich total aufgeregt und andererseits plagten mich die Sorgen. Ich war aufgeregt, weil ich nach Jahren mal wieder nur meine Tasche mit Mädchensachen packen konnte. Und ich war aufgeregt, weil eine dreistündige Flugreise vor mir lag, in der ich ein Buch lesen konnte, ohne dass mir zwei kleine Würmer auf meinen Schoß rum turnen.

Gleichzeitig war ich total besorgt, da meine Liste, die ich in meiner Abwesenheit hinterlassen würde, immer länger wurde:

Essen ist der Gefriertruhe.

Ich habe alles nach Wochentagen markiert.

Freitag ist der Ausflug in der Schule – denk dran, dass du Bens Rucksack packst!

Denk dran, dass du beide Kinder am Mittwoch etwas früher abholst, Lilly hat einen Augenarzttermin.

Lilly muss am Donnerstag früher in der Kita sein, der Fotograf kommt.

Die Liste war schon über zwei Seiten lang. Einige der Anweisungen schienen selbst mir ziemlich albern zu sein, ABER SICHER IST SICHER.

„Vielleicht übertreibe ich ein wenig“, dachte ich. Nein, ich habe die Stadt schon einmal ohne das „So-überleben-wir-ohne-Mama-Pamphlet“ verlassen, und das führte zu insgesamt 26 Anrufen und einer verspäteten Abholung in der Kita. Natürlich haben sie es unbeschadet überlebt aber schön war das nicht.

Als ich gerade mein Make Up einpackte, neckte ich meinen Mann, dass ich vielleicht ein Buch darüber schreiben sollte, wie ich den Haushalt führe, falls ich sterben sollte.

„Meine Güte“, sagte ich. „Das Toilettenpapier stapelt sich bis zur Decke!“

„Mach das mit dem Buch, Schatz“, sagte mein Mann. „Immerhin weiß ich jetzt schon mal, dass wir uns locker vier Monate lang den Hintern abwischen können!“

Ich lachte zwar, aber innerlich war mir dennoch ganz anders.

Ich legte meine gesammelten Werke also gut sichtbar auf den Küchentisch, verabschiedete mich und floh zum Flughafen. Ein paar Stunden später, als ich meinen Koffer zum Terminal rollte, überkam mich ein seltsames Gefühl.

Mein Gang wurde leichter. Der Druck auf meinem Brustkorb verschwand…..

Ich fühlte mich…. schwerelos.

Es war ein ungewohntes, wenn auch angenehmes Gefühl, das schnell von miesen Schuldgefühlen eingeholt wurde.

Was war los mit mir? Dieses Wochenende fühlte sich an wie ein Gefängnisausbruch. Wieso fühle ich mich als liebende Mutter so endlos befreit, wenn ich meine Kinder zurück lasse? Was für eine Rabenmutter bin ich bitte?

Ich dachte nochmal nach……

Es waren nicht meine Kinder, denen ich so schnell wie möglich entkommen wollte. Ich liebe meine Kinder und ich bin wirklich gerne Mama.

Das Gewicht, das da von meinen Schulten fiel, war etwas ganz anderem geschuldet: Es war  die Verantwortung für alles und jeden, die darunter plumpste.

Mein Mann hat einen sehr anspruchsvollen Job, deshalb übernehme ich die Rolle des, sagen wir mal, „Standard-Elternteils“. Ich bin diejenige, der den Namen der Arzthelferin beim Kinderarzt kennt. Ich bin diejenige, die weiß, wo die Rezepte in der Küche stehen. Ich weiß, wann der Kita-Ausflug ansteht und was im Brief aus der Vorschule meines Sohnes stand. Ich weiß, wann jede einzelne Rechnung fällig ist und wie viel Futter die Hunde am Abend bekommen.

Wenn ich also tatsächlich mal für vier Tage verreisen will, dann muss ich diese lächerlichen Listen anfertigen, oder die Dinge werden einfach nicht erledigt. Ich merke, dass nichts so richtig funktioniert, wenn ich mal weg bin und das zeigt natürlich auch, wie wichtig ich bin. Ich nehme meiner Familie das nicht übel. Ich habe mich für diese Familie entschieden und meistens bin ich auch sehr glücklich.

Das Familienoberhaupt zu sein ist einerseits ein Segen und andererseits auch manchmal eine Last.

Die meisten geben das nur nicht zu, dabei ist das ein Gefühl, welches bestimmt alle Mamas kennen.

Mädels, wir dürfen unsere Kinder von ganzem Herzen lieben und uns trotzdem manchmal wünschen, dass wir nicht immer so sehr gebraucht werden würden. Wir dürfen unsere Familien lieben und trotzdem dürfen wir uns wünschen, dass sie nicht bei jeder verdammten Sache von uns abhängig wären. Manchmal ist das Gefühl für alles und jeden verantwortlich sein zu müssen ein ordentliches Paket, was wir mit uns schleppen müssen.

Es gehört nun mal dazu, dass wir Mamas „gebraucht werden“. Das ist letztlich ja auch schön und meistens auch erfüllend. Dennoch brauchen wir manchmal eine Pause. Ab und zu müssen wir unsere Sachen packen und ein paar Tage mit unser besten Freundin verbringen, damit wir unsere Akkus wieder aufladen können.

Ich liebe meine Kinder, meine Familie und meinen Mann. Ich liebe mein Leben. Aber ich wünschte auch, dass ich manchmal nicht so sehr gebraucht werden würde.

Und ich glaube auch nicht, dass es mich zu einem schlechten Menschen macht, wenn ich das hier ehrlich anspreche.

Ich kann mir vorstellen, dass es euch ähnlich geht. Oder?

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