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Ein Gastbeitrag von Jule aus Bremen

Verdammt, eigentlich wollte ich nie zu diesen Müttern gehören, die…..

sich andauernd darüber beklagen, dass die Zeit viel zu schnell vorbei geht. Wer bitte ist denn so nostalgisch und weint jedem noch so kleinen Meilenstein hinterher? Ich nicht. Rotz und Wasser heulen bei der Einschulung? Nee, das passiert mir nicht.

Mist. Und wieso hat mich keiner vor diesen vielen kleinen Abschieden gewarnt, die im Laufe der Zeit immer mehr werden?

Ich erzähle euch, was ich meine……

Es war ein schöner, sonniger Tag, klitzekleine Schäfchenwolken verteilten sich vereinzelt am blauen Himmeln. Wir wollten n der Strand fahren, im Kofferraum hatten wir allerhand Decken, Sandspielzeug und eine Kiste mit Verpflegung eingepackt. Wir waren Instagram würdig, ehrlich! Wir gaben das perfekte Bild einer Familie ab. The Sunny Side of Life!

Als wir am Strand ankamen, schnallte ich meinen Sohn ab und wollte ihn aus dem Wagen heben.

Und genau in diesem malerischen Instagram-Moment riss mein kleiner Mann seine Arme von mir weg und lehnte sich steif zurück.

„Nein!“ Protestierte er.

Verblüfft hielt ich inne. Ich griff erneut nach ihm, um ihn hochzuheben.

„Nein!“ prustete er „Lass mich!“ Unter großem Geschrei hob ich ihn aus seinem Sitz. „Die Fahrt war bestimmt zu lang, er ist müde“, überlegte ich noch……

Ich setzte meinen kleinen Schatz in den Sand und streckte ihm meine Hand entgegen.

„Nein, Mama!“ sagte mein kleiner Sohn mit ernster Stimme und drehte sich zu seinem Vater um. Er watschelte davon, griff nach der Hand meines Mannes und drehte sich mit einem Winken noch einmal zu mir um.

„Tschüss Mama.“

Ich war baff.

Mein Sohn wollte anscheinend, dass ich nicht mit zum Strand komme.Er wollte mit seinem Papa allein sein. Es war eigentlich ziemlich süß, wenn nicht…..

….mein Herz mir so wehgetan hätte……Aua.
Es war ein wenig so, wie der frühere Liebeskummer, dieses Gefühl kam mir wirklich vertraut vor. Ein quälender Moment der Enttäuschung. Eine verbale Entlassung. Das war das erste Mal, dass mein Kind meine Anwesenheit tatsächlich aktiv ablehnte. Mein Sohn gab mir einen Korb.

Hallo, Abschied.

Ich winkte meinen Jungs zu und setzte mich auf ein Handtuch und ich tat so, als würde ich ne Zeitschrift lesen. Ich zog mir meine Sonnenbrille tief ins Gesicht und schlug mein Magazin auf. So würde man die Tränen wenigstens nicht sehen können.

 

Ich bin nicht diese eine Art Mutter, hab ich das gesagt?

Mein Mann und mein Sohn spielten in den Wellen. Mein Kleiner hob einige Muscheln auf, aß ein wenig Sand und setzte sich für eine Fahrt durch die Dünen brav in seinen Buggy.

Ich war dabei geistig gar nicht mehr anwesend. Mein Verstand hatte sich längst von mir verabschiedet. Zum ersten Mal bekam ich einen Vorgeschmack auf das, was das Mama-Sein mit sich bringt: 1.000 kleine Abschiede.

 

Vor meinem inneren Auge sah ich, wie mein Sohn mich auf dem Weg zur Bushaltestelle stehen lässt. „Mama, ich kann da schon alleine. Holst du mich nachher wieder an? “

Ich sah, wie er sich seine Klamotten selber raussuchte: Ein Ninja Turtle T-Shirt und dazu die passenden Socken. „Mama, ich kann mich alleine anziehen. Ich brauche deine Hilfe nicht mehr, okay? “

Ich sah einen niedergeschlagenen kleinen Fußballspieler von einem Turnier nach Hause kommen. „Mama, ich wäre wirklich froh, wenn du nicht mehr so laut jubeln würdest. Die anderen Jungs machen sich über mich lustig. “

Das erst Auto und das erste Date und dann das Abitur. Ich sah einen Uni-Autoaufkleber auf einem Kofferraum, das Auto voll gepackt mit Jeans und Turnschuhen.

„Mach dir keine Sorgen, Mama. Weihnachten komme ich doch wieder! “

Ich konnte diese kleinen Abschiedswellen in dem Moment wirklich fühlen.

„Tschüss.“

Mama zu sein bedeutet, einen kleinen Menschen so lage begleiten zu dürfen, bis er irgendwann davon fliegt. Und vielleicht ist ein kleiner Trost, dass das nicht alles auf einmal passiert. Ich glaube nicht, dass mein Herz es ertragen könnte, wenn das alles aus einmal passieren würde.
Alle MAMAS DIESER WELT hoffen doch, dass unsere Kinder ihr Glück finden werden. Wir wünschen uns, dass sie ins Leben vertrauen, unabhängig sind und ihre Erfüllung finden.

Leider tut der Prozess des Loslassen verdammt weh…..

Mein Sohn wird mich nie mehr so sehr brauchen, wie am Tag seiner Geburt. Und wenn ich meinen Job als Mutter richtig mache, wird er mich morgen sogar noch ein bisschen weniger brauchen als heute. Zwischen heute und dem Tag, an dem mein Sohn erwachsen ist, liegen tausend kleine Abschiede.

Und ich glaube, ich erlaube mir selbst, etwas von dieser Traurigkeit zuzulassen..

Denn wenn ich ganz ehrlich bin, dann bin ich vielleicht doch eine von „diesen Mama“.

Dieses ganze Kindheitsding geht einfach viel zu schnell vorbei.

 

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