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Ein Gastbeitrag von Anna-Lena aus Bochum

Früher habe ich sehr viel über mein Körperfett gesprochen. Ich sprach darüber, wie unglaublich fett ich mich fühlte, wie fett ich aussah und was für eine Diät mir gut tun würde, um etwas von dem Fett los werden zu können. Ich sprach über Diäten und welche Lebensmittel ich meiden müsste, um nicht noch fetter zu werden. Gleichzeitig erwähnte ich aber immer wieder, dass alle Menschen sich wohl fühlen müssen und das nicht jeder Mensch dünn sein muss, um akzeptiert zu werden. Es ging um mein Körperbild, was falsch war.

Dann wurde ich irgendwann Mama.

Keiner von uns möchte die Probleme mit dem eigenen Körperbild an seine Kinder weitergeben. Bei unseren Kindern wird dieses falsche Körperbild nämlich über Generationen weiter vererbt.  Wir legen uns bei der Bewertung von Menschen auf ein Körperbild fest. Das ist falsch.

Indem wir uns selbst schlecht machen, beeinflussen wir das gesunde Körperbewusstsein unserer Kinder und darüber ist sich die Wissenschaft schon lange einig: DAS ist nicht gut.

Eine Studie an 5- bis 7-jährige Mädchen aus dem Jahr 2016 brachte folgendes Ergebnis hervor: Mädchen ahmen das nach, was ihre Mamas über ihren eigenen Körper sagen. Sie ließen die kleinen Mädchen über ihren Körper sprechen und dann hörten die Mädchen ihren Müttern zu, wie sie über ihren eigenen sprachen. Danach sollten die Mädchen erneut über ihren eigenen Körper sprechen, alles vor einem Spiegel. Die Beschreibungen der Mädchen änderten sich je nachdem, was ihre Mütter über sich selbst sagten.

Mit anderen Worten: Was und WIE wir vor unseren Kindern über unsere Körper sprechen, ist wichtig. Stell dir vor, du beschreibst dich selber als zu dick und hässlich und dann bittest du deinen Sohn, ein Idealbild eines weiblichen Körpers zu beschreiben. Ich wette, er wird dir sagen, dass eine Frau dünn sein muss, um schön zu sein.

So trugen all meine negativen Gedanken zu meinem Körperbild und all die negativen Äußerungen von Verwandten auf ihre Körper dazu bei, dass meine Söhne einen ganz speziellen Blick auf den weiblichen Körper vermitteln bekommen haben. Was bringen wir unseren Kindern bei, wenn wir ständig an uns mäkeln und ständig über Diäten und verbotene Lebensmittel diskutieren? Sowohl Jungen als auch Mädchen nehmen diese Gespräche auf und das ist alles andere als richtig.

Reicht es dann nicht aus, wenn ich meinen Kindern erzähle, dass auch dicke Frauen liebenswert sind? Reicht es nicht aus, ihnen zu erzählen, dass Schönheit im Auge des Betrachters liegt und auch dicke Menschen schön sein können? Nein, das reicht verdammt nochmal nicht aus, denn wenn wir das tun, sagen wir unseren Töchtern – und unseren Söhnen – immer noch, dass Frauen ob ihrer Schönheit am meisten geschätzt werden. Sicher, wir könnten hinterher über starke Fußballspielerinnen und mutige Astronautinnen sprechen, um das alles zu relativieren aber alles Gesagte bleibt bestehen.

Unsere Töchter hören dann, dass es toll ist, mutig und klug und stark zu sein. Aber es ist eben eigentlich das Wichtigste, schön zu sein. Unsere Söhne hören, dass Mädchen mutig und klug und stark sein können, aber Frauen sind dann eben am wertvollsten und attraktivsten, wenn sie den Standards der Modelmaßen entsprechen. Merkste selber, oder?

Sind wir demnach alle schön? Sind alle Menschen gleich schön? Nein, sagt die Wissenschaft. Wenn jeder schön ist, dann ist niemand wirklich schön, und jeder weiß doch aber, dass Schönheit existiert. Damit schiebst du die Diskussion nur beiseite. Außerdem „Es ist nicht jedermanns Job, schön zu sein“, erzählt Renee Engeln, Psychologieprofessorin, eine Frau, die sich mit Körperbildern und Medien beschäftigt. „Wenn das, was du wirklich meinst, wenn du deine Tochter schön nennst, ist, dass sie stark, klug und witzig ist, dann benutze stattdessen diese spezifischeren Adjektive.“

Gleichzeitig müssen wir unsere Werte neu ausrichten. Die Psychologin empfiehlt, andere Menschen nach ihren Fähigkeiten zu bewerten: Nach ihren Fähigkeit und nicht nach ihrem Aussehen. Lebensmittel sollten danach eingeteilt werden, ob sie sich lange satt machen und dir wichtige Stoffe liefern und nicht dem Kaloriengehalt oder der Kohlenhydratmenge.

Insgesamt müssen wir viel mehr mit unseren Kindern sprechen. Schon in jungen Jahren müssen wir mit Mädchen – und mit Jungen – darüber sprechen, wie unterschiedlich Menschen sein können. Nicht nur Mädchen leiden später an Magersucht, die Anzahl der Jungs wird immer größer. Der Alltag bietet uns so viel Steilvorlagen: Schau mal, wie die Comicheften aussehen. Sehen so echte Menschen aus? Wie sehen deine Puppen aus? Schaut euch die Menschen auf Zeitschriftencovern und in Fernsehsendungen an: Ihre Gesichter, ihre Haare, ihre Körper. Siehst du solche Menschen tagtäglich die Straße entlang gehen? Warum denkst du, dass du es nicht tust? Das normale Leben sieht eben nicht aus, wie das in deinem Comic. Auf Covern wird retuschiert und verzerrt, das wahre Leben sieht anders aus.

Das Wichtigste bei diesen Beispielen ist jedoch, dass wir unsere Söhne und Töchter fragen, wer von diesen Bildern eigentlich wirklich profitiert. Wenn du ein Model auf dem Cover eines Magazins siehst, was soll es in dir auslösen? Was macht Werbung mit dir? Gleichzeitig können wir vermitteln, dass stereotype Rollenklischees eben nur Klischees sind. Männer dürfen lange Haare haben, Mädchen kurze und rosa ist keine reine Mädchenfarbe usw. Vor allem: Ist das realistisch, oder nicht?

Was sollte wichtiger sein: Wie jemand aussieht oder welche anderen Eigenschaften er noch aufweist? Das ist das, was wir als Eltern leisten müssen: Schönheit liegt im Auge des Betrachters, und Schönheit wird nicht auf dem Cover einer Zeitschrift definiert. Wahre Schönheit wird durch Eigenschaften wir Empathie und Toleranz und Freundlichkeit definiert. Ich möchte, dass meine Söhne das so sehen. Und wenn ich das will, dann muss ich aufhören, über mein Aussehen zu reden, positiv wie negativ. Ich muss anfangen, meine Eigenschaften in den Vordergrund zu stellen. Je früher, desto besser.

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